(Grafik: Unsplash)

Alle Updates zur Corona-Pandemie und eine Chronologie der Ereignisse findet ihr hier im GROOVE-Newsticker auf einen Blick. Dieser Artikel wird laufend aktualisiert, um alle weiteren relevanten Entwicklungen abzubilden, genau wie unsere Liste mit den wichtigsten Hilferufe und Kampagnen aus der Szene.

Montag, 30. März 2020

Zuletzt aktualisiert: 15:00 Uhr

Nach verschiedenen Hilfsprogrammen für Selbstständige in den einzelnen Bundesländern wurden nun auch auf Bundesebene Soforthilfen für Kleinstunternehmen und Solo-Selbständige in Höhe von 50 Milliarden Euro gebilligt. Die Anträge können über Stellen der Ländern gestellt werden, meist sind dies staatliche Förder- oder Investitionsbanken.

Nach der Spendenaktion von Bandcamp zieht nun auch die Mix-Plattform Mixcloud nach: Sie verzichtet in den nächsten drei Monaten auf ihren Anteil vom Bezahl-Abo SELECT und schüttet das Geld komplett an Künstler*innen und Kurator*innen aus.

Weitere Festivals wie das Primavera Sound in Barcelona müssen absagen oder verschieben. In Japan kämpft DJ Nobu derweil um staatliche Hilfen für Clubs und traf sich mit Regierungsvertreter*innen.

Mittwoch, 25. März 2020

Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg appellierte heute Morgen an die Bundesregierung, die vereinbarte Aufschiebe-Regelung für Ticketerstattungen umzusetzen. Mehr als die Hälfte der deutschen Veranstalter müssten sonst in den Konkurs gehen. Heute wird im Bundestag über neue Gesetze und das geplante Förderprogramm beschlossen.

Während etwa Clubs in Berlin zunächst bis zum 20. April geschlossen bleiben müssen, haben die Niederlande Zusammenkünfte von mehr als drei Personen bis zum 1. Juni verboten.

Derweil geht die Party im Netz weiter: Resident Advisor kündigt fürs Wochenende Club Quarantäne an, eine 42-Stunden-Party, United We Stream sendet heute aus der Klappe.

Dienstag, 24. März 2020

Während der Berliner Senat schon Donnerstagabend ein Soforthilfe-Programm auch für Selbstständige und Freiberufler*innen verabschiedete, für das sich aber noch nicht beworben werden kann, ist auch auf Bundesebene ein Hilfspaket in Höhe von 50 Milliarden Euro für kleine Firmen und Solo-Selbstständige geplant.

Weitere Festivals und Branchenmessen sagen ab, darunter Freerotation, Nuits Sonores in Lyon, das International Music Summit in Ibiza oder die Berliner Superbooth.

Im Netz kommt derweil viel Support aus der Szene: Bandcamp verzichtete am Freitag auf seine Provision und verkaufte fünfzehn mal mehr, als gewöhnlich – rund 4,3 Millionen US-Dollar. United We Stream sammelte bis heute schon fast 240.000 Euro, der Nightlife Emergency Fund steht bei knapp 18.000 Euro. Hier findet ihr unsere Übersicht über Petitionen und Spendenaufrufe im Netz.

Wir haben mit Gregor Gysi über Hilfsfonds, das bedingungslose Grundeinkommen und Potenziale der Krise gesprochen:

Freitag, 20. März 2020

Der Berliner Senat hat über Nacht ein Soforthilfe-Programm für Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler*innen verabschiedet. 600 Millionen Euro sind vorgesehen, 500 Millionen Euro davon allerdings für Unternehmen und maximal 5.000 Euro pro Person. Auch auf Bundesebene wird über schnelle Hilfen diskutiert, während sich die Petitionen und Spendenaufrufe im Netz häufen.

Die Kampagne United We Stream unter Schirmherrschaft der Clubcommission Berlin kann derweil gute Nachrichten verkünden: Bis Freitagmittag kamen durch etwa 4.300 Spenden insgesamt 127.000 Euro zusammen.

Heute verzichtet die Online-Plattform Bandcamp auf ihre Provision, die Erlöse gehen komplett an Musiker. Mehr dazu hier.

Weitere Festivals wie das Donaufestival Ende April in Krems müssen absagen, das Movement Detroit wurde in den September verschoben. Die Pyonen starten dagegen den Vorverkauf für die Nation of Gondwana Ende Juli, um die Vorbereitungsphase zu finanzieren. Am Dienstag hatten wir Gründungsmitglied Markus Ossevorth im Interview – bitte hier entlang.

