17BNJMN – Hypnagogia (Delsin)


Mit Plastic World und Black Square hatte BNJMN im Jahr 2011 gleich zwei Alben vorgelegt, die mit ihrem idiosynkratischen House- und Techno-Verständnis sehr angenehm auffielen. Hypnagogia, mit sieben Jahren Abstand erschienen, ist erst sein drittes Album. Einiges hat sich seit den frühen Tagen beim Label Rush Hour geändert. Sehr übersichtlich gehalten sind diesmal die Produktionen, ganz fokussiert auf das langsame Sich-entfalten-Lassen von Drone-artig gehaltenen Tönen, abgedämpften Hi-Hats oder kaum merklichen Bässen. Den oft bei sich selbst erlebten hypnagogen Zustand zwischen Wachen und Schlafen übersetzt BNJMN so mit einfachen, klar definierten und ganz allmählich bearbeiteten Elementen in Klänge, gibt ihnen eine Struktur. Und bietet Räume an, in denen man sich nach Wunsch aus dem Tagesbewusstsein ausklinken kann, die einem aber auch beim aufmerksamen Zuhören genug Mittel bieten, die perfekt abgestimmt ineinander greifen – keine Chance für Langweile. Sei es im Bett oder im Club. Tim Caspar Böhme

16Colin Self – Siblings (RVNG Intl.)


Als Mitglied des aus einem Drag-Kollektiv hervorgegangenen Club-Projekts Chez Deep gehört der Komponist, Choreograf, Performer und Installationskünstler Colin Self zu einem Kreis NYer Clubkulturaktivist*innen, die einen genderoffenen Diskurs anstreben. Siblings steht im Kontext einer größeren Werkeinheit: Die elf Tracks darauf bilden den sechsten und letzten Teil von „Elation“, einer „sequenziellen Operette auf Grundlage einer sechsteiligen transfeministischen Oper über Transfiguration und globale Unbestimmtheit“. Vokal- und Chorpassagen reiben sich an noisigen Industrial-Böcken – der affirmative Pop-Bezug scheint sich permanent selbst auszuhöhlen. Nicht selten lärmt Self erst ganz schön rum, um dann in schierer Schönheit zu landen – oder umgekehrt. In ihrer direkten Körperlichkeit gibt diese Programmmusik auch Auskunft über ihre Provenienz als Derivat einer Bühnenmusik, in ihrer fragmentarischen Skizzenhaftigkeit erinnert sie an Notizbuchaufzeichnungen. Souverän rückt Self den Sicherungen neo-klassischer und experimenteller Register mit einem Euro-Synth-Pop-Kurzschlussstecker zu Leibe. Harry Schmidt

15dBridge – A Love I Can’t Explain (Exit)


Das zweite Album von dBridge markiert einen musikalischen und einen wichtigen privaten Schritt im Leben von Darren White. A Love I Can’t Explain hat mit Drum’n’Bass fast nichts zu tun, aber auch nicht mit Warrens Techno- und House-Produktionen als Velvit, dafür umso mehr mit Dubstep und Massive Attack (ohne deren Eleganz und Opulenz). Großstadtmusik, die nie in Boutiquen und Lounge-Clubs ankommen wird, sondern sich in dunklen Ecken herum drückt, unter Brücken und in illegalen Läden, wo die besten Parties stattfinden – auch wenn dies vermutlich nicht mehr dBridges Alltag entspricht, im Info preist er eine neue Lebensphase mit allem drum und dran: Vater, Mutter, Kind, man ahnte es. Am Ende von Stück zehn erklingt dann tatsächlich auch eine Babystimme! Mehr Missionierungs- oder Erklärungsversuche gibt es in stringenter Umsetzung des Albumtitels aber auch nicht, und ohne Kenntnis von Warrens Familienglück ist dieses Album einfach nur street, skizzenhafte musikalische Weltbeschreibung der präzisesten Art. Mathias Schaffhäuser

14Demdike Stare – Passion (Modern Love)


