5. Tetelepta – Senang (ESHU)

Ivano Tetelepta kennt man als Schöpfer nerdiger Lo-Fi-Housetracks – bestens dokumentiert auf seinem Debütalbum True Colours von 2012 und etlichen EPs. Sein neues Release, das als 4-Track EP oder limitierte 2×12“ kommt, verzichtet in der Langversion nun aber nahezu komplett auf Beats, etliche Stücke sind Ambient im besten Sinne und teilweise haarscharf auf der Kippe zum Überhören, Nicht-mehr-Wahrnehmen angesiedelt – was unbedingt als positive Eigenschaft von Ambient angesehen werden sollte. Beim bewussten Zuhören fällt aber auch die Vielschichtigkeit mancher Kompositionen auf, die in einigen Momenten an Stücke von Jan Jelinek erinnert. Und dann kommen doch noch Beats gegen Ende des Albums, ein fast poppiger Breakbeat-House-Hybrid zu – natürlich – spacigen Flächen in „Ede 2 Nijmegen“ und ein rough-rumpeliger Lo-Fi-Housegroove im finalen Stück „De Test“. Letzterer durchbricht die vorher so perfekt inszenierte Gegenwelt zur allgegenwärtigen Alltags-Hysterie harsch und winkt plötzlich acidsauer zum Abschied. Was nun? Rewind, zurück in den Wattebausch! (Mathias Schaffhäuser)

4. Lone – Ambivert Tools Vol. 3 (R&S)

Matt Cutler alias Lone macht unbeirrbar weiter. Seine Tools sind skelettierte Tracks: „Hyper Seconds“ betont so nebenbei jede zweite Bassdrum, sodass es ständig zwischen Breakbeat- und 4/4-Feel schwebt. Dazu gibt es sonnenbelichtete Synths und Human Voices zu bauchigen Beats. „Temples“ hingegen stellt eine ornamentvolle Flöte frei, beleuchtet dann flüssige Keys, und schließlich eine dieser Galaxie-Weiten, die Cutler so meisterlich beherrscht. Grundlage hier ist Bobby Byrds „Hot Pants“-Break. Super Tool. (Christoph Braun)

3. Pional – Miracle / Tempest (Permanent Vacation)

Pional zeigt auf „Miracle / Tempest“ mal wieder, dass emotionale Melodien sein Spezialgebiet sind. Ganz klassisch sind darauf nur zwei Tracks plus ein alternativer Mix von „Miracle“. Letzterer hat eine zentrale, melancholisch-glückliche Synth-Melodie, die den Track in typischer Permanent-Vacation-Poppigkeit nach vorne trägt. Im “Original Mix” fehlt sie, der ganze Track ist reduzierter und dunkler. „Tempest“ besteht aus einer erschreckend simplen Kick/Hi-Hat-Kombination, die aber von einer schwirrenden Melodie halbwegs gerettet wird. (Cristina Plett)

2. Tony Allen – Asiko (Ricardo Villalobos/Motor City Drum Ensemble Remixes) (Dekmantel)

Ob „Asiko“ der beste Tune auf Tony Allens’ Album Black Voices (1999) ist, bleibt streitbar. In den auf zwei Maxis erschienenen Remixes von Ricardo Villalobos und Motor City Drum Ensemble ist er sensationell. Der Chilene hat ihn episch gestreckt, das Drumming und Allens Gesang zerpflückt und trotzdem keinen für ihn typischen Track entwickelt. Vielmehr konserviert er den Funk des Originals und macht ihn durch seine Synthschleifen noch erhabener. Motor City Drum Ensemble setzt auf den Groove des House und behält auch die Aura der Vorlage bei. Zu allem gibt es das Original, das hoffentlich viele nach dem Album auf Comet forschen lässt. (Michael Leuffen)

1. Matt Karmil – Tell Me Why (Studio Barnhus)

Matt Karmil kann wunderbar abgehangene Musik machen, wenn er will. Meistens will er. Sein Studio Barnhus-Zweitling steigt mit einem stampfenden House-Tune ein, der leichte J-Dilla-Vibes mit Moodymanns frivolem Funkverständnis zusammendenkt, fährt mit einem Slap-Bass-garnierten Piano-Tune fort und ergibt sich in verknisterten Soulsamples, bevor zum Schluss eine sanfte Dubstep-Bassline über ein ratterndes Hi-Hat-Snare-Duo hinwegrauscht. Vier Tracks für den sonntagmorgendlichen Gebrauch, ob nun auf der Afterhour oder der Couch. Er will’s eben nicht nur, er kann’s auch einfach. (Kristoffer Cornils)