Christian Rottler ist am 11. April an den Folgen einer Herzklappen-OP verstorben. Der Stuttgarter Sänger, Dichter, Schriftsteller und Medienkünstler war in einer Reihe von Musikprojekten aktiv, produzierte Radio-Hörspiele, verfasste Prosa und malte. In der elektronischen Musik hat er sich durch Kollaborationen mit DWIG, nd_baumecker, Ruede Hagelstein oder Move D einen Namen gemacht.
Christian Rottler wurde 1978 in Heilbronn geboren, den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Stuttgart. Prägend war das Kunststudium in Weimar. „Er ist der typische Weimar-Student, arty und interdisziplinär”, erinnert sich Ruede Hagelstein, den eine Telefonfreundschaft mit Rottler verband.

Nach dem Studium begann Rottler Texte, Musik, Grafik und Videoarbeiten zu veröffentlichen. Er war Teil des Duos Lenin Riefenstahl und Frontmann der Noiserock-Band Rottler, unter dem Alias Rotte veröffentlichte er 2023 ein Album bei Pudel Produkte, für das er mit Douglas Greed und Jörn Elling Wuttke zusammenarbeitete. Ein lakonisch-zynischer Duktus, der zwischen dem Gesang und dem gesprochenen Wort changierte, war Rottlers Markenzeichen, eine Leidenschaft von ihm das Rauchen.
Als Grafiker porträtierte Rottler Figuren der Zeitgeschichte wie Bundeskanzler Helmut Schmidt oder Philosoph Theodor W. Adorno. Er produzierte Hörspiele für den MDR, den SWR und Deutschlandfunk Kultur. Auch für die meisten seiner Musikvideos war er selbst verantwortlich. Zu seinen vielen Kollaborateuren gehörten Bassist Boris Nielson (Feindrehstar, Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi), Autor Gereon Klug oder Produzent Peter Armster. Zuletzt arbeitete er an einem Liederabend des Sängers Tom Liwa, für den er die Songs schreiben sollte, und an einem Roman.

Fixpunkt in seinem ästhetischen Kosmos war Schriftsteller Marcel Proust, der ihn zwar zur Verzweiflung trieb, ihn aber dennoch zur Buchveröffentlichung Proust ist mein Leben, doch es langweilt mich sehr: Ursache und Wirkung und zu einer gleichnamigen Maxi-Single inspirierte.
Rottler sei eine „tragische Gestalt mit tragischen Inhalten, die auf tragische Weise verstorben ist” gewesen, findet Hagelstein – fast wie eine Romanfigur. So überbordend sein Werk wucherte, so offen war die Form.
Er mache das „Fragment zum Prinzip, das Scheitern zur Strategie und den Widerspruch zur schöpferischen Kraft”, schrieb er selbst in einer Biographie.






