City Club: Polizeieinsatz in Augsburg zieht Kritik nach sich

Bei einer Razzia am vergangenen Samstag durchsuchten rund 200 Polizeibeamt:innen den City Club in Augsburg. Als Durchsuchungsgrund wurde der Handel mit Betäubungsmitteln angegeben. Nun üben die Betreiber:innen sowie Politiker:innen Kritik an der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes.

Nach Angaben der Polizei wurden bei der Razzia Betäubungsmittel im niedrigen dreistelligen Grammbereich beschlagnahmt und 17 Personen festgenommen. Eine Person wurde aufgrund eines bestehenden Haftbefehls ins Gefängnis gebracht. Die Betreiber:innen geben an, dass trotz Kooperationsbereitschaft alle Räumlichkeiten „gewaltsam” von der Polizei geöffnet worden seien. Dabei sollen die Beamt:innen mehrere Räume verwüstet haben. Bei den festgenommenen Personen handle es sich „weder um Mitarbeiter:innen, noch wurden Betäubungsmittel in den Räumlichkeiten des Clubs sichergestellt”. Erst nach Beendigung des fünfstündigen Polizeieinsatzes wurde der Geschäftsführung der Durchsuchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Zudem wurden Dateien und Gegenstände beschlagnahmt. Dabei soll es sich um das Kassensystem sowie die privaten Handys der anwesenden Mitarbeiter:innen handeln.

Die fragliche Verhältnismäßigkeit des Einsatzes löst nun große Kritik aus. Insgesamt wurden alle rund 150 Gäst:innen über mehrere Stunden kontrolliert. Dabei mussten sich einige Personen über längere Zeit im Außenbereich des City Clubs aufhalten – trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt. Schutzmaßnahmen gegen die Kälte wurden nicht bereitgestellt. Zudem kam es zu herabwürdigenden Zwangsmaßnahmen. Dabei sollen Personen ohne Rechtsbelehrung ausgezogen und kontrolliert worden sein. Teilweise sei es auch zu stark entwürdigenden Situationen gekommen, bei denen die Polizei die Intimbereiche der Gäst:innen genau durchleuchtet habe.

Noch während des Polizeieinsatzes kam es zu Demonstrationen linker Gruppen vor dem City Club. Die Betreiber:innen bedankten sich bei den Demonstrant:innen für die Unterstützung. Außerdem sollen sich diese um Personen gekümmert haben, die aufgrund der polizeilichen Zwangsmaßnahmen unter Schock standen. Ein psychologisch geschultes Team wurde von der Polizei nicht bereitgestellt.

Inzwischen kommt Kritik am Polizeieinsatz auch aus der Politik. Die SPD-Landtagsabgeordnete Anna Rasehorn sowie die Augsburger Grünen-Landtagsabgeordneten Stephanie Schuhknecht und Cemal Bozoğlu haben angekündigt, den Fall parlamentarisch aufarbeiten zu lassen. Die Augsburger Stadträtin Lisa McQueen (Die Partei) startete noch in der Nacht eine Crowdfunding-Aktion und hat bislang knapp 30.000 Euro an Spenden gesammelt.

„So schlimm, schockierend und unverständlich diese Aktion gerade für uns ist, berührt es uns auch zutiefst, wie viel Solidarität und Unterstützung es in Augsburg und darüber hinaus für uns und diesen Ort gibt”, so Svenja Tietze vom City Club in dessen offizieller Mitteilung. Die große Anteilnahme bestärke „uns auch darin, nicht aufzugeben und weiterzukämpfen für den City Club und die Subkultur in Augsburg.”

Wie sich die Situation auf den Betrieb des Clubs auswirkt, ist unklar. In ihrem Statement betonen die Betreiber:innen, dass sie „unter den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen ohnehin schon ständig ums Überleben kämpfen” müssten. Der Polizeieinsatz stelle nun eine weitere Hürde dar. Der City Club ist seit 13 Jahren Teil der Augsburger Szene und richtet sich mit seinen Veranstaltungen vor allem an linke, alternative und queere Communitys.

Den City Club könnt ihr hier mit einer Spende unterstützen.

News

Weiterlesen

Boards of Canada: Duo veröffentlicht erstmals seit 13 Jahren Musik

Nach einer großangelegten, kryptischen Promo-Kampagne veröffentlichen Boards of Canada die Single „Tape 05”.

Boards of Canada: Duo veröffentlicht erstmals seit 13 Jahren Musik

Nach einer großangelegten, kryptischen Promo-Kampagne veröffentlichen Boards of Canada die Single „Tape 05”.