Donnerstag, 19. März 2020

Der Londoner Club FOLD geht das Veranstaltungsverbot kreativ an und bietet an, temporär ein Krankenhaus für Corona-Betroffene zu werden. Die ganze Geschichte gibt es hier.

Nach Ansteckungen in mehreren Berliner Clubs muss sich nun auch der Neuköllner Klunkerkranich einreihen. Laut Facebook-Post war ein infizierter, aber symptomfreier Gast am Mittwoch, den 11. März, zu Besuch.

Medienberichten zufolge verzichtet Amazon im Zuge der Corona-Krise vorerst darauf, seine Bestände an Musikartikeln durch Nachbestellungen zu decken.

Auch die GROOVE ist von der Krise betroffen und bittet euch: Schließt jetzt ein Abo ab, sichert euch wochenlanges Lesevergnügen und unterstützt unabhängigen Musikjournalismus!

Mittwoch, 18. März 2020

Weitere Festivals müssen ausfallen, darunter das beliebte Glastonbury Festival, das Ende Juni im Südwesten Englands stattfinden sollte, oder das Rewire Festival Anfang April in Den Haag.

Immer mehr Clubs und Kollektive starten öffentliche Kampagnen und Hilferufe. Die Wichtigsten haben wir in dieser Liste für euch zusammengefasst, die ständig aktualisiert wird:

Dienstag, 17. März 2020

Mit United We Stream starten die Clubcommission und das Netzwerk Reclaim Clubculture ein Format, das auf den Notstand in der Berliner Clublandschaft aufmerksam machen soll. Täglich von 19 bis 0 Uhr übertragen ab dem 18. März Clubs wie Watergate, Tresor oder Griessmuehle DJ-Sets, Live-Musik und Performances. Mit den Streams planen die Initiatoren außerdem, die Aufmerksamkeit auf eine Spendenaktion zugunsten der Kulturschaffenden zu lenken. Acht Prozent der Einnahme fließen in den Stiftungsfonds Zivile Seenotrettung. Den ersten Stream sendet der ebenfalls stark bedrohte Club Gretchen bereits heute ab 18 Uhr.

Von Existenzängsten über Solidarität hin zu Raum für Kreativität – wir dröseln im GROOVE-Feature auf, was die Corona-Pandemie für unsere Szene bedeutet:

Montag, 16. März 2020

Am Freitagabend gab die Clubcommission in einer Pressemitteilung bekannt, dass sämtliche Clubs Berlins bis zum 20. April geschlossen bleiben. Das geschieht auf Anordnung des Senats hin. Später in der Nacht mussten dann auch Bars und Kneipen ihren Betrieb einstellen.

Am Wochenende stellte sich außerdem heraus, dass ein Infizierter das Kater Blau besuchte. Wer am 6. und 7. März im Berliner Club war, soll zuhause bleiben und sich umgehend beim Gesundheitsamt Friedrichshain-Kreuzberg melden.

Freitag, 13. März 2020

Weil die Kulturindustrie eine der Branchen ist, die die derzeitigen Maßnahmen am stärksten treffen – man führe sich die unzähligen Absagen und damit verbundenen wegbrechenden Einnahmen sowie ausstehenden Zahlungen vor Augen –, gibt es bereits erste Initiativen, die ihr unter die Arme greifen wollen. Die Clubcommission hat eine Crowdfunding-Kampagne für besonders gefährdete Clubs eingerichtet und plant, sich außerdem an den Senat zu wenden. Auf Künstler*innen- und Freiberufler*innenseite steht bislang eine Online-Petition, die dafür plädiert, staatliche Finanzhilfen auch an diese Gruppen auszuschütten.

Clubs mit einer Kapazität von unter 1000 bleibt in den meisten Ländern nach wie vor selbst überlassen, wie sie mit der Situation umgehen. Der Karlsruher Gotec Club beispielsweise sichert den Betrieb gar durch Temperaturscanner am Einlass. Weniger dystopisch, dafür mit ähnlich intensivierten Hygienemaßnahmen operiert die Berliner Paloma Bar – Gäste werden vorerst per Mail registriert.

Donnerstag, 12. März 2020

Der Berliner Club OHM gab über Facebook bekannt, dass der Club bis zum 20. April 2020 geschlossen bleibe. Man werde die Situation genau beobachten und über die weitere Entwicklung informieren. Ähnliches gab das Berliner Acud Macht Neu bekannt. Das Münchner Blitz sagte alle Veranstaltungen für dieses Wochenende ab, das angeschlossene Restaurant sei davon jedoch nicht betroffen. Die Griessmuehle gab an die Partys für kommendes Wochenende bis auf Weiteres zu verschieben.

