City Club Augsburg: Gäste gehen nach Razzia juristisch gegen Polizei vor

Ende Januar kam es bei einer Durchsuchung des City Clubs in Augsburg zu einer Razzia. Dabei wurden nicht nur die Räumlichkeiten des Clubs kontrolliert, sondern auch alle anwesenden Gäste.

Insgesamt wurden 170 Gramm an illegalen Substanzen festgestellt. Die Betroffenen kritisieren die Maßnahmen als unverhältnismäßig: Die Polizei stellte nicht nur ihre Personalien fest, sondern durchsuchte viele Gäste auch im Intimbereich nach Drogen. Vier der betroffenen Personen haben nun Klage eingereicht, weil nur ein Durchsuchungsbeschluss für die Räumlichkeiten des Clubs vorlag, nicht für dessen Gäste.

Große Kritik an dem Einsatz gab es auch aufgrund der hohen Anzahl von durchsuchten Gästen an jenem Abend. Weil ein Großteil der 263 Personen sich noch dazu bis auf die Unterwäsche entkleiden musste, werden Stimmen lauter, die von Unverhältnismäßigkeit sprechen. Die Beamt:innen stützen sich bei der Personenkontrolle auf das sogenannte Polizeiaufgabengesetz (PAG), das ihnen weitreichende Befugnisse einräumt.

Expert:innen sind sich uneins, ob der Bezug auf das PAG rechtens ist: Der Strafrechtler Prof. Henning Müller von der Universität Regensburg verweist darauf, dass „eine Durchsuchung nicht gleich rechtswidrig sei, nur weil sich ein Verdacht nicht bestätige. Die Polizei sei im konkreten Fall nicht verpflichtet, ihre Verdachtsmomente zu benennen”, so Müller gegenüber dem BR.

Prof. Mark Zöller, Strafrechtler an der LMU München, hingegen argumentiert, dass die Betroffenen nur dann hätten durchsucht werden dürfen, wenn dadurch eine bevorstehende Straftat verhindert wird. Seiner Meinung nach dürfe die Polizei nicht „einfach drauflos suchen, in der Hoffnung, schon irgendetwas Belastendes zu finden”. Zöller gehört seit Jahren zu den Kritikern des PAG.

Nun prüft das Verwaltungsgericht Augsburg, ob das Vorgehen in den Einzelfällen der vier Kläger:innen rechtmäßig war. Weitere Betroffene kündigten an, rechtlich gegen den Grundrechtseingriff vorgehen zu wollen.

Noch ein weiterer Umstand der Untersuchung ist umstritten: Die Polizei untersuchte auch die Räume des angrenzenden Theaters theter ensemble, obwohl für diese offenbar kein Durchsuchungsbeschluss vorlag. Die Beamt:innen brachen die Eingangstür auf und beschädigten teilweise das Inventar. Die Polizei argumentiert mit Gefahr im Verzug. Das theter ensemble fordert nun Schadensersatz und eine transparente Aufarbeitung des Polizeieinsatzes.

Die Polizei ermittelt derweil weiter: Inzwischen wurden 68 Ermittlungsverfahren eingeleitet, wobei sich 21 Strafanträge gegen namentlich bekannte Personen richten. Für eine Streetworkerin liegt die Menge der sichergestellten Substanzen im Bereich des Eigenbedarfs.

Eine Übersicht zu den Geschehnissen findet ihr hier, unser Interview zum Vorfall mit einem Mitglied des City-Club-Kollektivs hier.

News

Weiterlesen

Fusion: Festival kann nach Evakuierung fortgesetzt werden

Rauchsäulen waren zu sehen, ein Rußgeruch hing in der Luft. Nach zwei Stunden war der Spuk auf der Fusion allerdings wieder vorbei.

Fusion: Festival kann nach Evakuierung fortgesetzt werden

Rauchsäulen waren zu sehen, ein Rußgeruch hing in der Luft. Nach zwei Stunden war der Spuk auf der Fusion allerdings wieder vorbei.

Defqon.1 in den Niederlanden: Hardstyle-Festival wegen extremer Hitze abgebrochen

Kurz zuvor hatte der niederländische Wetterdienst die höchste Hitzewarnstufe ausgegeben. Für das Festival wurden rund 250.000 Besucher:innen erwartet.

Fusion-Bookerin Karo über Hitzeschlacht und „Mad Max”-Fantasien: „Es passiert alles und prägt alles!”

