Die Stadt Wien stellt die finanzielle Unterstützung für Awareness-Teams im öffentlichen Raum ab dem Jahr 2027 vollständig ein. Das gab das verantwortliche AwA*-Kollektiv bekannt. Das Projekt, das seit 2021 im Auftrag der Stadt betrieben wird, erhielt bislang eine jährliche Förderung in Höhe von 246.000 Euro. Mit dem Wegfall dieser Mittel steht die Initiative vor dem endgültigen Aus.
Die geschulten Teams waren in den Sommermonaten an stark frequentierten Knotenpunkten des Wiener Nachtlebens wie dem Karlsplatz oder dem Schwedenplatz unterwegs. Ihre Aufgabe bestand darin, als niederschwellige Anlaufstelle bei Belästigungen, Diskriminierung sowie Konflikten zu agieren und Betroffenen von Gewalt vor Ort Unterstützung zu bieten. Das Angebot richtete sich insbesondere an Frauen, Jugendliche und Angehörige marginalisierter Gruppen.
Die Entscheidung der zuständigen Bildungs- und Jugendstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) stößt beim Betreiberverein auf scharfe Kritik. Vertreter des AwA*-Kollektivs bezeichneten die Streichung der Mittel als „fatales Signal für die Gewaltschutzarbeit”. Das Kollektiv verweist darauf, dass die Zahl sexualisierter und rassistischer Übergriffe im öffentlichen Raum nach wie vor hoch sei und die Kürzung das Versorgungsnetz im Nachtleben nachhaltig schwäche.
Erst in den vergangenen zwei Jahren hatte die Stadt die Auflagen für die Clubkultur verschärft. Seit 2025 existieren verbindliche Leitlinien der Vienna Club Commission. Seit dem Vorjahr sind Veranstalter ab einer Größe von 300 Gästen gesetzlich dazu verpflichtet, eigene Awareness-Beauftragte einzusetzen. Während diese Vorgaben im privaten Veranstaltungssektor bestehen bleiben, zieht sich die Stadt Wien nun aus der Finanzierung der Teams im öffentlichen Stadtraum zurück.
Für den 29. Oktober 2026 hat das betroffene Awareness-Kollektiv Awa* eine Pressekonferenz anberaumt, um die statistische Entwicklung der Übergriffe im laufenden Jahr vorzustellen und über die weiteren Schritte zu informieren. Eine Stellungnahme der Stadtregierung zu möglichen Alternativkonzepten steht derzeit aus.







