Motherboard: Mai 2026

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Mit den komischen Vögeln Us & Sparkles fliegt der Zürcher Techno-Producer Roland „v0ll” Vollenweider ins Offene. Nach der feinen Krautelektrik von When The Birds Kick In übt sich Sir Kaboom and Trippy Tweet (Us & Sparkles, 17. April) nominell solo, aber mit Hilfe vieler Instrumentalistenfreunde nun in balearischer Electronica. Mittellangsame, gerade Beats, soft-psychedelischer Sundowner-Chill-House mit Flöten, Tröten und Breaks; nie ironisch, nie zynisch, nie meta, sondern einfach nur freundlich und warm. Wie es sich gehört.

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Einatmen, Ausatmen. Die unendlichen Möglichkeiten der Kraft des Atems, in extremer Virtuosität und zugleich beeindruckender Zurückhaltung und Schlichtheit jenseits allen Kraftprotzens, zeigen gerade eine Blüte. Eine, die über Stile und Genres hinweg blüht, doch im selben Humus (Free Jazz) wurzelt, ähnliche Mittel wählt (Holzbläser, Elektroakustik, digitale Prozessierung) und damit ganz woanders ankommt, gerne im avancierten Pop oder Post-Rock. Alex Zhang Hungtai ist auf seiner physisch wie musikalisch staatenlosen Weltreise seit den Neo-Rockabilly-Tagen der ersten Dirty-Beaches-Alben unter seinem Eigennamen zu einer tief experimentellen, nie abgeschlossenen, nie endgültig freien Definition des Saxofons als Drone-Raumklang-Werkzeug gelangt. Auf Dras (Shelter Press, 10. April) einmal mehr in introspektiver Zurückhaltung und Abstraktion einzelner Klänge in Echo und Hall.

Die klassisch ausgebildete polnisch-ungarische Flötistin und Saxofonistin Juli Deák verfolgt auf ihrem Solodebüt Brisk (Thanatosis, 24. April) ebenfalls einen puristischen Ansatz mit maximalem Effekt: Solo-Improvisation und Raumklang unter voller Ausnutzung der technischen Möglichkeiten ihres Instruments im langen Nachhall eines Kircheninnenraums.

Das Saxofonquartett ~Nois aus Chicago lässt auf What is ~Nois (New Amsterdam Records, 10. April) das Fragezeichen aus der Frage, was sich in den Stücken wiederholt. Es sind schon definitive Ansagen, die in nahezu freiem Freak-Out wie in ziemlich deutlichem Pop enden dürfen.

Noch deutlicher in expliziter Nähe zu Pop und Ambient agiert der Kalifornier Brian Allen Simon alias Anenon auf Dream Temperature (Tonal Union, 24. April), seinem bislang offensiv freundlichsten und am wenigsten dem Los-Angeles-Noir frönenden Album. Dass es sich dennoch bestens für lange Nachtfahrten durch noch asphaltsonnengewärmte urbane Einsamkeit eignet, versteht sich bei Anenon quasi von selbst.

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