Pole (Foto: Ben de Biel) Im ersten Teil unseres Pole-Interviews sprachen wir mit dem Berliner Musiker und Mastering-Ingenieur über seine Sozialisation im Köln und Berlin der 1990er Jahre, über sein aktuelles Album Fading und seine künstlerische Herangehensweise an das Mastering. Im zweiten Teil gibt Stefan Betke einen tiefen Einblick in die technischen Details seines Mastering-Prozesses. Die Fallstricke und Potenziale des analogen und digitalen Mastering lernte er in einem der legendärsten Mastering-Studios überhaupt kennen, im von Mark Ernestus gegründeten Dubplates & Mastering in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hardwax.Im Jahr 2000 entschied sich Betke, ein eigenes Mastering-Studio zu eröffnen – mit Erfolg. Scape Mastering ist schon lange neben D&M die Berliner Adresse für ästhetisch ambitioniertes Mastering. Betke arbeitete dort mit so namhaften Künstlern wie Thomas Fehlmann, Richie Hawtin, Martin Gore, Mike Huckaby, The Mole oder Delano Smith zusammen. Unser Autor Simon Geiger hat ihn dort besucht und sich vom ehrlichen Klang der speziellen Raum-in-Raum-Konstruktion mit Akustikmodulen und Diffusoren überzeugen dürfen. Was machen die Auswirkungen der Corona-Pandemie mit dir als Musiker? Erstmal hat sich für mich gar nichts verändert. Einfach aus dem Grund, dass ich sowieso immer zu Hause arbeite. Mein Mastering-Studio war die ganze Zeit über in Betrieb, wir haben genauso weitergearbeitet wie vorher auch. In Berlin haben wir ja keinen totalen Lockdown gehabt, man konnte spazieren gehen und so weiter. Das habe ich auch in vollen Zügen genossen und ausgenutzt. Als Musiker finde ich es allerdings deprimierend, dass ich die Musik, an der ich arbeite, nicht oder nur sehr schwer live präsentieren kann. Das nimmt mir auch manchmal die Kraft weiterzumachen. Aber die Freiheit arbeiten zu können, ist natürlich super. Wenn ich nicht auf Tour bin, habe ich auch mehr Zeit im Studio. Glaubst du, die Musik selbst verändert sich dadurch auch? Merkst du auch als Mastering-Engineer Veränderungen im Sound der Acts, für die du tätig bist? Da gab es zwei Phasen. Die Erste war kurz nach dem Lockdown im Frühling, wo ich extrem viele Corona-Platten gemastert habe, die wirklich den Lockdown zum Thema hatten. Die düster, verzerrt und teilweise sehr depressiv waren. Darauf folgten viele Alben-Projekte von Leuten, die zumindest in meinem Masteringstudio nur für Maxi-Projekte bekannt sind. Da habe ich bis heute den Eindruck, dass die weniger funktional sind, sondern darauf abzielen, zu Hause gehört zu werden. Scape-Mastering-Studio Berlin (Foto: Simon Geiger) Es geht also nicht mehr darum, die Leute zum Tanzen zu bringen?  Nicht mehr allein. Es ist keine 100-prozentig funktionalisierte Musik mehr. Das wird wieder so ein Hybrid. Es gibt natürlich auch klare Club-Tracks. Aber auch Sachen, die dazwischen hängen, oder Stücke mit einem Ambient-Intro oder einem langen Ambient-Outro. Das finde ich interessant. Das ist ein wenig wie das, was auch Mitte der 1990er in Berlin und in anderen Städten entstanden ist. In einem Raum gab es oft eine Art Ambient-Zone, wobei ich das Wort Ambient fürchterlich finde, da konnte man alle möglichen Sachen spielen. Das war auf jeden Fall etwas anderes als um ein Uhr nachts auf dem Mainfloor, wo dann ein ganz klar funktionaler Beat gespielt wurde und darum auch keine Diskussionen entstanden sind. Diese Diversität habe ich zumindest in einigen Produktionen wieder gesehen. Ob das so weitergeht, weiß ich nicht, ich finde die Entwicklung aber spannend. Wie, denkst du, verändert sich die Szene durch Corona insgesamt?  Vor Corona war das für viele DJ-Produzenten aus meinem […]

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