„Die Kulturministerkonferenz muss die Corona-Krise auf die Tagesordnung setzen”, fordert Erhard Grundl MdB, Sprecher für Kulturpolitik, der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Obmann im Kulturausschuss. Bei der für morgen geplanten Kulturministerkonferenz und dem Kulturpolitischen Spitzengespräch stehe bisher noch nichts dazu auf der Tagesordnung, kritisierte Grundl in einer Pressemitteilung. Sowohl für mittelständische Kulturbetriebe wie für freischaffende Künstler*innen sei der ersatzlose Ausfall von Ausstellungen und Auftrittsmöglichkeiten existenzbedrohend, weshalb es jetzt unbürokratische Soforthilfe brauche.

Zwar habe die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bereits Unterstützung für die betroffene Kulturszene angekündigt: „Künstler und Kultureinrichtungen können sich darauf verlassen, gerade mit Blick auf die Lebenssituationen und Produktionsbedingungen der Kultur-, Kreativ- und Medienbranche: Ich lasse sie nicht im Stich! Wir haben ihre Sorgen im Blick und werden uns dafür einsetzen, dass die speziellen Belange des Kulturbetriebs und der Kreativen miteinbezogen werden, wenn es um Unterstützungsmaßnahmen und Liquiditätshilfen geht.“ Sie habe deshalb in der Bundesregierung angeregt, zu den anstehenden Gesprächen über Hilfsmaßnahmen auch Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur und Medien einzuladen. „Wir müssen auf unverschuldete Härten und Notlagen reagieren und sie ausgleichen. Das muss uns nicht nur die Wirtschaft, sondern auch unsere durch die Absagen schwer gebeutelte Kulturlandschaft wert sein“, sagte Grütters.

Das tatsächliche Ausmaß der Auswirkungen, die das Coronavirus auf die Branche habe, müsse allerdings durch eine konkrete Datensammlung ermittelt werden, so Grundl weiter. Aktuell fragen dies die jeweiligen Bundesverbände wie LiveKomm, Deutscher Musikrat und der Kulturrat ab. Grundl fordert einen Aktionsplan, der Soforthilfen unbürokratisch ermöglicht, etwa in Form von Kompensationen, Darlehen und Mikrokrediten für Ausfälle. Dafür solle seiner Meinung nach sofort ein Notfallfonds eingerichtet werden. Inwiefern dies umgesetzt wird, wird sich am 25. März zeigen, wenn sich der Ausschuss für Kultur und Medien, mit dem Thema befasst.

Mit Robag Wruhme ist der nächste deutsche Künstler von der inzwischen zur Pandemie erklärten Ausbreitung des Virus betroffen. Gabor Schablitzki muss seine anstehende US-Tour absagen, nachdem die Staaten ein Einreiseverbot für Europäer verhängten. Ausgenommen sind Passagiere aus Großbritannien und den USA selbst.

Robag Wruhme Absage Tour 2020

Mittwoch, 11. März 2020

Auch die Länder Berlin und Hamburg planen, Veranstaltungen mit über 1000 Personen zeitweise zu verbieten. In Berlin erstreckt sich das Verbot bis zum 19. April, der Zeitraum in der Hansestadt ist noch nicht definiert.

Die Berliner Clubcommission um Pressesprecher Lutz Leichsenring äußert sich in einem Statement zur Auswirkung des Coronavirus auf die Clubkultur und zieht gar eine „temporäre Schließung aller Betriebe in Erwägung”, um die Infektionskette zu unterbrechen. Außerdem erarbeitete man bei einem Krisentreffen von knapp 50 Clubbetreiber*innen und Veranstalter*innen einen Maßnahmenkatalog, der bereits dieses Wochenende zum Einsatz kommen soll. Besucher*innen werden in diesem Zuge vorerst mit ihrer Mailadresse oder Telefonnummer registriert, um das Gesundheitsamt im Zweifel informieren zu können. Die Clubcommission empfiehlt zudem, wegen der Platz- und Lüftungsverhältnisse die Auslastung der jeweiligen Räumlichkeiten auf 70% zu reduzieren. Die Clubs seien sich ihrer Verantwortung sehr bewusst, insbesondere die privatwirtschaftlich betriebenen führte ein „Shutdown von nur wenigen Wochen” aber unweigerlich in die Insolvenz. Deshalb plant die Kommission mithilfe von Banken, Crowdfunding-Anbietern und Politik einen Rettungsfonds.

Am Mittag informierten Gesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel mit RKI-Präsident Lothar Wieler gemeinsam zur Corona-Epidemie. Die clubkulturelle Quintessenz dabei: „Tanzveranstaltungen sind keine Semesterprüfung”, mahnte Spahn. Auch aus Rücksicht auf Ältere oder Menschen mit Vorerkrankung bat er insbesondere junge Menschen, Clubbesuche zu überdenken. Bundesweite Versammlungsverbote oder eine Sperrzone seien weiterhin nicht geplant.