Demdike Stare sind weiter im Club  unterwegs – oder haarscharf daneben. Mit Passion gehen Sean Canty und Miles Whittaker eine Reihe britischer tanzfreundlicher Genres durch, von Garage über Jungle bis zu Grime stimmen sie verschiedene Tonlagen an. Dabei übernehmen sie, wie es sich für ihren Weiterverwertungsansatz gehört, nicht einfach die vorgefundene musikalische Syntax, sondern zerlegen sie, verdrehen oder verbiegen sie und fügen die so bearbeiteten Komponenten wieder neu zusammen. Das kann ein kunstvoll zerhackter Jungle-Break in „At It Again“ sein, ein kaum merklich stotternder Grime-Bass in „Spitting Brass“ oder die aus Versehen auf einer Sondermülldeponie gelandeten Reste eines House-Tracks, die man in „You People Are Fucked“ heraushören kann. Hin und wieder fliegt der Beat mittendrin aus dem Track und lässt, etwa in „Pile Up“, metallisches Flirren zurück. Resultat ist ein ramponierter Club mit schiefer Ebene als Tanzfläche. Feiern auf eigenes Risiko, aber mit Gewinn für Geist und Körper. Tim Caspar Böhme

13FJAAK – Havel (FJAAK)

Der Name der Berliner Technoband FJAAK besteht aus den Initialen der Vornamen der Bandmitglieder. Eigentlich müssten sie heute FAAK heißen, denn Johannes, für das J verantwortlich, ist längst nicht mehr dabei. Verblieben sind Felix Wagner, Aaron Röbig und Kevin Kozicki. Das ursprünglich aus Spandau stammende Trio fing als Schülerband mit punkigem Geschrammel an, mit ihrem zweiten Album Havel sind FJAAK nun genau dort, wo es hingehen musste. Bewegte sich das Debüt Spandau Ballet hier und da noch etwas ungelenk und bemüht auf bollerndem Techno-Territorium, so entert der neue Longplayer selbstbewusst die großen Festivalbühnen zur Peaktime. Bei »Take Your Life« dürfte wohl so gut wie jeder an »Born Slippy« denken, nicht zuletzt liegt das am shoutenden Gastsänger Koogan. Bestimmt wird die Szenerie auf Havel von Rave zwischen Hardcore-Techno, Gabber-Bassdrum, Krawall-Acid, frühem Aphex Twin und Breakbeats. Ein Tritt in den Arsch eines saturierten Genre und gar nicht mal so nostalgisch, wie es scheint. Holger Klein

12Harmonious Thelonious – Petrolia (Marmo Music)


Der als Antonelli Electr und Harmonious Thelonious aktive Stefan Schwander ist in den 2000ern mit einem kompromisslosen, hypnotischen Minimal-Entwurf bekannt geworden. In seinen Tracks passiert so wenig auf so unmerkliche Weise, dass es keine Elemente mehr gibt, denen man bewusst folgen kann. Die Musik wird zu etwas Selbstverständlichem, sie ist keine Botschaft, sondern Stimmung und Atmosphäre. Als Material für seine flirrenden Loops verwendete Schwander am Anfang seiner Karriere Pop-Schnipsel, später House und Disco. Zuletzt arbeitete er mit folkloristischer Musik und Technogrooves. Rohe Percussions und erdige Basslines geben seinem neuen Album eine gewisse Schwere, die deren hypnotische Qualität noch steigert. Die Tracks bewegen sich irgendwo zwischen den Avantgarde-Kompositionen von Terry Riley und dem stromlinienförmigem House von Radio Slave, sie sind zugleich Avantgarde und Clubmusik. Die Magie des Albums liegt darin, dass das folkloristische Moment im Subtext bleibt. Außer beim Titeltrack: da bricht die orientalische Rauschpfeife von Ghazi Barakat unerwartet aus dem Groove heraus. Alexis Waltz

11Jay Daniel – Tala (Watusi High)


„Tala“, das zweite Album von Jay Daniel aus Detroit ist voller Funk- und Jazzpartikel, die sich tief unter der Haut breitmachen. Jeder Song bringt frische, neue Melodiebögen. Dazu Rhythmen, die Teilweise an die West-Londoner Broken-Beat-Schule erinnern, aber auch beim 80s-Funk-Label Peoples Potential Unlimited gut aufgehoben wären. Jazz für Bewegung, für Körper und Geist. Auf reine Clubtunes verzichtet Jay Daniel gänzlich. Ohnehin will er in der Öffentlichkeit lieber als Produzent wahrgenommen werden, der sich tiefgründig mit seinen Instrumenten unterhält. Eingespielt hat er alles in seinem Heimstudio am Akai MPC2500, dem Moog Sub 37 und dem Roland JD-XI. Nebenbei hat er intensiv die „Hermetische Kabbala“ studiert. Was wiederum den leicht esoterischen Touch seiner elf Tunes erklärt. Dass er privat Schicksalsschläge hinnehmen musste, macht sich in den melancholisch-dramatischen Nuancen der Platte bemerkbar. „My studio became my safe haven“ verrät er zum Schaffensprozess. Und nichts anderes ist Tala für denjenigen, der sich mit Hingabe in die 37-Minuten Detroit-City-Funk stürzt. Michael Leuffen

