Festivalförderung vor dem Rotstift: Haushaltsentwurf der Bundesregierung sorgt für Kritik

Die Bundesregierung plant für den Bundeshaushalt 2027 deutliche Einsparungen bei der Musikförderung. Ein Kabinettsentwurf sieht unter anderem Kürzungen bei der Initiative Musik, dem Reeperbahn Festival und dem Festivalförderfonds vor. Besonders für die Festival- und Clubszene könnten die geplanten Einschnitte weitreichende Folgen haben. Der Bundestag muss dem Haushalt allerdings noch zustimmen.

Die Initiative Musik soll nach den aktuellen Planungen statt bisher rund 19,3 Millionen Euro künftig nur noch 15 Millionen Euro erhalten – ein Minus von rund 22 Prozent. Die Einrichtung fördert unter anderem Nachwuchskünstler:innen, Livemusik-Projekte, Tourneen und Musikexporte. Noch härter trifft es das Reeperbahn Festival: Die Bundesförderung soll von bislang circa 6,3 Millionen Euro auf drei Millionen Euro sinken. Auch der Festivalförderfonds, der vor allem kleinere und mittlere Festivals unterstützt, soll von vier auf zwei Millionen Euro halbiert werden.

Darüber hinaus sind Kürzungen beim Amateurmusikfonds, bei den „Einzelprojekten Musik” sowie beim Deutschen Musikrat vorgesehen. Scharfe Kritik kommt von der LiveMusikKommission (LiveKomm). Der Bundesverband der Musikspielstätten erkennt zwar die angespannte Haushaltslage an, hält die geplanten Einsparungen jedoch für den falschen Weg.

Besonders die Halbierung des Festivalförderfonds stößt auf Unverständnis. Seit seiner Einführung vor drei Jahren wurden laut LiveKomm 1.838 Förderanträge gestellt, von denen lediglich 411 Projekte unterstützt werden konnten. Allein 2025 überstieg die Nachfrage nach Fördermitteln das verfügbare Budget um 353 Prozent. „Die wiederholte Halbierung des Festivalförderfonds ist kein kulturpolitischer Einschnitt, sie ist ein Fehler, der auf großen Widerspruch stoßen muss”, erklärt LiveKomm-Geschäftsführer Christian Ordon.

Nach Ansicht des Verbands leisten gerade kleinere Festivals einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben und gesellschaftlichen Zusammenhalt – insbesondere im ländlichen Raum. Viele Veranstaltungen würden überwiegend ehrenamtlich organisiert und arbeiteten bereits heute mit knappen finanziellen Mitteln.

Die LiveKomm fordert deshalb, den Festivalförderfonds dauerhaft mit mindestens vier Millionen Euro auszustatten und die Förderstrukturen für die populäre Musik insgesamt neu auszurichten. Während bei zahlreichen Förderprogrammen gespart werden soll, sieht der Haushaltsentwurf für die Bayreuther Festspiele eine Erhöhung der Bundesmittel vor. Die Förderung soll von rund 4,2 auf etwa 5,3 Millionen Euro steigen.

Darin sieht auch die LiveKomm eine strukturelle Schieflage. „Die großen, institutionell abgesicherten Kultur-Leuchttürme allein sichern keine demokratische Teilhabe. Einen wesentlichen Beitrag leisten jedoch die vielen kleinen Festivals, die mit großem ehrenamtlichem Engagement, minimalen Ressourcen und oft am wirtschaftlichen Limit arbeiten”, so Ordon.

Noch handelt es sich bei den geplanten Kürzungen um einen Entwurf. Im weiteren Haushaltsverfahren kann der Bundestag die vorgesehenen Budgets noch ändern. Während in Deutschland über Kürzungen diskutiert wird, geht Großbritannien den entgegengesetzten Weg. Mit dem Programm „Turn It Up: Our Plan for Music“ stellt die britische Regierung weitere 15 Millionen Pfund für die Musikbranche bereit, verlängert Genehmigungen für Festivals und investiert in Nachwuchsförderung sowie in Infrastruktur.

News

Weiterlesen

Aus FADE wird CONNY: Club in Münster richtet sich neu aus

Nach etwa einem Jahr schließt das FADE in Münster, das vom 538-Kollektiv als reiner Technoclub betrieben wurde. Der Nachfolger CONNY stellt sich musikalisch breiter...

Aus FADE wird CONNY: Club in Münster richtet sich neu aus

Nach etwa einem Jahr schließt das FADE in Münster, das vom 538-Kollektiv als reiner Technoclub betrieben wurde. Der Nachfolger CONNY stellt sich musikalisch breiter...

RAW-Clubs können weitermachen: Bezirk übernimmt verdreifachte Miete

Im August wurde öffentlich, dass der Bezirk das RAW-Gelände von der Kurth-Gruppe für zwei Jahre anmietet, um die Clubs zu erhalten. Nun werden die Konditionen bekannt.