Die Fusion findet 2026 zum 27. Mal statt. Bookerin Karo spricht über die Hitze vor der Turmbühne und 700 Acts ohne Headliner-Druck.

Dr. Ann-Kathrin Biewener über das Watergate Open Air in der Malzfabrik und Clubkultur in Berlin-Tempelhof: „Ich wünsche mir, dass meine Kinder später noch erleben...

Berlin-Tempelhof als Feiergegend fürs Watergate? Die Leiterin der Wirtschaftsförderung des Berliner Bezirks erklärt, wie's geht.

Berlin: 90-Grad- und GMF-Macher Bob Young verstorben

Bob Young prägte das queere Feiern im Berlin der Neunziger. Wir geben Einblick in die Welt, die er erschaffen hat.

AI Watchdog: Neues Suchtool deckt auf, welche Songs zum KI-Training verwendet wurden

Das Tool zeigt, welche Songs für KI-Musik-Modelle genutzt wurden – darunter Tracks von Skrillex und Peggy Gou.

Protest für den Erhalt des RAW-Geländes: Musiker:innen und Initiativen mobilisieren am Ku’damm

Nach dem Abbruch der Verhandlungen zur Zukunft des RAW-Geländes rufen Initiativen zu einer Kundgebung vor dem Büro der Kurth-Gruppe auf.

BDS-Boykott gegen finnisches Festival: Flow Festival einigt sich mit Flow Strike

Nach der Übernahme durch Entertainment-Konzern Superstruct organisierte die Initiative Protest gegen das Flow Festival in Helsinki.

TILLATEC in Amsterdam: De-School-Nachfolger kündigt Schließung an

Nach zweieinhalb Jahren schließt der beliebte Club in Amsterdam, der 2024 die Location von De School übernahm.
Nach der Absage kam es zu Tumulten am Festivaleingang (Screenshot: TikTok/Malmstone)

Defqon.1 in den Niederlanden: Hardstyle-Festival wegen extremer Hitze abgebrochen

Kurz zuvor hatte der niederländische Wetterdienst die höchste Hitzewarnstufe ausgegeben. Für das Festival wurden rund 250.000 Besucher:innen erwartet.

Fusion-Bookerin Karo über Hitzeschlacht und „Mad Max”-Fantasien: „Es passiert alles und prägt alles!”

Die Fusion findet 2026 zum 27. Mal statt. Bookerin Karo spricht über die Hitze vor der Turmbühne und 700 Acts ohne Headliner-Druck.

Dr. Ann-Kathrin Biewener über das Watergate Open Air in der Malzfabrik und Clubkultur in...

Berlin-Tempelhof als Feiergegend fürs Watergate? Die Leiterin der Wirtschaftsförderung des Berliner Bezirks erklärt, wie's geht.
Bob Young im Café Moskau (Foto: Rebecca Santamaria, mit freundlicher Genehmigung von maenner.media)

Berlin: 90-Grad- und GMF-Macher Bob Young verstorben

Bob Young prägte das queere Feiern im Berlin der Neunziger. Wir geben Einblick in die Welt, die er erschaffen hat.
Musiker:innen steht mit AI Watchdog ein Tool zur Verfügung, das erkennen soll, ob Songs für KI-Training verwendet wurde (Foto: Franck V., unsplash)

AI Watchdog: Neues Suchtool deckt auf, welche Songs zum KI-Training verwendet wurden

Das Tool zeigt, welche Songs für KI-Musik-Modelle genutzt wurden – darunter Tracks von Skrillex und Peggy Gou.

Protest für den Erhalt des RAW-Geländes: Musiker:innen und Initiativen mobilisieren am Ku’damm

Nach dem Abbruch der Verhandlungen zur Zukunft des RAW-Geländes rufen Initiativen zu einer Kundgebung vor dem Büro der Kurth-Gruppe auf.

BDS-Boykott gegen finnisches Festival: Flow Festival einigt sich mit Flow Strike

Nach der Übernahme durch Entertainment-Konzern Superstruct organisierte die Initiative Protest gegen das Flow Festival in Helsinki.
Das TILLATEC (Foto: Instagram/Tillatec)

TILLATEC in Amsterdam: De-School-Nachfolger kündigt Schließung an

Nach zweieinhalb Jahren schließt der beliebte Club in Amsterdam, der 2024 die Location von De School übernahm.