Die essentiellen Compilations des dritten Quartals 2026 (Teil 2)

Das Motherboard findet ihr hier, die Mixe des Monats hier, Teil 1 der Compilations HIER NOCH VERLINKEN

Tony Humphries – Running Back Mastermix: Kiss FM Zanzibar Years (Running Back) 

Tony Humphries war Ende der 1980er und Anfang der 1990er ungefähr so etwas wie der Endgegner eines jeden europäischen Plattenladen. Releases auf FFRR, Strictly Rhythm, Remixe ohne Ende – gefühlt jede zweite Platte hatte irgendwo „Tony Humphries Remix“ draufstehen. Ende der 1990er konnte man diese 50-Pfennig-Second-Hand-Platten dann auf jedem Flohmarkt dieser Welt stapelweise umwälzen. Aber: Dazwischen waren auch ein paar ziemlich fiese Killer. Zum Beispiel Victor Romeo aka Rhythm II Rhythms „Love Will Find a Way (Zanzibar Edit)“ oder Slams „Eterna“, der erste SOMA-Release aus Glasgow. Tony hat die Dinger natürlich nicht produziert, sondern editiert – oder im Radio gespielt.
Die neue Running Back-Compilation widmet sich Humphries’ Kiss-FM-Jahren und seiner Verbindung zum legendären Club Zanzibar in New Jersey. Eine Zeit, in der Radio-DJs noch tatsächlich Radio machten und Mixe eine Dramaturgie hatten. Und Zanzibar war ein wichtiger Ort für queere Clubkultur und Hotspot für den Jersey Sound, NYC-Garage und frühe House-Produktionen. Gerd Janson hat für Running Back tief in Humphries’ Plattenkisten gewühlt und dabei mehr als genug brauchbares Vinyl gefunden. Kein Denkmal, keine Archäologie, sondern eine Erinnerung daran, dass Clubmusik zugleich auch mal großartig, kommerziell, kaputt und auf den Punkt und völlig daneben sein durfte. Mirko Hecktor

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VA – Compilation 1 (Mala Junta)  

Wie so viele erfolgreiche Partyreihen hat es nun auch die in Berlin ansässige Mala Junta geschafft, ein eigenes Label an den Start zu bringen. Und wie so oft geht es hier um Freundschaften, Kollaborationen und die Ästhetik des betreffenden Umfelds. Weniger, um eine homogene Identität und einen homogenen Sound zu definieren, sondern eher als Reflexion der unter Mala Junta seit 2018 gewachsenen Community. 

Auf 22 Tracks macht das eine ganze Bandbreite von Sounds aus, die sich allerdings mehr oder minder im Bereich von psychedelisch angetränktem Techno bewegt. Neben Residents wie Hyperaktivist und DJ TOOL sind auch bekanntere Acts wie Kim Ann Foxman, Regal86 oder Decoder am Start, die allesamt den Eindruck erwecken, dass bei Mala Junta am besten Technotracks mit einer Ecke mehr Eigenleben, Farbe oder Vocals gut ankommen. Wer auf modernen Techno dieser Couleur steht, findet hier viel DJ-Futter, während Puristen viele der Stücke wohl als zu aufgeregt abtun könnten. Leopold Hutter

Hier könnt ihr die Compilation vorhören.

VA – Japanese New Wave On Dub 1980-1985 (Miss You) 

Aufreißen und auseinandernehmen, um es neu zusammenzusetzen: Das war die Maxime der Neuen Welle von Pop-Musik, die kein Rock mehr sein wollte, die Ende der 1970er Jahre um den Globus ging und das Ethos von Bands wie den Talking Heads, Rip, Rig + Panic, Public Image Limited oder D.A.F. befeuerte. Da verrückte Mischpult-Wissenschaftler wie King Tubby und Mad Professor bereits ähnlich mit Reggae verfahren waren, liebäugelten die Post-Punks naheliegenderweise auch mit der Ästhetik des Dub. In Tokio entstand so um das Jahr 1978 die Szene der Tokyo Rockers. Leute, die zuvor bereits in Punk- oder punkähnlichen Bands gespielt hatten, sich zu langweilen begannen mit den ewigen drei Akkorden und neue Wege suchten.