Das US-Festival Coachella wird erstmals in seiner 34-jährigen Geschichte verschoben – von April auf Oktober.

Am Abend gab das Berghain über seine Homepage bekannt, alle bereits angekündigten Klubveranstaltungen im Berghain, der Panorama Bar und der Säule bis zum 20. April vorsorglich abzusagen.

Dienstag, 10. März 2020

Nach dem Aus für einzelne Partys macht erstmals ein Berliner Szene-Club seine Türen dicht: Die Trauma Bar sagt alle Events bis April ab.

War vergangenen Donnerstag nur der nördliche Teil Italiens zur Sperrzone erklärt worden, hat sich diese nun auf das ganze Land ausgeweitet. Diese Entwicklung zieht einerseits geplatzte Veranstaltungen in Städten wie Mailand nach sich, verhindert aber auch die Ausreise von Künstler*innen. Caterina Barbieri konnte ihre US-Tour beispielsweise nicht antreten. Auch im französischen Saint-Denis findet ein Event mit Ben Klock und Rebekah nicht statt. Die dortige Regierung verbietet Veranstaltungen mit über 1000 Personen bis zum 13. April 2020.

Am Sonntag dachte Gesundheitsminister Spahn erstmals öffentlich über Verbote für Veranstaltungen ab 1.000 Personen nach, am Dienstag hatten nur die besonders betroffenen Bundesländer Bayern und NRW solche Verbote ausgesprochen. Aus Berlin hieß es gestern Abend noch, lediglich staatliche Konzerthäuser mit mehr als 500 Gästen müssten schließen.

Wie gut sich das Coronavirus offenbar in Clubs ausbreitet, belegen indes zwei Fälle in Berlin: Laut RBB infizierten sich neun Personen am 27. Februar im Berliner Club The Reed nahe Alexanderplatz, weitere 17 beim Besuch des Clubs Trompete in Berlin-Tiergarten. Mit der Yellow Lounge sagte das Ritter Butzke außerdem das nächste Szene-nahe Format ab. Kriterien zur Risikokalkulation hat das Robert-Koch-Institut definiert: Neben der Anzahl der Teilnehmenden sei insbesondere relevant, wie nahe sich die Personen kämen und ob sie aus Risikogebieten anreisten. Zusätzlich förderten eine lange Dauer sowie mangelnde Belüftungsmöglichkeiten die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.

Auch Österreich verbietet ab Mittwoch, den 11. März, Indoor-Veranstaltungen mit über 100 Personen sowie Outdoor-Veranstaltungen mit über 500 Personen.

Anfang März

Bereits am 4. März veröffentlichten die Betreiber*innen des KitKat ein Statement zur Absage der Gegen-Party in ihren Räumlichkeiten, GROOVE berichtete. Der Booker und Chef des Kalif Storch in Erfurt äußerte in diesem Zug seine Sorgen bezüglich der potenziellen Auswirkungen des Virus auf die deutsche Clublandschaft.

Die voranschreitende Ausbreitung des Virus macht logischerweise auch deutschen DJs im Ausland zu schaffen. Das Duo andhim kann aufgrund verschärfter Einreisebestimmungen seinen Gig in Israel nicht wahrnehmen. Der DJ und Producer Introversion wurde bereits am 7. März auf seiner Asien-Tour in eine 14-tägige Zwangs-Quarantäne gebracht, wie uns sein Booker per Mail mitteilte. Im vietnamesischen Ho-Chi-Minh-Stadt passten ihn die Behörden bei der Einreise aufgrund seines vorherigen Aufenthalts in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ab und brachten ihn mit weiteren Verdachtsfällen in ein ehemaliges Militärkrankenhaus – offenbar ohne medizinische Checks oder vorhandene Symptome.

Frankreich verbot Anfang der Woche Events ab 5.000 Menschen, was zur Absage des belgischen Festivalablegers Tomorrowland Winter 2020 führte. Auch das Ultra Music Festival in Miami fällt nach Absprache mit US-Behörden wegen Sicherheitsbedenken aus, genau wie das SXSW-Festival in Texas.

Ende Februar

Als erstes Land in Europa verbietet die Schweiz am 28. Februar 2020 Veranstaltungen ab 1.000 Personen. Wir haben darüber mit dem Kaufleuten und Club Zukunft gesprochen.

Zahlreiche Events in Asien werden abgesagt oder verschoben, wir berichteten.