5. Conforce pres. Silent Harbour – Noctiluca (Echochord)

Als Basic Channel und Maurizio erfanden Moritz von Oswald und Mark Ernestus Dub-Techno. Zahllose Künstler entwickelten diesen Sound mehr oder weniger kreativ weiter. Mit seinem Dub-Techno-Projekt Silent Harbour orientiert sich Conforce besonders am unterkühlten Dub-Techno von DeepChord, dessen Dubs er mit seiner digitalen, detailreichen Produktionsästhetik aufpoliert. Kälte ist meist subjektiv, doch auf den sechs Tracks kann man den Schnee förmlich riechen, der in der Luft hängt und sich metallisch auf die Zunge legt. Die dicht wabernden Echokammern lassen jegliche Restwärme des Reggae-Einflusses im Dubtechno verhallen. Was früher auf Platten von DeepChord innovativ war, wird heute aber nicht allein durch einen ausgefeilten Sound wieder relevant. Porter Ricks zeigten auf Anguilla Electrica im vergangenen Jahr, dass man sich dem Genre mit frischen Ideen zeitgenössisch nähern kann, indem die Dubs mit einem noisigen, weniger raumgreifenden Sound ins Hier und Jetzt geholt werden. (Alexis Waltz / Felix Hüther)

4. Borusiade – Their Specters (U-Ton)

Nach einem fesselnden Debütalbum und diversen EPs auf Labels Cómeme, Correspondant und Cititrax kommt die in Berlin lebende Rumänin Borusiade nun mit vier vielseitigen Tracks auf U-Ton an. Erneut eine Maxi mit eigenwilligem Touch. Erneut Musik, die im Club wirkt, aber auch jenseits der Party große Emotionen erzeugt. Sie hat Suspense, authentische Wave-Momente, Angst, spielt mit Found-Sounds wie Meereswellen oder analogem Telefonklingeln, verteilt metallische Beats und entfaltet subtile Drones. Und das mit einem eher besonnenen Tempo, auch wenn Tracks wie „Double Think“ Techno in der Blutbahn haben. (Michael Leuffen)

3. Special Request – Through The Looking Glass (Houndstooth)

Paul Woolford alias Special Request ist fest im britischen Hardcore Continuum der gebrochenen Beats verwurzelt. Jüngst hat er sich dem hybriden Sound von Joy O oder Blawan angenähert. „Step Through The Looking Glass“ arbeitet sich in Remixen seines Albums Belief System weiter an Techno ab. Nina Kraviz interpretiert „Curtain Twitcher“ als psychedelischen Warehouse-Techno. Woolfords Titeltrack ist nicht weniger klaustrophobisch, gibt als Retro-Drum’n’Bass im Neunziger-Outfit aber ein harten Kontrast zu Kraviz bassigem Minimalismus. Newcomerin Anastasia Kristensen gibt ihrem Mix von „Tiresias“ deutlich mehr Luft und Licht. Ihr Hybrid aus Housebeats und Waberbässen ist das modernste, zeitgemäßeste Stück dieser seltsam vermischten aber sehr guten EP. (Frank P. Eckert)

2. Terr – Neuromancer (Correspondant)

Die nach William Gibsons berühmter Trilogie benannte Debüt-EP der brasilianischen, in Barcelona lebenden Producerin Daniela Caldellas alias Terr besticht auf Anhieb. „Neuromancer“ klingt, als hätte Vangelis für Blade Runner mit Jean-Michel Jarre gejammt. „Multiverse“ lässt an Lipps Incs „Funkytown“ denken, bevor eine hymnisch-gelöste Synthie-Hookline und Spandex-Sounds auftauchen – hat definitiv das Zeug zum Hit. Das gilt noch ein wenig mehr für Krystal Klear, der hier mit seinem „Neuromancer“-Remix den Cybervogel abschießt. Darauf werden sich viele einigen können und wollen. (Harry Schmidt)

1. Modxi – Amalgam (Not An Animal)

Modxi ist ein Projekt von Sam Watts, den man als Maxxi Soundsystem kennen könnte, dessen Vater, dem Impro-Jazz-Saxofonisten Trevor Watts und dem Producer Thomas Gandey. Ihr elfminütiges „Amalgam” ist ein so kaleidoskopisches wie ungreifbares Meisterwerk. Steilvorlage für Roman Flügel, der die Gelegenheit zu einem leicht nostalgischen, hymnischen Technohit nutzt. Klaustrophobischer der Electro-Remix mit Vocoderstimme von Frank Butters. Da kann man nur Friedrich Liechtenstein zitieren: Alles supergeil hier! (Harry Schmidt)

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