Ein Forschungsprojekt der Technischen Universität Berlin und der Universität der Künste will Berliner Clubs digital für die Zukunft bewahren. Unter der Leitung von Steffen Lepa (TU Berlin) und Anita Jóri (UdK) entsteht ein virtuelles Archiv, das zur Dokumentation des kulturellen Erbes der Berliner Clubszene beitragen soll.

Das Projekt sei aus dem Wunsch entstanden, die Berliner Techno- und Clubkultur stärker als kulturelles Erbe zu begreifen, erklärt Lepa gegenüber dem rbb. Die Forschung befasst sich häufig mit historischen Orten der weiten Vergangenheit, im Fall von Lepas Lehrstuhl mit Beethovens Konzertsälen in Wien. Das Team habe sich aber gefragt, warum nicht auch die Clubkultur der 1990er- und 2000er-Jahre wissenschaftlich dokumentiert werden solle.

Nach der erfolgreichen Rekonstruktion der Renate als 3D-Modell arbeitet das Team derzeit an einer digitalen Version des Clubs Jonny Knüppel. Dieser wird Ende des Jahres schließen und reiht sich damit in die Liste von Orten ein, die vom Clubsterben betroffen sind.
Für die virtuelle Rekonstruktion werden die Räumlichkeiten fotografiert und vermessen. Aus den Aufnahmen entsteht ein detailliertes 3D-Modell. Zusätzlich dokumentieren die Studierenden die Akustik des Clubs, um diese später digital nachbilden zu können. Ergänzt wird das Archiv durch Interviews mit Betreiber:innen und weiteren Akteur:innen der Clubszene. Im Fall des Jonny Knüppel wurde Betreiber Jakob Turtur interviewt, der nach Bekanntwerden der Schließung selbst Kontakt zum Forschungsteam gesucht hatte. Turtur sieht in dem Projekt ein Erinnerungsstück und gibt zu bedenken: „Allgemein geht’s mir natürlich nicht so gut mit der Aussicht, dass das nur ein digitales Erinnerungsstück bleiben könnte.”
Langfristig sollen die rekonstruierten Clubs auch mittels VR-Brille zugänglich werden. Besucher:innen könnten sich dann digital durch die Räume bewegen und dabei die Musik hören, die früher im Club lief.
Neben dem Jonny Knüppel arbeiten die Beteiligten bereits an Rekonstruktionen weiterer historischer Berliner Clubs wie dem E-Werk und dem Bunker. Perspektivisch sollen die Ergebnisse nicht nur der Forschung dienen, sondern auch in Ausstellungen und öffentlichen Formaten zugänglich gemacht werden. So könnten Clubs, die längst verschwunden sind oder kurz vor der Schließung stehen, zumindest digital erhalten bleiben.
2022 hatte der niederländische Künstler Anne de Vries im Rahmen der Jubiläumsausstellung Tresor 31 im Berliner Kraftwerk den Original-Club aus der Leipziger Straße im Maßstab 1:1 aus Sand nachgebaut.