10Julia Holter – Aviary (Domino)


Julia Holters großartiges letztes Album Have You In My Wilderness von 2015 war ein Schritt weg von den konzeptuellen und mindestens so Song- wie Soundorientierten Frühwerken hin zu klassischem Songwriting in der Tradition Joni Mitchells. Mit “Aviary” schwingt das Pendel zurück. Es gibt ein übergeordnetes Konzept – wie finde ich innere Ruhe in all der Kakophonie in der Welt und in meinem Kopf – das sich im Sound niederschlägt. Die 15 Songs sind lang und ufern in Sounderkundungen aus. Egal wie turbulent die Sounds zuweilen werden, sind die Stücke doch durch ein harmonisches Zentrum geerdet. Julia Holter und ihre Band sind mittlerweile so traumsicher aufeinander eingespielt, dass sie wie ein hochkonzentriertes Jazzensemble agieren, das sich auch von den Synthie-Dissonanzen nicht aus dem Takt bringen lässt. Die Songs sind über weite Strecken eher getragen. Die helle Leichtigkeit des Vorgängers weicht einer düsteren Schwere. Dieter Wiene

9Nkisi – 7 Directions (UIQ)


Melika Ngombe Kolongo hat sich nichts Geringeres als die Aufarbeitung postkolonialer Erinnerungskultur zum Ziel gesetzt. Zu diesem Zweck fungiert sie als Mitbegründerin des Labels NON Records, das afrikanischen Künstler*innen eine Plattform bietet. Als Nkisi produziert sie außerdem selbst Musik und verwendet dabei ein ganzes Arsenal an teils weltmusikalischen Einflüssen. Über das Grundgerüst aus zappelnden Kicks und Snares schieben sich helle Tribal-Drums. Sich stetig im Wandel befindende, schwer nachvollziehbare Polyrhythmen und vielschichtige, langgezogene Klänge aus dem Synthesizer erzeugen eigenartige Harmonien. Unnachgiebig ziehen sich die klanglichen Motive mitunter von der ersten bis zur letzten Sekunde durch. Das Hauptaugenmerk liegt aber weniger auf den nur spärlich variierten Akkorden, die Essenz von 7 Directions bilden die Beatkonstrukte. Maximilian Fritz

8Objekt – Cocoon Crush (PAN)


Ob in seinen DJ-Sets oder auf seinen recht spärlichen Releases seit 2011 definiert TJ Hertz Musik vor allem über ihr performatives Miteinander, über Reibungs- und Konfrontationspotenziale. Sein zweites Objekt-Album allerdings präsentiert sich zuerst als monolithisches Ganzes. Cocoon Crush setzt auf ein slickes Sounddesign, das über die elf Stücke hinweg zum maßgeblichen Inhalt wird. Die flatternden Rhythmen von „35“ etwa werden von der mächtigen Klanglandschaft „Nervous Silk“ verschluckt, bevor „Deadlock“ wieder mit subbassbereicherten HipHop-Grooves die Rhythmik aufnimmt. Das verbindende Element sind die minutiös drapierten Klangereignisse, die in ihrer Gestaltung eher an Amon Tobin oder Aphex Twin und dort an die elektroakustische Schule von Labels wie Touch oder Mego erinnern als an die Clubkontexte, in denen sich Hertz bewegt – Cocoon Crush nähert sich so dem digitalen musique-concrète-Ansatz von Produzent*innen wie M.E.S.H. an. Es geht also vom Objekt zum Konzept – und das Ergebnis ist mehr als hörbar. Kristoffer Cornils

7Planningtorock – Powerhouse (Human Level/ DFA)


