Foto: Birgit Kaulfuss Nahezu acht Jahre lang ging es bei ihnen hauptsächlich um Moderat und ihre Labels, nun sind sie als Duo zurück: Modeselektor. Mit Who Else wollen sich Sebastian Szary und Gernot Bronsert wieder auf sich konzentrieren. Im Interview schneiden sie ernste Themen an: Von Streamingdiensten über Feminismus bis hin zu Yoga scheint es nichts zu geben, zu dem die beiden keine Meinung haben. Während die beiden mitten in den Vorbereitungen für ihre anstehende Tour steckten, traf sie Cristina Plett zum Interview in der Teeküche ihres Studios. Das Interview im Monkeytown-Office beginnt, wie ein Gespräch mit Modeselektor beginnen muss: „Magst du einen Kaffee?“ fragt Sebastian Szary, der Teil von Modeselektor, der für die Koffeinversorgung des Duos zuständig ist. Genauso, wie die beiden Produzenten und DJs aus Brandenburg Espresso und Affen zu einem Teil ihrer Markenidentität gemacht haben, so bekannt ist auch Szarys Standard-Kleidungsstück, der Overall. Heute trägt er ein Modell des Zürcher Flughafenspersonals. Sein Kollege Gernot Bronsert folgt dem Arbeiter*innen-Narrativ mit einem Hoodie, auf dem der Aufdruck „Pro Lefto Lefto Club“ prangt. Auch der Track, mit dem sie im vergangenen November ihr neues Album Who Else anteasten, hieß „Wealth“. Darauf rappt die britische Grime-Rapperin Flohio „everybody wanna get that money really quick“, während im Hintergrund die gewohnten Modeselektor-Bässe mit einem eher ungewöhnlichen Grime-Einschlag wummern. Die beiden, die eigentlich als Spaßvögel mit Schampusflasche bekannt sind, zeigen sich nun politisiert. Mit Who Else besinnen sich Szary und Bronsert auf ihre unverkennbaren Stärken als Duo, back to the roots und musikalisch dennoch vom Zeitgeist geprägt. Es ist ihr erstes Album als Modeselektor seit Monkeytown im Jahr 2011. Seitdem hatten Moderat, ihr Trio mit Apparat, und ihr Output als DJs und Labelmacher im Vordergrund gestanden. Nun ist es wieder Zeit für Zweisamkeit und – das werden sie im Gespräch immer wieder betonen – Spaß. Eure erste Single jetzt war “Wealth” mit Flohio. Ich fand das ist ein Ausreißer auf dem Album – war das für euch ein Experiment? Warum wolltet ihr mit Flohio zusammenarbeiten? Sebastian Szary: Für mich ist das ehrlich gesagt gar nicht so ein großer Ausreißer. Das ist so die Frage, mit was für einer Sache man zuerst um die Ecke kommt. Das war ja wirklich ein Lebenszeichen nach langer Zeit. Ja klar, wir haben uns schon was dabei gedacht, aber irgendwie, die Beatstruktur und so, da sind wir auch klar verwurzelt. Im Prinzip finde ich Grime geil, ich finde Dancehall geil und ich finde Techno geil. Und Flohio steckt da total drin, das ist eine super Sängerin. Wo habt ihr die entdeckt? Gernot Bronsert: Na, ein bisschen auf ganz banale Art und Weise. Im Internet? G: Ne. Ich habe unsere englische Agentin angerufen. Die ist auch die Bookerin von Skepta. Und ich meinte so ‘Wir wollen mal was mit Grime machen und wir wollten schon immer mit einem Grime-MC zusammenarbeiten.’ Dann meinte sie gleich Flohio. Sofort. Bin gar nicht dazu gekommen, meine Frage zu stellen. Ich wollte fragen, ob sie mir mal die Telefonnummer von Skepta besorgen kann. Aber sie hat mir gleich was geschickt und wir fanden das super. Und dann ist Flohio gleich zu uns gekommen. Mit einem BVB-Trainingsanzug. Weil ihre Klamotten nicht mitgekommen sind! Hat sie sich einen Trainingsanzug vom BVB gekauft im Kaufhof am Alex. Das sah total cool aus. S: Die Stimmung bei der Aufnahme […]

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