Der deutsche DJ und Produzent Boris Brejcha hat das Ende seiner Musikkarriere in einem Instagram-Statement angekündigt. Nach über zwei Jahrzehnten in der elektronischen Musikszene will sich der Musiker aus Ludwigshafen Ende 2028 nach einer großen Abschiedstournee unter dem Titel „Becoming the Joker“ zurückziehen. Der selbsterklärte „King of High-Tech-Minimal“ betonte dabei, dass die Entscheidung nach langer Überlegung fiel und er weder krank sei noch die Freude an der Musik verloren habe, sondern sich schlicht neuen Lebensabschnitten widmen möchte.
Der 44-Jährige nimmt in der elektronischen Szene seit Langem eine Sonderrolle ein. Durch seinen melodisch treibenden Sound spricht er auch ein Publikum jenseits klassische Techno-Bubble hinaus an. „High-Tech Minimal“ meint bei ihm ein Hybrid aus Minimal, Techno und Elementen von Trance und Electro: trockene, präzise programmierte Drums, verspielte, oft quirlige Synth-Hooks, ausgeprägte Melodik und eine sehr dramaturgische Arrangierweise mit langen Spannungsbögen, Breaks und Drops. Damit bedienen seine Songs eher Pop- und EDM-Logiken als an der Funktionalität klassischer Clubtracks. Seine Stücke sind auf Wiedererkennbarkeit gebaut, nicht auf Mixbarkeit im Dienst eines DJ-Sets.
Als Marke steht er für das Image mit der venezianisch anmutenden Joker-Maske, die er seit Jahren trägt. Nach eigener Darstellung soll sie den Fokus auf die Musik lenken. Faktisch ist sie das stärkste Branding-Element im elektronischen Kontext seit Daft Punk oder Deadmau5. Brejcha hat weitgehend unabhängig von den klassischen Gatekeepern der Szene ein riesiges Publikum aufgebaut, vor allem über YouTube, Streaming und lange, aufwendig gefilmte Sets. Besonders stark ist er in Frankreich, Südeuropa und Lateinamerika.
Für sein Publikum steht er für emotionale, „musikalische“ elektronische Musik, die auch außerhalb des Clubs funktioniert, etwa im Kopfhörer oder im Auto. In der Szene- und Kritikerwelt gilt er dagegen oft als Paradebeispiel für eine Kommerzialisierung, die Techno als Spektakel und Personality-Produkt verkauft. Die Vorwürfe lauten Formelhaftigkeit, Gimmick-Ästhetik und Nähe zur Festival-EDM. Man kann ihn deshalb als Symptom einer Entwicklung lesen, in der Plattform-Reichweite die Szene-Legitimation ersetzt hat. Ähnliches gilt für Teile des Melodic-Techno-Booms um Afterlife. Brejcha war dabei allerdings früher dran und ist eigensinniger als viele Nachahmer.
Seine Maske hat dabei einen ernsten Hintergrund: Als Sechsjähriger überlebte Brejcha 1988 die Flugkatastrophe von Ramstein mit schweren Brandverletzungen im Gesicht. Die Maske diente ihm auf der Bühne zu Beginn als Schutz vor Blicken, bevor sie ihn unverwechselbar machte.
Die Termine der Tour stehen aktuell noch nicht fest, im Post heißt es, dass er so oft wie möglich spielen will.







