Ick mach Welle: Berliner Inklusionsprojekt kämpft ums Überleben

Das Berliner Musikprojekt Ick Mach Welle steht vor seiner bislang größten Herausforderung. Aufgrund massiver Kürzungen erhält die Initiative seit März 2026 keine Fördermittel mehr. Seitdem arbeiten die Projektverantwortlichen ehrenamtlich, laufende Kosten werden aus eigener Tasche bezahlt. Ohne neue Finanzierung ist die Zukunft des Projekts ungewiss. In der Vergangenheit wurde es hauptsächlich vom Berliner Musicboard, dem Musikfonds e.V., mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Initiative Musik gefördert.

Gegründet wurde Ick Mach Welle 2018 vom Label Killekill unter der Leitung von Nico und Katinka Deuster. Die Initiatoren des Krake Festivals bieten Künstler:innen mit Behinderung einen Zugang zur Club- und Kulturszene und betreiben in Berlin-Friedrichshain ein barrierearmes Studio mit Proberäumen, Musikunterricht und gemeinsamer Produktionsarbeit. Herzstück ist ein Mentoring-Programm, das Nachwuchskünstler:innen mit etablierten Musiker:innen zusammenbringt, um gemeinsame Live-Acts, Bands und Veröffentlichungen zu entwickeln. Mit dabei sind unter anderem Carlo Karacho, Anton Garber und Thomas Mahmoud.

Aus dieser Arbeit ist in den vergangenen Jahren ein Netzwerk mit zwölf Projekten und 24 Artists entstanden. Das Spektrum reicht von House, Techno und Dub über Hip-Hop und brasilianische Beats bis hin zu experimentellen Audio- und Videokunst-Formaten. Die Ergebnisse führten zu Gigs im Berghain oder ://about blank sowie zu Auftritten auf Festivals wie Fusion, Pop-Kultur und Nation of Gondwana. 2024 wurde das Projekt zudem für den Musikpreis Polyton nominiert.

Nun steht Ick Mach Welle vor einer akuten Finanzierungslücke, nachdem zentrale Förderungen wegfallen. Laut Katinka Deuster belief sich die Gesamtfördersumme im vergangenen Jahr auf rund 100.000 Euro. Davon seien zwischen 10.000 und 40.000 Euro direkt an Ick Mach Welle geflossen, der übrige Anteil über die Lebenshilfe und Aktion Mensch abgewickelt worden. Da Kulturförderungen in der Regel nur einjährig vergeben werden, fehle es strukturell an langfristiger Planungssicherheit.

„Wenn man mit Künstler:innen arbeitet, die kognitive oder körperliche Einschränkungen haben, wäre es schön und nötig, diesen Menschen mehr Zeit geben zu können. Ein Projekt mit einer Laufzeit von einem Jahr ist da ein recht enger Rahmen”, sagt Katinka Deuster.

Um die aktuelle Situation zu überbrücken, startete ICK MACH WELLE am 29. Mai eine Crowdfunding-Kampagne. 12.000 Euro sollen zunächst die Miete für die Räume sichern. Mit 40.000 Euro wäre der Weiterbetrieb der bestehenden Projekte möglich, 70.000 Euro würden zusätzlich Raum für neue Artists und Formate schaffen.

Begleitet wird die Kampagne von mehreren Veröffentlichungen. Am 5. Juni erscheint mit Superbrains Vol. 2 eine Compilation mit 19 Tracks aus dem Umfeld des Projekts. Es folgen ein neues Musikvideo der Gubenstreet Boys sowie ab Ende Juni mehrere Soli-Veranstaltungen, darunter eine erste Party am 20. Juni im ://about blank.

Spenden könnt ihr hier.

News

Weiterlesen

The White Hotel: Club in Manchester wird ab 2027 als BASTION betrieben

The White Hotel schließt Ende dieses Jahres, nun steht fest: Ein Projekt aus der Nachbarschaft übernimmt die Räumlichkeiten als BASTION.

The White Hotel: Club in Manchester wird ab 2027 als BASTION betrieben

The White Hotel schließt Ende dieses Jahres, nun steht fest: Ein Projekt aus der Nachbarschaft übernimmt die Räumlichkeiten als BASTION.

