KitKatClub (Foto: Presse)

Update (06. März 2020): Am Donnerstagabend hat die italienische Regierung eine neue Verordnung erlassen, wonach Besucher*innen öffentlicher Events mindestens einen Meter Sicherheitsabstand einhalten müssen. Damit bleiben Clubs vorerst bis zum 3. April geschlossen. Frankreich verbot Anfang der Woche Events ab 5.000 Menschen, was zur Absage des belgischen Festivalablegers Tomorrowland Winter 2020 führte. Auch das Ultra Music Festival in Miami fällt nach Absprache mit US-Behörden wegen Sicherheitsbedenken aus.

Nachdem wir in den letzten Tagen schon über die Auswirkungen von Corona auf die asiatische Clubszene und ersten Reaktionen in Europa berichtet haben, gibt es nun auch in Deutschland erste Clubs, die auf das gestiegene Infektionsrisiko mit dem neuartigen Virus Sars-CoV-2 reagieren. Die Berliner Partyreihe Gegen, die traditionell im Berliner KitKatClub stattfindet, hat ihre für Freitag geplante Veranstaltung abgesagt. Das gaben die Veranstalter*innen am Dienstag, 3. März, in einem Statement auf Facebook bekannt.

„Feiern in Zeiten von Corona –
geht das & darf man das?”

KitKatClub

Daraufhin meldeten sich die Betreiber*innen des KitKatClubs am Mittwoch ebenfalls mit einem Statement über Facebook zu Wort. Man habe sich durchaus die Frage gestellt: „Feiern in Zeiten von Corona – geht das & darf man das?” Es sei darüber nachgedacht worden, den Clubbetrieb für das komplette Wochenende einzustellen. Allerdings hätten die Mitarbeiter*innen darüber abgestimmt und sich mehrheitlich für die Durchführung der Veranstaltungen ausgesprochen. Um ein möglichst ansteckungsfreies Feiern zu ermöglichen, hätten die Betreiber*innen einen Informationsflyer erstellt und verteilt, um alle Gäste für das Thema zu sensibilisieren.

Folgende Maßnahmen werden demnach seitens der Betreiber*innen ergriffen: Die Garderobe werde in den Hof verlagert, um größeren Abstand zwischen den Gästen garantieren zu können. Zudem werde man ab sofort zu Beginn der Party die E-Mail-Adressen aller Clubbesucher*innen einsammeln, um bei späterer Erkrankung eines Gastes alle übrigen Gäste informieren zu können und diese im Ernstfall auch ans Gesundheitsamt weitergeben zu können. Feierwillige aus Risikogebieten werden zudem gebeten, von einem Besuch im KitKatClub abzusehen und ebenfalls zuhause zu bleiben, wenn Krankheitssymptome bereits vorhanden sind. Zusätzlich betonten die Veranstalter*innen noch die Notwendigkeit des richtigen, gründlichen Händewaschens. Das KitKat biete seinen Mitarbeiter*innen die Option, sich vom Dienst freistellen zu lassen. Anstelle der Gegen wird am Freitag nun das Veranstaltungsformat Life Is A Circus stattfinden.

„Sollten Veranstaltungen in der Zukunft aufgrund von Corona abgesagt werden, kann dies unsere Existenz elementar beeinflussen.”

Hubert Langrock, Kalif Storch

Eine weitere Stellungnahme erreichte uns von Hubert Langrock, Booker und Chef des Kalif Storch in Erfurt. Er plädiert dafür, nicht in eine allgemeine Panik zu verfallen und mit dem Infektionsrisiko von Corona wie mit anderen bekannten Viruserkrankungen umzugehen. Konkret bedeute das: Bei Krankheitssymptomen zuhause zu bleiben und allgemeine Hygieneregeln einzuhalten, um somit das Risiko einer Ansteckung im Clubbetrieb zu verringern. Von staatlicher Seite aus gebe es für Clubs bisher keine Vorschriften oder Unterstützung, es werde lediglich auf vom Robert Koch-Institut veröffentlichte Informationen und empfohlene Maßnahmen verwiesen. Für den internen Betrieb habe das Kalif Storch nochmal allen Mitarbeiter*innen eine Hygieneunterweisung erteilt, Desinfektionsmittel auf den Toiletten verteilt und eine Grundreinigung aller zugänglichen Flächen des Clubs durchgeführt. Langrock befürchtet: „Sollten jedoch Veranstaltungen in der Zukunft aufgrund von Corona abgesagt werden, kann dies unserer Existenz elementar beeinflussen.”

„In einer Veranstaltungsausfallversicherung sind Pandemierisiken erstmal ausgeschlossen”

Matthias Glesel, Versicherungsmakler 

Die Veranstaltungs- und Gastronomiebranche steht in Bezug auf die steigende Verbreitung von Corona besonders unter Druck. Wenn Veranstaltungen aufgrund des Virus ersatzlos ausfallen müssen, tragen die Veranstalter*innen häufig das volle Risiko, da nur wenige gegen Pandemien und damit verbundene Ausfälle versichert sind. „In einer Veranstaltungsausfallversicherung sind Pandemierisiken erstmal ausgeschlossen und können dann bei wenigen Anbietern per Klausel wieder eingeschlossen werden”, sagt der auf Veranstaltungs-Policen spezialisierte Versicherungsmakler Matthias Glesel in diesem Interview mit dem Versicherungsboten. Bei den meisten Veranstaltungen bestehe seiner Meinung nach nur eine unzureichende Absicherung gegen Ausfallrisiken, weil diese recht kostenintensive Versicherungsform häufig einfach nicht ins Budget einkalkuliert werde. „Ein fataler Fehler”, findet Glesel.

Eine präventive Absage von Veranstaltungen führe zudem nicht zu einer Auflösung geschlossener Verträge oder zum Eintritt der Ausfalldeckung, sodass vereinbarte Künstler*innengagen im Zweifelsfall zu tragen seien. Auch sei das Thema Corona nicht per se höhere Gewalt, was von vertraglichen Verpflichtungen rechtlich entbinden würde. Besonders für kleinere Clubs könnte die Absage von Veranstaltungen unter Umständen in der Folge also sogar existenzbedrohend werden.

Neun weitere Clubs, die wir deutschlandweit zu einer Stellungnahme angefragt haben, haben sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht geäußert. Wir halten euch über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden.