Die Platten der Woche mit Aiken, Arkajo, A.M.Q.N, Second Storey und Steve Bug & Stefan Braatz

Alle Ausgaben der Platten der Woche findet ihr hier.

Aiken – Impact Test (Timeline)

Auf der Habenseite stehen: Semantica, Key Vinyl, Non Series. Auf der Ausgabenseite rechnet Aiken das eigene Label ab, aber dafür ist er ja auf einer eigenen, ätsch, Timeline unterwegs. Dass der Madrilene dort keine außerplanmäßigen Zwischenhalte einlegt, darf man vorausschicken. Auf Impact Test läuft das fabrikseigene Werkel jedenfalls gewohnt geschmiert. Vier Tracks. Techno. Nirgends wartet eine Überraschung, aber dafür startet man ja auch eher nicht den Motor. Anders gesagt: Ding muss laufen. Ding läuft. Ding, Ding, Ding! Für alles andere gibt es Chemie. Christoph Gleich

Arkajo – Aniara36: Incandescence (Aniara) 

Nils Krogh alias Arkajo veröffentlicht eine schlichte EP auf seinem Label Aniara. Ein Metall, extremer Hitze ausgesetzt, beginnt wegen der hohen Temperaturen zu glühen. Der Zustand dieses Glühens wird „Inkandeszenz” genannt. Und der Göteborger Arkajo spielt damit auf der A-Seite dieser schlichten EP: ein Stück A-Seite, ein Stück B-Seite. „Incandescence” sprüht Funken, die Synths flackern auf vor einem Beat-Teppich. Sehr gelungen kommt auch der leichte Knick in der Spannung, ein Abflauen, das dem Stück guttut, bevor es ganz auf den Beat setzt. 

Auf der Rückseite tänzelt „Writhe” im Boxer-Beat. Arkajo umhüllt die runden Bässe und schlagenden Kicks mit gestauchten Synthesizern und dreht sie so ins absurd-futuristische. So gerinnt „Writhe” zum Brückenbauer; zum perfekten Track für direkt nach den Hits. Christoph Braun

A.M.Q.N – Barna Beat (Italo Moderni) 

Mit Barna Beat feiert A.M.Q.N (Ahora Más Que Nunca) sein Debüt auf Italo Moderni und schickt uns auf einen echten Trip in die 80er und 90er. Die Platte bringt diesen rauen Vibe der Straßen Barcelonas mit und zieht dich gedanklich direkt auf den dunklen, vernebelten Disco-Dancefloor, während um dich herum wilde Lichter flackern.

Soundtechnisch treffen hier düsterer Electro und funky Synthesizer aufeinander, gemischt mit New Beat und ein bisschen Trance. Was besonders auffällt: A.M.Q.N packt neben messerscharfen Synths auch immer wieder abgefahrene Keyboard-Elemente in die Tracks, die zusammen mit den spanischen Vocals für eine richtig gute, leicht düstere Atmosphäre sorgen. Das Ganze wechselt ständig zwischen dunkleren, treibenden Momenten und extrem funky Passagen.

Dass sein Kult-Hit „Es Martes y Te Vas a Liar“ hier auch endlich wieder auf Vinyl dabei ist, macht das Paket komplett. Eine synth-lastige, ehrliche Platte, die einfach Lust auf rauchige Clubnächte macht. Mascha Schaper

Second Storey – Ladakh EP (High Canopy)  

Alec Storey ist kein Unbekannter – er ist im musikalischen Kosmos zwischen Rave und experimenteller Elektronik großgeworden. Die fünf Tracks der neuen EP loten unterschiedliche Zustände der Elektronik- und Ambient-Kultur aus. Schon der Opener „Blue Eye” macht Laune. Vor sich hin ballernde Broken Beats und Synthflächen greifen ineinander, auf klassische Höhepunkte verzichtet der Track. Stattdessen entsteht ein kontinuierlicher Flow. Der Pressetext verweist beim Titel auf die Quelle des Bistrice-Flusses in Albanien – passend zur fließenden Anmutung des Stücks. Bei „Urban Hermit” geht es deutlich mehr zur Sache. Ein regelrechtes Breakbeat-Gewitter bricht los, während im Hintergrund unheilvolle Klänge für Nervosität sorgen. Die Entstehungsgeschichte des Tracks beschreibt Alec Storey mit der Erfahrung in einem steckengebliebenen Fahrstuhl in Berlin. Der Track „Post Columbia” kommt dagegen aus einem ganz anderem Eck. Nach einem entspannten Ambient-Einstieg legen sich Synthflächen über dezent verteilte Beats. Ein feiner Tune, der sich Zeit lässt und seine melodische Seite erst nach und nach entfaltet. Einen Gang herunter schaltet dann auch noch „ABC Conjecture”. Die Stimmung ist düster und drony, der Track könnte gut zu einem Science-Fiction-Soundtrack passen. Das namensgebende „Ladakh” als Schlusstrack ist für mich Future Ambient. Ein feiner atmosphärischer Abschluss für den ersten Release auf seinem neu gegründeten Label – vermutlich inspiriert von der Landschaft des Himalaya. Liron Klangwart

Steve Bug & Stefan Braatz – Circles (Nu Groove) 

Auf Circles verarbeiten Steve Bug & Stefan Braatz zurückhaltenden Deep- und Minimal-House zu einem hypnotischen sowie druckvollen Sound. Mit der Chicago-Legende Virgo Four setzen sie gleich zwei Versionen des ersten Tracks um. Die Phrase „It moves in circles” wiederholt eine Stimme immer wieder – ein Satz, der sich auch im Track widerspiegelt: Trotz repetitiver Sound-Schleifen klingt er keinesfalls eintönig, sondern sorgt mit der Hinzunahme minimaler Elemente für Abwechslung. Wie er begonnen hat, endet der Track auch: Nach und nach werden immer mehr Elemente entfernt. 

Der „Beat Mix” baut auf tiefen Bass und kraftvollen Druck. Die Vocals stehen hier im Vordergrund. Hi-Hats leiten einen groovigen Sound ein, der immer wieder in den Tiefen des Basses verschwindet, dann von einer hypnotischen Atmosphäre ergänzt wird, bis schließlich zum Ende der Beat erneut einsetzt.

„Nu Acid” bietet einen starken Kontrast zu seinen beiden Vorgängern. Der Beat setzt sofort ein und wird von schneller Percussion unterstützt. Der Track funktioniert, weil bereits bestehende Klänge miteinander fusionieren und in Wechselwirkung stehen. 

Der letzte Track beleuchtet die Fähigkeit von Steve und Stefan, das Spannungsfeld und die rhythmischen Details perfekt in Einklang zu bringen. Schnelle Drums und Percussion bestimmen den Sound, der, ähnlich wie in den Circles-Tracks, von immer mehr Soundelementen heimgesucht wird. Der plötzlich einsetzende Disco-High-Energy-Sound erzeugt eine euphorische und tanzbare Atmosphäre, die an die Disco-Ära mit Acts wie Donna Summer erinnert. Ganz unerwartet setzt ab der Mitte eine mystische Atmosphäre mit Vocals ein, die einen Kontrast zum Beginn von „Thiz Mood” erzeugt.

Der EP-Titel Circles ist mit Bedacht gewählt – wobei die Klänge der einzelnen Tracks auch an eine Art Spirale erinnern. Die Tracks beginnen langsam, gewinnen an Bestandteilen und lösen sich wie in einem Kreislauf in einer Harmonie auf. Mit dieser Kombination erschaffen sie einen zeitlosen Stil, der das Nachtleben in die 90er- und 2000er-Jahre zurückkatapultiert und mit zeitgemäßen Elementen schmückt. Madu Abeysekera

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