Japanese New Wave On Dub zeigt die Geschichte dieser Gruppen anhand des Zeitraums zwischen 1980 und 1985. Dabei tritt eine breite Vielfalt an Haltungen und Sounds zutage: Chingis Chan Dreads „Yattane Babylon”, „Minato No Cafe” von Business und „Yoruni” von Pineapple 4.9 schwofen unter Offbeat-Gitarren dahin. Bands wie Momoyo & Lizard!, Pablo Picasso (sic!) oder Pressure hingegen nähern sich dem Dub im kinderhaften Spiel, das Ausmaße exzentrischen Posierens annehmen kann. Wunderbar locker und luftig mit dem Mischpult dialogisierend schwebt Masumi Haras „Looks Like An Angel” dahin und bietet sich fürs nächste Set an. Eine Entdeckung. Christoph Braun 

Hier könnt ihr die Compilation vorhören.

VA – Peach Pals Vol. 5 (Peach Discs) 

Als jährlicher Freundeskreis-Sampler fungiert dabei mittlerweile ihre Reihe Peach Pals. „People you probably know and people you probably should know”, erklären die beiden ihren kuratorischen Fokus. Dabei fällt Vol. 5 stilistisch breiter aus als die Ausgaben der Vorjahre. Neben verschiedenen Schattierungen von Proggy House stecken hier auch erstmals UK-Spezialitäten wie Breaks, Bass und Funk drin, komplettiert von Latin-angehauchten Grooves und experimenteller Clubmusik bis hin zu ambienten Sounds. Dabei steht die Dancefloor-Energie fast immer im Fokus, starke Grooves und bouncige Rhythmen wie bei den Beiträgen von ISAbella oder Fort Romeau setzen den Grundton. 

Doch auch luftige, atmosphärische Momente wie bei Gramcrys „Pluq” oder k2ks „Groove It” haben hier ihren Platz. Schließlich sind es UKG-Bassline & Vocal-Tracks wie „Love Love” von Scon oder „MUV” von Ischia, die Peach Pals Vol. 5 um die britische Bass/Garage-Achse erweitern und genügend stilistische Vielfalt bieten, um aus der Compilation ein spannendes Set zu basteln, das die Persönlichkeit des Labels gut wiedergibt. Leopold Hutter

VA – Sowas von Egal 3 (German Synth Wave Underground 1981-86) (Bureau B) 

Deutsch ist im Zweifel eine sprachliche Kategorie. Die Reihe Sowas von egal mit „German Synth Wave Underground” versammelt daher auch auf ihrer dritten Compilation Bands und Künstler aus Deutschland ebenso wie Österreich und der Schweiz. Aus dem Eidgenössischen stammt etwa die Band Guyer’s Connection, deren Song „He Sabine“ am klarsten die Synth-Wave-Ästhetik repräsentiert, die der Untertitel verspricht. 

An diesem Duo ist zudem bemerkenswert, dass die beiden Musiker als Teenager begannen und einen ziemlich „professionellen“ DIY-Sound schufen, mitsamt diskret polyphon verschalteter Synthesizerfiguren. Und der Gesang saß halbwegs, was nicht für alle hier vertretenen Sänger gilt. Auch André Szigethy hat für sein Stück „Liebe Banal“ die nötigen Synth-Wave-Zutaten beisammen: ein primitiver Drumcomputer, ein ostinater Oktavbass plus Synthesizer-Kindermelodie und Sprechgesang. Letzterer dürfte mit Zeilen wie „Ich steh in der Disco / Schau das Lederbaby an“ heute etwas befremdlich klingen, hat andererseits aber auch etwas unbedarft Direktes. „Sowas von egal“ führt insbesondere Künstler zu Beginn der Achtziger zusammen, die im Schatten der Neuen Deutschen Welle und ihrer Pop-Phänomene wie Andreas Dorau wirkten. Viele Raritäten, Kurzlebiges oder Nebenprojekte zu bekannteren Bands sind dabei, etwa das Duo Bergtraum von Michael Jarick und Palais-Schaumburg-Schlagzeuger Ralf Hertwig, deren „Almenrausch“ nervös-repetitiven Postpunk bietet. Die Bremer Band Shadocks gibt sich etwas geradliniger und zackiger, dazu in klassischer Punk-Besetzung. Die Anfänge von Künstlern sind ebenfalls zu bewundern, so der verspielt-minimalistische Synthpop des Duos Die Egozentrischen 2, mit dem Felix Knoth alias Felix Kubin seine ersten Gehversuche als Musiker machte. Tim Caspar Boehme

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Reviews

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