Foto: Zardoz

Wer das Hamburger Schulterblatt nicht allein aus der G20-Berichterstattung kennt, wird in den letzten zwei Jahrzehnten einen ungemeinen Wandel in der belebten Straße festgestellt haben. Nach und nach nisteten sich Tapas-Bars gegenüber der Roten Flora ein, irgendwann gesellten sich Filialen von Kosmetikketten und Modegeschäften dazu. Gentrifizierung nennt sich das und nirgendwo ist der scharfe Kontrast zwischen Strukturwandel und Gegenkultur in der Stadt besser zu sehen als auf den paar hundert Metern zwischen Bahnüberführung und dem Neuen Pferdemarkt. Doch selbst die Institutionen, die wie ein gallisches Dorf dem Prozess bisher trotzten, brechen langsam weg. Nun scheint auch das Ende von Zardoz besiegelt.

Hinter dem mit Platten verstopften Eingangsbereich der Schanzen-Institution eröffnet sich ein kleiner musikalischer Kosmos, der von obskuren Jazz-Platten über eine fein selektierte Funk-Abteilung hin zu elektronischer Musik in all ihren Facetten reicht. Er soll aber seine Tore auf dem Schulterblatt im Sommer schließen, genauer am 30. Juli – dann läuft der Mietvertrag mit einer internationalen Immobiliengesellschaft aus. „Es ist eben kein Vermieter, der in Hamburg lebt und die Strukturen hier kennt“, so der Zardoz-Teilhaber und -Filialleiter André Sorgenfrei gegenüber der Presseagentur dsa über die zwar rechtlich einwandfreie, doch subkulturell verheerende Entscheidung.

Nachdem bereits in den letzten Wochen aus Berlin ungute Meldungen zu hören waren, zeigt sich wieder einmal mehr, wie wenig Handhabe der Einzelhandel überhaupt hat, wenn die Stadtplanung vom Kapital übernommen wird. Die Stadt zumindest muss in die Röhre schauen. Fragt sich allerdings nur, was das langfristig aus dem Standort Sternschanze macht. Denn spätestens, wenn das letzte Bisschen Subkultur aus dem Viertel weg gentrifiziert wurde, wird sich das Schulterblatt nicht mehr von einer regulären Einkaufsstraße unterscheiden. Daran kann den Investoren, egal ob aus Hamburg oder von außerhalb, eigentlich nicht gelegen sein.