Aus Janine wird Jam, aus „sie“ (she) dritte Person Singular wird „sie“ dritte Person Plural (them). Jam machen ja ewig schon Prop-Pop in der Sache Querness. Auch auf Powerhouse lässt sich das wieder in den Titeln „Transome“ und „Non Binary Femme“ im Nu erkennen. Doch Jam kriegen diesmal einen Dreh, und der heißt Pop. Planningtorock, als Act unter eigenem Pseudonym wie auch als Kollaborateur*innen von The Knife längst zwischen Europa und den USA unterwegs, gehen im fünften Album so relaxt um mit der Musik der Club-Kulturen, R&B, Kunstoper, Comic und Science-Fiction, dass ein Track wie „Much To Touch“ mit seinen Ohrwurm-Streichern und -Flöten als Chart-Topper absolut zu denken ist. Das Pitching von Stimmen ist sowieso längst Jams Top-Expertise. Im Titelstück etwa drehen sich die Stimmbänder ganz mehrdeutig, und dahinter dräuen Hacks und Narreteien. Im Gegensatz zu früheren Aufnahmen jedoch bleiben Planningtorock diesmal nicht bei der Frage Wie wär’s, sondern gehen tatsächlich dazu über, Vorschläge in Sachen Hookline, Mitsingaufforderung, Floor-Umarmung zu unterbreiten. Hui! Christoph Braun

6Roman Flügel – Themes (ESP Institute)


Roman Flügel wird ruhiger. Man kennt das schon von den LPs, die unter seinem bürgerlichem Namen erschienen sind. Vom Brachialen und Kompromisslosen seiner Pseudonyme Eight Miles High, Roman IV oder Soylent Green scheint er sich erstmal verabschiedet zu haben. Doch auch, wenn das Album keine Pferde vor dem Wagen hertreibt, so bewegt es doch. Leicht, mit subtilem Zutun. Welche Erwartungen auch immer durch den Raum schweben. Flügel hat keine Intention diese zu erfüllen. Mit dem Album Themes, das auf dem amerikanischen Label ESP Institute erscheint, bekommt man einen Roman Flügel, der selbstsicher mit konstantem Bewusstsein Akzente setzt. Themes tröpfelt angenehm und doch bestimmt aus der Anlage. Die einnehmende Klangwelt verfolgt jeden Gedanken, jede Idee bis zum Schluss. Schwerelos, ohne im Raum verloren zu sein. Fein abgestimmt verzahnt sich Element um Element. Dominik André

5Shlømo – Mercurial Skin (Taapion)


Shlømo nimmt dem gegenwärtigen Technosound seine Schwere, seine Massivität und das Dominanzgebaren. Jeder Groove des Producers und DJs aus Paris entwickelt eine individuelle Körperlichkeit. Er benutzt selten melodische Hooklines, die Soundscapes übernehmen deren Funktion, bleiben dabei aber im Hintergrund und entwickeln so eine subtile Poesie. Statt ein episches Narrativ aufzubauen, geht es in seinen Tracks um ein Grundgefühl, das sich im Verlauf des Stücks immer tiefer ins Bewusstsein der Hörer gräbt. Auf seinem Debütalbum erweitert Shlømo sein stilistisches Spektrum um Ambient und IDM. Er entwickelt ein eigenes Repertoire schattierungsreicher, lebendiger Sounds und Drumpattern. Wo der aktuelle Techno sich oft auf eine bestimmte Weltuntergangsstimmung beschränkt, verarbeitet Shlømo sehr unterschiedliche körperliche und geistige Zustände, die nicht immer missgestimmt und pessimistisch sein müssen. So ist Shlømo nicht weniger als eine moderne, emotionale Techno-LP gelungen, die ohne symphonischen Neotrance, poppige Arrangements, kitschige Breaks und Industrial-Powerplay auskommt. Alexis Waltz

4The Prodigy – No Tourists (Take Me to the Hospital/BMG)


The Prodigy sind ein Produkt der englischen Rave-Szene von 1991 und 1992. Viele nahmen ihnen ihren Rave’n’Roll-Sound, den Verschnitt von Rave und Rockmusik, übel. Dabei lag der Charme der ersten britischen Rave-Generation auch darin, dass sie zugleich Underground und Mainstream war. Dass Prodigys Botschaft der bedingungslosen, sofortigen Lusterfüllung auch jenseits dieser Szene verständlich war, belegte auch ihr Erfolg. Bis heute erreichte jedes ihrer Alben die Spitze der britischen Charts. Und auch auf ihrem siebten Album bringen sie ihre krasse Haltung ungebrochen und glaubwürdig rüber. Die Szene, aus der sie kommen, existiert seit 16 Jahren nicht mehr. The Prodigy toben noch. Mit den manischen Breakbeats, den verheißungsvollen Fanfaren, den quadrophonischen Basslines, den bitterbösen Gitarrenriffs, den verzuckerten Chords und den irrwitzigen Tempowechseln klingen sie wie immer. Warum das noch funktioniert? Weil sie in ihrem freakigen Modus keine Emotion ausblenden. Hass und Liebe, Paranoia und Glückseligkeit: das ist bei Prodigy alles drin. Alexis Waltz

