Die Biennale Musica 2026 in Venedig: Kuratorin Caterina Barbieri lädt ein zum radikalen Zuhören

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Caterina Barbieri gilt mit ihrem von der italienischen Oper inspirierten Elektronik-Entwurf mit kosmischer Tragweite als eine der ambitioniertesten Musiker:innen ihrer Generation. Als Kuratorin der Biennale Musica di Venezia setzt sie den im Vorjahr eingeschlagenen kuratorischen Kurs fort.

Unter dem Titel „A Child of Sound“ versammelt das Programm vom 10. bis 24. Oktober 2026 Uraufführungen, Originalkompositionen und ortsspezifische Arbeiten quer durch Genre, Epoche und Geografie – ergänzt um kollektive und partizipative Hörformate, die der Passivität des klassischen Konzertbetriebs bewusst entgegengesetzt werden.

DJ Travella tritt auf der Biennale Musica 2026 auf (Foto: Presse)

Barbieri begreift Musik dabei als einen Zustand kindlicher Offenheit und unvoreingenommenen Hörens. „Die Anmut des Kindes, das der Welt mit dem Staunen seines ersten Blicks begegnet – oder genauer: seines ersten Hinhörens – ist dieselbe Anmut, mit der uns Musik entwaffnet“, schreibt Caterina Barbieri im Konzepttext zur diesjährigen Ausgabe.

Den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhält in diesem Jahr Keiji Haino, Pionier der japanischen Noise-Szene, dessen jahrzehntelange Arbeit zwischen Stimme, Gitarre und Elektronik sich konsequent jeder Kategorisierung entzieht; begleitend zeigt die Biennale erstmals außerhalb Japans eine Dokumentation über ihn von Kazuhiro Shirao.

Aleksi Perala führt seine Arbeit „Grace” auf der Biennale Musica 2025 auf (Foto: Andrea Avezzù/ La Biennale di Venezia)

Der Silberne Löwe geht an Sarah Davachi, deren kompositorisches, akademisches und aufnahmetechnisches Gesamtwerk zwischen Minimalismus, alter Musik und elektroakustischer Experimentierfreude gewürdigt wird – sie präsentiert eine Auftragskomposition für das Ensemble PMCE sowie neue Werke für Kammerorgel.

Ein eigens im Arsenale eingerichteter Raum namens ORIGINE, konzipiert mit der Visual Artist MFO, soll als handyfreie Zone konzentriertem Hören dienen; kuratorisch beteiligt ist unter anderem Masaru Hatanaka von Tokios legendärer Nightingale-Bar. Für ein weiteres Ausrufezeichen sorgt die Installation „Heaven Is Ours / O Céu É Nosso“ zur brasilianischen Baloeiro-Kultur – handgefertigte, staatlich verfolgte Heißluftballons aus den Favelas –, begleitet von einer Klangumgebung des Baile-Funk-Musikers DJ Anderson do Paraíso; am Eröffnungswochenende wird ein eigens beauftragter, zwölf Meter großer Ballon über dem Arsenale aufgelassen.

Auch dabei auf der Biennale Musica 2026: Loidis (Foto: Presse)

Weitere Uraufführungen liefern Alif Hilal (rüher bekannt als Lyra Pramuk) gemeinsam mit dem iranischen Perkussionisten Mohammad Reza Mortazavi, Kara-Lis Coverdale mit den Tallis Scholars und Sarah Davachi an der Orgel sowie Marta De Pascalis und die in Berlin ansässige Grand River. Den tanzbaren Ausklang bilden Clubkultur-Showcases des Lissabonner Labels Príncipé (u. a. Nídia, DJ Firmeza, Helviofox) und der Singeli-Szene aus Daressalam (Jay Mitta, Pili Pili, DJ Travella), während das PMCE-Ensemble im Teatro Goldoni Werke von Ennio Morricone, Johann Sebastian Bach und Sarah Davachi in Dialog treten lässt.

Schauplätze sind unter anderem das Arsenale mit seiner Sale d’Armi, das Teatro Goldoni und das Teatro alle Tese; unterstützt wird das Festival von der Regione del Veneto, in der Venedig liegt.

Tickets und weitere Informationen sind hier erhältlich.

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