„Hardtekk und Hitlergruß”: Neue Doku zeigt, wie Rechtsextreme die Techno-Szene unterwandern

Der Beitrag des Y-Kollektiv erforscht Rechtsradikalismus in der Hardtekk-Szene. Die Reporter:innen recherchieren undercover auf Partys und Festivals und untersuchen, wie eine Jugendkultur zum Einfallstor des Rechtsextremismus wird.

Neues Album „MDSLKTR” angekündigt: Modeselektor kollaborieren mit Siriusmo, Gudrun Gut und Lars Eidinger

Modeselektor haben ein neues Album aufgenommen. Dafür hat das Berliner Duo alten Ballast abgeworfen und neue Feature-Gäste gewonnen.

Frankfurter Tanzhaus West: Brandanschlag auf CSD-Dekoration

Im Frankfurter Tanzhaus West kam es zu einem Brand, nachdem ein Mann eine CSD-Dekoration anzündete. Die Veranstaltung hatte aber nichts mit dem CSD zu...

City Club Augsburg: Landgericht erklärt Hausdurchsuchung bei Mitarbeiterin für rechtswidrig

Das Landgericht Augsburg hat die Durchsuchung der Wohnung einer Mitarbeiterin des City Clubs im Anschluss an die Razzia Anfang des Jahres für rechtswidrig erklärt.  Rund...

Burning Man: Sheriff bestätigt dritten Todesfall

Kurz vor dem Ende der 40. Ausgabe des Festivals in Black Rock City wurde ein dritter Todesfall gemeldet. Armando Ramirez verstarb nach einem schweren medizinischen Notfall auf dem Weg ins Krankenhaus.

Zum Schutz kleiner Spielstätten: Club-Euro startet bundesweit

Mit der freiwilligen Abgabe sollen große Veranstaltungen kleine Venues unterstützen. Das Pilotprojekt als Köln startet nun bundesweit.

Rick Wade: Detroit-Urgestein erlitt Herzinfarkt

Nach einem schweren Zusammenbruch warnt die Deep-House-Legende vor den Folgen ständiger Überlastung im DJ-Alltag.

RAW-Clubs können weitermachen: Bezirk übernimmt verdreifachte Miete

Im August wurde öffentlich, dass der Bezirk das RAW-Gelände von der Kurth-Gruppe für zwei Jahre anmietet, um die Clubs zu erhalten. Nun werden die Konditionen bekannt.

„Hardtekk und Hitlergruß”: Neue Doku zeigt, wie Rechtsextreme die Techno-Szene unterwandern

Der Beitrag des Y-Kollektiv erforscht Rechtsradikalismus in der Hardtekk-Szene. Die Reporter:innen recherchieren undercover auf Partys und Festivals und untersuchen, wie eine Jugendkultur zum Einfallstor des Rechtsextremismus wird.
Gernot Bronsert und Sebastian Szary sind Modeselektor, hier stehen sie vor einer vollgesprayten Clubtüre.

Neues Album „MDSLKTR” angekündigt: Modeselektor kollaborieren mit Siriusmo, Gudrun Gut und Lars Eidinger

Modeselektor haben ein neues Album aufgenommen. Dafür hat das Berliner Duo alten Ballast abgeworfen und neue Feature-Gäste gewonnen.

Frankfurter Tanzhaus West: Brandanschlag auf CSD-Dekoration

Im Frankfurter Tanzhaus West kam es zu einem Brand, nachdem ein Mann eine CSD-Dekoration anzündete. Die Veranstaltung hatte aber nichts mit dem CSD zu...
Gäste im City Club Augsburg

City Club Augsburg: Landgericht erklärt Hausdurchsuchung bei Mitarbeiterin für rechtswidrig

Das Landgericht Augsburg hat die Durchsuchung der Wohnung einer Mitarbeiterin des City Clubs im Anschluss an die Razzia Anfang des Jahres für rechtswidrig erklärt.  Rund...

Burning Man: Sheriff bestätigt dritten Todesfall

Kurz vor dem Ende der 40. Ausgabe des Festivals in Black Rock City wurde ein dritter Todesfall gemeldet. Armando Ramirez verstarb nach einem schweren medizinischen Notfall auf dem Weg ins Krankenhaus.

Zum Schutz kleiner Spielstätten: Club-Euro startet bundesweit

Mit der freiwilligen Abgabe sollen große Veranstaltungen kleine Venues unterstützen. Das Pilotprojekt als Köln startet nun bundesweit.
Rick Wade an den Decks.

Rick Wade: Detroit-Urgestein erlitt Herzinfarkt

Nach einem schweren Zusammenbruch warnt die Deep-House-Legende vor den Folgen ständiger Überlastung im DJ-Alltag.