R.A.W.-Gelände: Zukunft von Berliner Kulturareal vorerst gesichert

Clubs, Bars und Kulturorte auf dem Berliner R.A.W.-Gelände können vorerst aufatmen, wie eine Pressemeldung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen bestätigt. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Eigentümerin Kurth-Immobilien haben sich nach einem langwierigen Prozess auf einen Miet- und Rahmenvertrag geeinigt. Ab September 2026 mietet der Bezirk das sogenannte Soziokulturelle L (SKL) zunächst für zwei Jahre. Eine Verlängerung um ein weiteres Jahr ist möglich.

Das SKL bezeichnet den Teil des R.A.W.-Geländes, der aus der Luft die Form eines umgedrehten Ls hat. Er erstreckt sich von der Warschauer Straße entlang der Revaler Straße bis zum Club Crack Bellmer und führt von dort vorbei am Kletterzentrum bis zum Sommergarten des Cassiopeia. Auf dem Gelände befinden sich neben Ateliers und Werkstätten auch Bars und Clubs, Proberäume und Workshopflächen, ein Kinderzirkus, ein Jugendclub sowie weitere kulturelle und soziale Angebote.

„Das R.A.W.-Gelände […] hat sich über Jahrzehnte zu einem wichtigen Areal für die Soziokultur Berlins entwickelt”, sagt Alexander Slotty, Staatssekretär für Bauen. Mit der Einigung seien „nicht nur vorerst die interkulturellen Nutzungen, Clubs und Bars abgesichert”, sondern auch die Entwicklung von dringend benötigtem Wohnraum auf einem bislang ungenutzten Teil des Areals vereinbart worden.

Der Bezirk zahlt für das SKL jährlich rund eine Million Euro Miete. Die ersten beiden Jahre werden aus dem Bezirkshaushalt finanziert, bei einer Verlängerung übernimmt die Senatsverwaltung die Kosten. Für den Erhalt und die Instandhaltung der bestehenden Gebäude sind rund 40 Prozent der Miete eingeplant.

Parallel soll das Bebauungsplanverfahren für das Gelände vorangetrieben werden. Ziel ist, bis März 2029 baurechtliche Klarheit zu schaffen. Nach der Festsetzung des Bebauungsplans soll das SKL für 30 Jahre mietfrei an eine noch zu bestimmende Generalmieterin überlassen werden. Die bestehenden Kultur- und Freizeiteinrichtungen sollen mit dieser anschließend eigene Untermietverträge abschließen.

Für Bezirksstadtrat Florian Schmidt markiert die Einigung das Ende einer schwierigen Verhandlungsphase. „Nach jahrelanger Zusammenarbeit befanden wir uns am Scheideweg”, sagt Schmidt. Er sei froh, dass das SKL „bald in bezirkliche Verantwortung übergeht”. Die Vereinbarung zeige, dass es trotz der „komplexen und krisenanfälligen” kooperativen Stadtentwicklung möglich sei, gemeinsame Lösungen zu finden.

Auf dem westlichen Teil des R.A.W.-Geländes sollen zukünftig neue Gewerbe-, Büro- und Wohnflächen entstehen. Geplant sind rund 300 Mietwohnungen, etwa 30 Prozent davon sollen Sozialwohnungen werden. Die geplante Wohnbebauung ist allerdings auch ein Konfliktpunkt: Weitere Schallschutzprüfungen müssen klären, ob Wohnungen in unmittelbarer Nähe zu den bestehenden Clubs und Kulturorten möglich sind.

Die Kurth Immobilien-Gruppe sieht in der Vereinbarung einen Weg, die verschiedenen Interessen miteinander zu verbinden. „Mit den jetzt gefundenen Vereinbarungen kann innerhalb des gemeinsam gesteckten Zeitplans das Baurecht und die Sicherung der Nutzungen geschaffen werden”, sagt Geschäftsführer Lauritz Kurth. Die Entwicklung solle zu einem „beispielhaften gemischten Stadtquartier” führen, bei dem „Bestand und Historie” berücksichtigt würden.

So könnte das Gelände des R.A.W in Zukunft aussehen (Foto: Website/raw-kultur-l)

Die Kulturorte auf dem SKL waren nicht direkt an den Verhandlungen beteiligt, begrüßen die Einigung jedoch als Zwischenlösung nach einer „jahrelangen Hängepartie”, so Joest Schmidt, Geschäftsführer des Skate RAW. Auch die Berliner Clubcommission sieht die Vereinbarung grundsätzlich positiv. Der Vorsitzende Marcel Weber äußerte gegenüber rbb24 jedoch Sorgen bezüglich der Umsetzung des Schallschutzes und daraus folgenden möglichen Konflikten mit zukünftigen Anwohner:innen.

Bevor die Verträge in Kraft treten, müssen noch der Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses und die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg zustimmen.

Das R.A.W.-Gelände gehört der Kurth-Gruppe seit 2015. Über die Jahre hat sich das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk zu einem wichtigen Standort für Berliner Club- und Soziokultur entwickelt. Gleichzeitig wurde seit mehr als einem Jahrzehnt über die städtebauliche Zukunft des Areals gestritten. Die Kurth-Gruppe plante unter anderem Hochhäuser mit Büro-, Wohn- und Gewerbeflächen, während Bezirk, Senat und Kulturszene auf den Erhalt der gewachsenen Kulturstruktur pochten. Im Zuge dessen fanden in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Protestaktionen und Demonstrationen statt.

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