Historisches Urteil: Live Nation und Ticketmaster bilden illegales Monopol

Der Ticketgigant hat seine Monopolstellung missbraucht. Die Schadenersatzsumme dürfte sich nun auf Hunderte Millionen US-Dollar belaufen.

Massive Attack: Trip-Hop-Pioniere veröffentlichen erstmals seit zehn Jahren Musik

Zusammen mit dem US-amerikanischen Sänger Tom Waits haben Massive Attack die politisch aufgeladene Single „Boots on the Ground” produziert.

Kraftwerk gegen Moses Pelham: Producer setzt sich im Copyright-Streit erneut durch

Mit dem Urteil stellt sich der Europäische Gerichtshof hinter die Praxis des Samplings, die in der elektronischen Musik wie im Hip-Hop gängig ist.

Lachgas und GHB: Bundesregierung verschärft Gesetze zum Erwerb

Ein neues Gesetz verbietet die Abgabe von Lachgas an Personen unter 18 Jahren – auch der Erwerb von GBL und BDO wird eingeschränkt.

SOPHIE: Fans veröffentlichen Online-Archiv

WHOLENEW.WORLD dokumentiert das musikalische Erbe der verstorbenen Hyperpop-Künstlerin ab den frühen Zehnerjahren.

The Prodigy: Britischer Rave-Act bestätigt Deutschland-Gigs

Nach dem Tod von Keith Flint 2019 war unklar, wie es mit der Band weitergehen sollte. Nun kündigen sie eine große Europatour an.

Afrika Bambaataa: Electro-Miterfinder und Wegbereiter der elektronischen Tanzmusik verstorben

Afrika Bambaataa wurde zur ambivalenten Figur, nachdem ihm zahllose Männer und Kinder sexuelle Übergriffe vorwarfen. Nun ist er verstorben.

Südengland: Kritik an Polizei nach Rave-Auflösung

Knapp 2.000 Raver:innen hatten friedlich gefeiert. Als die Polizei erschien, eskalierte die Situation stark.
Der Live-Nation-Standort in Beverly Hills in Kalifornien (Foto: Dan Jacobs/ Live Nation)

Historisches Urteil: Live Nation und Ticketmaster bilden illegales Monopol

Der Ticketgigant hat seine Monopolstellung missbraucht. Die Schadenersatzsumme dürfte sich nun auf Hunderte Millionen US-Dollar belaufen.

Massive Attack: Trip-Hop-Pioniere veröffentlichen erstmals seit zehn Jahren Musik

Zusammen mit dem US-amerikanischen Sänger Tom Waits haben Massive Attack die politisch aufgeladene Single „Boots on the Ground” produziert.
Der Produzent und Rapper Moses Pelham (Foto: Katja Kuhl)

Kraftwerk gegen Moses Pelham: Producer setzt sich im Copyright-Streit erneut durch

Mit dem Urteil stellt sich der Europäische Gerichtshof hinter die Praxis des Samplings, die in der elektronischen Musik wie im Hip-Hop gängig ist.
Lachgas-Kartuschen (Foto: Gemeinde Nauheim)

Lachgas und GHB: Bundesregierung verschärft Gesetze zum Erwerb

Ein neues Gesetz verbietet die Abgabe von Lachgas an Personen unter 18 Jahren – auch der Erwerb von GBL und BDO wird eingeschränkt.
SOPHIE by Press

SOPHIE: Fans veröffentlichen Online-Archiv

WHOLENEW.WORLD dokumentiert das musikalische Erbe der verstorbenen Hyperpop-Künstlerin ab den frühen Zehnerjahren.
Die Band bei einem ihrer explosiven Auftritte (Foto: The Prodigy)

The Prodigy: Britischer Rave-Act bestätigt Deutschland-Gigs

Nach dem Tod von Keith Flint 2019 war unklar, wie es mit der Band weitergehen sollte. Nun kündigen sie eine große Europatour an.

Afrika Bambaataa: Electro-Miterfinder und Wegbereiter der elektronischen Tanzmusik verstorben

Afrika Bambaataa wurde zur ambivalenten Figur, nachdem ihm zahllose Männer und Kinder sexuelle Übergriffe vorwarfen. Nun ist er verstorben.
Einsatzkräfte gehen gegen Feiernde vor (Foto: dorset_police/Instagram)

Südengland: Kritik an Polizei nach Rave-Auflösung

Knapp 2.000 Raver:innen hatten friedlich gefeiert. Als die Polizei erschien, eskalierte die Situation stark.