Sektor Evolution: Dresdner Techno-Club droht die Schließung

„Nur mit Geld macht die Party auch keinen Sinn”, schreiben die Betreiber des Sektor Evolution in Dresden und warnen vor dem Aus.

„Ausverkauf der Festivals”: ARTE-Tracks-Beitrag zur Marktkonzentration in der Live-Musik-Branche veröffentlicht

In einem ARTE-Tracks-Beitrag setzen sich unter anderem DJ Aya und Michail Stangl kritisch mit dieser Entwicklung auseinander.

Klub Kegelbahn: Luzerner Club steht vor dem Aus

Gegen die Betreibergesellschaft des Klub Kegelbahn wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet. Betroffen sind auch zwei weitere Lokalitäten.

In eigener Sache: GROOVE kommentiert den Rave-the-Planet-Livestream

Zum ersten Mal wird die Parade von 14 bis 22 Uhr komplett im Stream übertragen. Alle Infos und Links findet ihr hier.

 „Alles Gute kommt von unten”: Hamburger Szene kündigt Demorave an

Am 29. August 2026 demonstrieren mehr als 45 Hamburger Kollektive mit 16 Wagen unter dem Motto „Alles Gute kommt von unten”.

Houghton: Todesfall auf britischem Festival

Auf dem Houghton Festival ist eine Person ums Leben gekommen. Die Veranstalter:innen arbeiten mit den örtlichen Behörden zusammen.

„München Beats”: ZDF-Serie über Münchens Technoszene erntet Kritik

„München Beats” erzählt vom Aufstieg des Münchner Nachtlebens in den 1990er-Jahren. Kritiker:innen bemängeln, Techno als Kulisse dient.

R.A.W.-Gelände: Zukunft von Berliner Kulturareal vorerst gesichert

Clubs, Bars und Kulturorte auf dem R.A.W.-Gelände erhalten zunächst für mindestens zwei Jahre Planungssicherheit.
Sektor Evolution: Spendenaktion nach Brand in Dresdner Club

Sektor Evolution: Dresdner Techno-Club droht die Schließung

„Nur mit Geld macht die Party auch keinen Sinn”, schreiben die Betreiber des Sektor Evolution in Dresden und warnen vor dem Aus.
CTM-Kurator Michail Stangl ist eine der Stimmen, die sich kritisch mit der Monopolbildung im Live-Musikgeschäft auseinandersetzen (Foto: Presse)

„Ausverkauf der Festivals”: ARTE-Tracks-Beitrag zur Marktkonzentration in der Live-Musik-Branche veröffentlicht

In einem ARTE-Tracks-Beitrag setzen sich unter anderem DJ Aya und Michail Stangl kritisch mit dieser Entwicklung auseinander.
Der Klub Kegelbahn (Foto: Klub Kegelbahn)

Klub Kegelbahn: Luzerner Club steht vor dem Aus

Gegen die Betreibergesellschaft des Klub Kegelbahn wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet. Betroffen sind auch zwei weitere Lokalitäten.

In eigener Sache: GROOVE kommentiert den Rave-the-Planet-Livestream

Zum ersten Mal wird die Parade von 14 bis 22 Uhr komplett im Stream übertragen. Alle Infos und Links findet ihr hier.

 „Alles Gute kommt von unten”: Hamburger Szene kündigt Demorave an

Am 29. August 2026 demonstrieren mehr als 45 Hamburger Kollektive mit 16 Wagen unter dem Motto „Alles Gute kommt von unten”.
Die Terminus-Stage des Houghton (Foto: Houghton Festival)

Houghton: Todesfall auf britischem Festival

Auf dem Houghton Festival ist eine Person ums Leben gekommen. Die Veranstalter:innen arbeiten mit den örtlichen Behörden zusammen.

„München Beats”: ZDF-Serie über Münchens Technoszene erntet Kritik

„München Beats” erzählt vom Aufstieg des Münchner Nachtlebens in den 1990er-Jahren. Kritiker:innen bemängeln, Techno als Kulisse dient.
Das RAW-Gelände wehrt sich seit Jahren gegen die Neubebauung durch einen Immobilieninvestor (Foto: Google/Lydia Chernosvitova)

R.A.W.-Gelände: Zukunft von Berliner Kulturareal vorerst gesichert

Clubs, Bars und Kulturorte auf dem R.A.W.-Gelände erhalten zunächst für mindestens zwei Jahre Planungssicherheit.