3V.A. – Kulør 001(Kulør)


Kopenhagen ist toll. Die Stadt, in der die Fahrradwege so breit sind wie Autobahnen, in der man in Cafés mit dem Smartphone bezahlt und auf den Spuren von Hans Christian Andersen und Søren Kierkegaard den tiefhängenden grauen Wolken zu entkommen versucht. Neben Prosa und Smørrebrød avanciert vor allem die vor Ort ansässige Technoszene zu einem Alleinstellungsmerkmal. Als Teil der Apeiron Crew spielte sich Courtesy in den vergangenen zwei Jahren mit einem erfrischenden Mix aus Techno und all seinen Sub-Spielarten zunehmend in die internationalen Festival-Line-Ups. Kulør ist nach Ecotherm ihr zweites Label. Die Grundidee bleibt die Gleiche, nämlich lokalen Talenten aus dem eigenen Dunstkreis eine Bühne zu bieten. Hier wird abermals deutlich, wie progressiv, ruppig und fernab stereotyper Konventionen Schacke, IBON, Rune Bagge oder Repro Techno made in Denmark interpretieren. Trance und UK-Rave werden zum Faszinosum auserkoren. „No Sleep“ klingt dabei wie der Soundtrack einer Zeitreise, auf den man sich seinerzeit in Warehouses von San Francisco bis Cardiff einigen konnte. Pure Nostalgie. Felix Hüther

2DJ Haus – Enters The Unknown Vol. 2 (Unknown To The Unknown)


Wenn es jemanden gibt, der sich selbst und House Music nicht zu ernst nimmt, dann wohl DJ Haus, der für sein Label Unknown To The Unknown, diese 38(!) Tracks schwere Compilation zusammengestellt hat. Trotz leicht flapsigen Auftretens besteht sie den Qualitätstest mit Tunes von Legowelt, DJ Stingray, Marquis Hawkes, Mall Grab oder Lobster Theremin-Boss Jimmy Asquith. Viele der Artists waren bereits auf UTTU zu hören, andere machen hier ihr Debüt – für DJ Haus mit der Anreiz diese aus Highlights, übersehenen B-Seiten und neuen Kollabo- und Remix-Projekten zusammengesetzte Compilation zu schaffen. Musikalisch wird alles behandelt, was irgendwie zu House gezählt werden darf – vom trackigen TR-Workout, retroesken Lofi-G-Funk sowie technoiden Electro-Eskapaden hin zu tropischen Beach-Soundtracks, bunten Piano-Chords und cheesy Samples. Wer bislang keine der UTTU-Scheiben sein Eigen nennt, bekommt hier die volle Dröhnung und hat für die nächste Haus-Party mehr als genug Munition dabei. Leopold Hutter

1Sven Väth – Sound of the 19th Season


Bei Sven Vaths jährlichen Ibiza-Round-ups genügt in der Regel ein Blick auf die Tracklist, um den Sommer auf der Insel musikalisch Revue passieren zu lassen. Zu sehr haben sich bestimmte Tracks bereits ins Gedächtnis gebrannt, als dass sie noch durch auditive Reize in Erinnerung gerufen werden müssten. An Beispielen hierfür mangelt es keineswegs: Krystal Klears omnipräsenter Sommerhit „Neutron Dance“, der das zweite Set beschließt, findet sich ebenso wieder wie ANNAs Ode an den Bigroom-Techno „Hidden Beauties“. Den Raum, der sich zwischen diesen beiden Polen ergibt, bespielt Väth gewohnt routiniert. Keinemusik, Rekids, Kompakt: Die üblichen Verdächtigen tummeln sich auf den zwei CDs, die zusammen auf etwa zweieinhalb Stunden Spielzeit kommen und dem Hörer mit gespenstischer Verlässlichkeit einen Abzug des Techno- und House-Jahres 2018 liefern. Maximilian Fritz

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