Prosumer (Foto: Presse). Als einziger klassischer House-Act auf Ostgut Ton verkörperte Prosumer die Leidenschaft und Sehnsucht der Panorama Bar wie kein anderer Musiker. In der Biographie von Achim Brandenburg, so heißt Prosumer bürgerlich, ist Berlin aber nur eine Episode. Schon in seiner Heimatstadt Saarbrücken war er ein einflussreicher DJ. Vor sechs Jahren verabschiedete er sich aus Berlin und dem Berghain-Zusammenhang und zog ins schottische Edinburgh. Von dort aus ist er nicht nur als DJ aktiv, sondern auch als Klangtherapeut. Vor einem Gig in der Berliner Palomabar besuchte er Groove-Chefredakteur Alexis Waltz in der Redaktion, um über seine Zeit im Saarbrücker Hard Wax (ja, das gab es mal), sein ambivalentes Verhältnis zu Berlin und seinen zweiten Beruf als Klangtherapeut zu sprechen. Heute Abend trittst Du in der Palomabar auf. Wie hast du dich auf diese Nacht vorbereitet?  Prosumer: Für dieses Wochenende habe ich so ein bisschen Multitasking gemacht, weil ich drei sehr verschiedene Sets spiele. Ich gehe davon aus, dass der Samstag technoider wird. Da spiele ich in Cardiff im Kong. Zwischendurch bin ich noch in Manchester bei einer kleinen gay night von einem Freund von mir, der eigentlich Pop hört. Insofern werden da vielleicht auch Platten wie Dee D. Jacksons „Automatic Lover” ausgepackt (lacht) – keine Ahnung. Da habe ich so ein bisschen wilder gepackt. Und für heute, für die Palomabar, natürlich housiger, so eine Mischung von Ist-gut-für-den-Anfang und Hab-ich-gerade-Bock-drauf und Sollte-ich-nochmal-spielen. Sollte-ich-nochmal-spielen, was ist das für eine Kategorie?  Das sind Platten, die ich dort gerne mal spielen will. Ich war ja schon ein paar Mal da, das ist ein bisschen intimer vom Sound. Finn [Johannsen, Booker des Clubs] ist meine Verbindung zu dem Laden, der ist ja auch alter Houser, das geht dann im Hinterkopf in die Auswahl mit rein. „Es gibt so viele schöne Kenny-Dope-Geschichten, die sehr hüftig sind, da habe ich, glaube ich, ein paar mit eingebaut. Was ich sonst gemacht hab, weiß ich gar nicht mehr so genau.” Das habe ich noch nie gehört, dass ein DJ bei der Musikauswahl an seine Kontaktperson in dem betreffenden Club denkt. Echt? Der MK-Mix von The B-52’s „Tell It Like It T-I-IS” – das ist beispielsweise eine Platte, die kann ich nicht hören, ohne an Finn zu denken. Weil ich die Platte über ihn kennengelernt habe. Die habe ich jetzt nicht dabei, aber so gibt es da Verbindungen.  Was ist eine andere typische Finn-Johannson-Platte?  Ich hatte mit Finn bei einer Washing Machine [von Terrible, Clé, Daniel Best und Dixon betriebene Partyreihe, d.Red.] damals im WMF in der Klosterstraße aufgelegt. Da hat Terrible E.S.P.s „It’s You” gespielt. Mit dem Vocal und allem, das war irgendwie so ein großer Moment. Das ist auch so eine Finn-Verbindungsplatte für mich. Terrible hat die Platte aufgelegt, aber Finn war da. Prosumer 2019 (Foto: Presse). Wie gehst du im Gegensatz zu den oben genannten Abenden ein Set auf dem Love International, einen Sommerfestival an der kroatischen Riviera an? Ich war überrascht, wie hart du dort aufgelegt hast, wie gradlinig und monoton. Du hast den Engländern eine Ansage gemacht, die sie elektrisierte. In diesem sehr britischen Kontext habe ich deinen Sound als sehr berlinerisch wahrgenommen. Später wurdest du dann spielerischer und dynamischer. Dann gab es melodiöse und fast kitschige Momente, mit denen man in dem Zusammenhang nicht rechnet.  Die Stage ist mir ja ziemlich vertraut. Ich […]

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