Bijan Blum: Wegbereiter des Sound of Frankfurt verstorben

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Bijan Blum ist verstorben. Der DJ war der prägende Resident in der Anfangszeit des Dorian Gray in der ersten Hälfte der Achtziger. In dem Club im Frankfurter Flughafen feuerte Blum den Startschuss für den Sound of Frankfurt ab, der das Nachtleben der Stadt für zwei Dekaden einzigartig machte.

Blum gilt als Vorbild und Inspiration für Sven Väth und viele weitere Dorian-Gray-Residents. Viele Freunde und Weggefährten kondolieren in den sozialen Medien. Todestag und -ursache sind allerdings unbekannt. Im Februar hatte Bijan Blum von einem Besuch auf der Intensivstation berichtet, ohne auf Umstände einzugehen.

Bijan Blum in der DJ-Kanzel des Mainfloors des Dorian Gray (Foto: Barbara Klemm)

Bijan Blum wächst in Köln auf, geht mit Erwin Bach, dem Ehemann von Tina Turner, zur Schule. Später macht er eine Ausbildung zum Textilkaufmann und übt diesen Beruf zunächst auch aus. Die Musik faszinierte ihn schon als Kind, die Stereoanlage seiner iranisch-deutschen Eltern läuft auf Hochtouren. Schon früh kauft er eigene Platten.

„Dieses Musik-Gen hatte ich schon immer im Blut”, erzählt Blum 2018 dem Journalisten und Frankfurter Szene-Chronisten Alexander Antonakis. Schon mit 16, Anfang der Siebziger, fängt er an aufzulegen, zuerst in Kölns Studenten-Diskothek Das Ding. „An der Tür hat seinerzeit der ehemalige Sportmoderator Wolf-Dieter Poschmann gestanden. Dann habe ich im Piccionaia aufgelegt, damals einer der besten Clubs der Stadt”, erinnert er sich im verlinkten Artikel.

Bijan Blum Silvester 2025 (Foto: Facebook Bijan Blum)

Nach der Ausbildung zieht es ihn nach Düsseldorf, dort legt er bei der Eröffnung des angesagten Malesh auf und wird dort Resident-DJ. Im Malesh entdecken ihn die beiden Dorian-Gray-Gründer Gerd Schüler und Michael Presinger.

Die beiden Clubmacher eifern dem Studio 54 in New York nach, wo die Reichen und Schönen der Stadt zu Discomusik tanzen. Monate vor der Eröffnung reisen Schüler und Presinger durch Deutschland, um sich DJs anzuhören und Ideen für ihren Feiertempel im Frankfurter Flughafen zu sammeln.

Bijan Blum im Studio (Foto: Archiv Bijan Blum)

Eines Nachts stehen Gerd Schüler und Michael Presinger zusammen mit Tom Esselborn, dem Besitzer des Tiffany in Mannheim, neben Blums DJ-Pult, erinnerte sich Blum 2018. Sie sind begeistert von seinen Skills und seinem Musikgeschmack und wollen ihn für das Dorian Gray verpflichten. Doch Blum lehnt zunächst ab, aus Loyalität gegenüber seinem damaligen Arbeitgeber. Es soll aber anders kommen.

In einer Düsseldorfer Szenekneipe gerät Blum mit einem Zivilpolizisten aneinander. Blum knockt den Beamten vom Hocker, Karate und Judo beherrscht er nämlich auch. Das Gesetz im Nacken, willigt Blum schließlich in das Angebot der Gray-Besitzer ein und zieht nach Frankfurt – zunächst in die ehemalige Wohnung der „Edelprostituierten” Rosemarie Nitribitt in der Stiftstraße, wie er sich gegenüber Antonakis erinnert.

Michael Münzing (SNAP!) und Bijan Blum im Omen (Foto: Archiv Bijan Blum)

Um Mitternacht am 28. November 1978 feiert das Dorian Gray seine spektakuläre Eröffnung für geladene Gäste. Es wimmelt vor Prominenten und Szenevolk. Alle sind dem Disco-Fieber verfallen, als erste Platte legt Blum „You Make Me Feel (Mighty Real)” von Sylvester auf.

Bijan Blum mit Sven Väth im Dorian Gray (Foto: Archiv Bijan Blum)

Auf dem großen Floor im Dorian Gray spielt er die „Hämmer”, wie er Antonakis erzählt hat. Import-Schallplatten aus den USA, die damals in Deutschland kaum erhältlich sind. So reist er zum Plattenkauf nach Amsterdam, London und Paris. Hits der Zeit sind „Le Freak” von Chic, „Dancer” von Gino Soccio oder Instant Funks „I Got My Mind Made Up”.

In der Mitte der Achtziger lebte Bijan Blum sechs Monate auf Ibiza (Foto: Archiv Bijan Blum)

In den ersten drei Monaten spielt Blum an jedem (!) der sieben Wochentage von 21 Uhr abends bis 8 Uhr morgens. Zwei freie Tage bekommt er, als Ulli Brenner und Michael Münzing von SNAP! als Verstärkung an den Decks dazukommen. Sechs Monate lang baut Blum das Aladdins in Aschaffenburg auf, in dieser Zeit vertritt ihn Peter Römer aus dem Hamburger Trinity im Dorian Gray.

Blum feiert mit der High Society. „Mein Leben war damals einfach eine riesige Party. Ständig lernte ich Leute kennen, es wurde ausschweifend gefeiert”, erinnert er sich. Blum ist auch als Laiendarsteller beim Film tätig, steht mit Karl Dall, Helmut Fischer oder Uschi Glas vor der Kamera, reist für Model-Jobs nach Paris und Mailand.

Sven Väth, Bijan Blum (Foto: Archiv Bijan Blum)

Neben seiner DJ-Tätigkeit sitzt Blum regelmäßig im Studio und nimmt Mixe für Plattenfirmen wie Ariola auf, etwa die Non-Stop-Compilation Super Disco Nights von 1986. In dieser Zeit eröffnet er mit einem Partner auch einen eigenen Club, die Weiße, der wegen seines ausgefallenen Sounds mit dem Berliner Dschungel verglichen wird. Nach einem Streit mit dem Mitbetreiber geht er zurück ins Dorian Gray.

1986 gibt Blum seine DJ-Tätigkeit im Gray auf, ist besonders in Paris und Mailand als Model aktiv. 1989 geht er für mehrere Monate als DJ nach Paris ins Le Palace. 1990 zieht er von Frankfurt nach Mannheim und übernimmt eine Residency im oben erwähnten Trinity. Blum verliert den Kontakt zur Frankfurter Szene und beendet einige Jahre später seine DJ-Karriere, um bei einer Hausverwaltung zu arbeiten.

Bijan Blum mit einem unbekannten Model in Paris (Foto: Archiv Bijan Blum)

In den Zehnerjahren meldet er sich bei Facebook an, nimmt Kontakt zu vielen Weggefährten von früher auf und spielt bei einer Reihe von Dorian-Gray-Comeback-Partys.

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