Das White Hotel in Manchester: Underground-Club kündigt Schließung für 2027 an

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Der Club The White Hotel in Salford bei Manchester wird im Januar 2027 endgültig schließen. Das bestätigten die Betreiber:innen. Damit endet eines der einflussreichsten Underground-Projekte der britischen Clubkultur der vergangenen Dekade.

Als Gründe nennen die Betreiber:innen vor allem strukturelle Rahmenbedingungen: Der Standort liegt in einem ausgewiesenen Hochwasser-Risikogebiet am River Irwell, was allerdings nie für Probleme sorgte. Zudem sehen städtische Pläne umfassende Bauprojekte im Umfeld des Clubs in Salford und Strangeways vor. Vom geplanten Bau von 7.000 Wohnungen soll der Club nicht direkt betroffen sein, wohl aber von Renaturierungsmaßnahmen und neuen Grünflächen, die den Clubbetrieb perspektivisch unmöglich machen.

Die Betreiber:innen betonen, dass die Entscheidung bewusst getroffen wurde, um das Projekt unter eigenen Bedingungen zu beenden, bevor ihnen äußere Entwicklungen zuvorkommen. Man wolle kein Museum werden, sagten sie dem Guardian. Neue Formate an anderen Standorten sind geplant, darunter Festival- und Kunstprojekte. Seit seiner Eröffnung 2015 hat sich The White Hotel in einem ehemaligen Industriegebäude zu einem zentralen Ort für experimentelle Clubmusik, DIY-Events und Kunstformate im Nordwesten Englands entwickelt.

Der Club wurde von Ben Ward und Austin Collings betrieben, die sich über ihre gemeinsame Leidenschaft für Film kennenlernten und später eine Produktionsfirma gründeten. Collings ist zudem Co-Autor der Autobiografie des The-Fall-Sängers Mark E. Smith.

Der Club befindet sich in einer ehemaligen Kfz-Prüfgarage und bietet mit Tanzfläche, Bar- und Raucherbereich Platz für rund 300 Gäste. Das markante weiße Backsteingebäude liegt versteckt in einem verwinkelten Industriegebiet in Salford und ist notorisch schwer zu finden. In unmittelbarer Nähe befindet sich das berüchtigte Gefängnis Strangeways; ehemalige Insassen berichteten, nachts die Bässe der Partys hören zu können.

Das Programm war bewusst offen und experimentell angelegt. Es reichte von Auftritten des Klassik-Ensembles Manchester Collective über eine Feier zu Ehren Bertolt Brechts bis hin zum letzten DJ-Set von Andy Weatherall. Die ursprüngliche Idee war, einen Ort ähnlich dem legendären Colony Room Club zu schaffen, in dem Persönlichkeiten wie Francis Bacon, David Bowie und Princess Margaret verkehrten – einen Ort, der, wie Collings dem Guardian erklärte, „frech, aber voller Künstler” sein sollte.

In den Anfangsjahren herrschte an der Tür eine nahezu grenzenlose Freiheit. Collings erinnert sich an einen Gast, der regelmäßig mit einem Hammer auf die Tanzfläche kam. „Aber nicht auf bedrohliche Weise – falls das überhaupt möglich ist”, sagte er dem Guardian. Die Türsteher waren ehemalige Angehörige von Spezialeinheiten und brachten einen Hund namens Luther mit. „Der Hund war lauter als der DJ”, erinnert sich Collings.

„Wir waren im Moment und Teil des Moments”, kommentierte Ward rückblickend. Die Wahlen in Großbritannien und den USA wurden im Club live verfolgt und diskutiert. Der Künstler Stanley Schtinter inszenierte zudem eine Nachstellung der Beerdigung von Princess Diana. Clubbesucher zogen mit einem falschen Sarg durch Salford, begleitet von einer Mariachi-Band, die „Candle in the Wind” spielte, während eine Aufnahme von Jonathan Meades die Trauerrede von Earl Spencer vortrug. Collings beschrieb die Veranstaltung als „seltsam herzlich”, während die britische Boulevardzeitung Daily Mail sie als „krank und beschämend” verurteilte.

Die GROOVE-Reportage zum Club findet ihr hier.

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