Der schottische Songwriter Bill Wells ist ein Phänomen der Produktivität und Kreativität, einer der tendenziell geniale Songs rausschüttelt wie nix Gutes, sich aber selten damit aufhalten mag, ihnen die große Form zu geben. Was bleibt, sind brillante Skizzen, deren Unfertigkeit und Vorläufigkeit den Charme des Ganzen ausmachen. Auf Dreams ’24 / ’25 (Karaoke Kalk, 8. Mai) ist das in nicht weniger als 24 mehr oder weniger vollendete Fragmente gefasst, der Schnelligkeit halber meist minimal elektronisch eingehegt, aber manchmal auch mit Bläserarrangements füllig gemacht. Famose Außenseitermusik, die nicht in selbstgewählter Isolation verweilen will.
Es ist ein großes Glück, dass der mittlerweile fast 90-jährige Can-Mitgründer Irmin Schmidt noch ein Requiem (Mute, 24. April) schreiben konnte. Es wird wohl unweigerlich irgendwann, hoffentlich nicht zu bald, sein Requiem werden. Darin ist dieser Nachruf allerdings ein radikal leises, beinahe atonales Werk, das Schmidts Ausbildung zum Komponisten ebenso reflektiert wie seine kompromisslose Experimentierfreude. Field Recordings und ein präpariertes Piano bilden den Rahmen für ein Werk der rigorosen Stille, des Schweigens bis zum Verschwinden, in dem sich doch noch so viel tut und in dem noch so viel Leben ist.
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