Philipp Jung: M.A.N.D.Y-Mitglied unerwartet verstorben

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Philipp Jung ist im Alter von 55 Jahren überraschend an seinem Wohnort in Costa Rica verstorben. Der DJ, Produzent und Labelbetreiber machte sich in den 2000er-Jahren als Teil des House-Duos M.A.N.D.Y. einen Namen; zudem war er Mitbetreiber des Labels Get Physical. In den frühen Zweitausendern prägte er mit Act und Label den damals global erfolgreichen, zugleich reduzierten und emotionalen House-Sound. M.A.N.D.Y.s größter Hit war das gemeinsam mit Booka Shade produzierte „Body Language”.

Philipp Jung (Foto: Presse)

„Seine Freundlichkeit, seine Toleranz und sein soziales Wesen waren seine hervorstechenden Charakterzüge, die ihn bei Freunden, Weggefährten und Kollegen so beliebt gemacht haben. Insbesondere gilt das für die Künstler:innen, die er jahrzehntelang in seiner Position als A&R betreut hat”, teilt Get Physical der GROOVE schriftlich mit.

M.A.N.D.Y als Jugendliche (Foto: Privat/ FAZE)

Philipp Jung wurde am 16. Dezember 1970 geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend im Saarland. Schon als Jugendlicher lernte er seinen späteren M.A.N.D.Y.-Partner Patrick Bodmer auf dem Tennisplatz kennen. „Ich dachte nur: Der Typ ist verrückt genug, um mein Freund zu sein”, erinnerte er sich später. „Also wurden wir Tennispartner. Zur Feier unserer Freundschaft nahmen wir Musikkassetten füreinander auf – von Janis Joplin bis hin zu avanciertem Jazz. Rückblickend war das ziemlich anspruchsvoll.”

M.A.N.D.Y. in den Zweitausendern (Foto: Presse)

Gemeinsam mit Patrick begann Philipp Jung zunächst in der saarländischen Heimat, später in Frankfurt, Partys für den Freundeskreis zu veranstalten. Gleichzeitig durchlief er die alte Schule der Major-Musikindustrie, die ihn nachhaltig prägte. Seine Spezialität war die Funktion des A&R, also die Entdeckung und Betreuung von Künstler:innen. Zunächst war er für Logic Records tätig und arbeitete unter anderem an Veröffentlichungen von Snap!, später wechselte er zum Hip-Hop-Label Jive.

M.A.N.D.Y in den Zehnerjahren (Foto: Get Physical)

Die erste offizielle Plattform von Jung und Bodmer war der Frankfurter Club Monza. Dort verpflichtete Veranstalter und GROOVE-Herausgeber Thomas Koch sie als Residents, wie er der GROOVE am Telefon berichtet. Der Name M.A.N.D.Y. entstand 2001 für einen ersten Remix, 2002 wurde schließlich Get Physical gegründet – ein ambitioniertes House-Label, das vollständig von Künstlern betrieben wurde. Philipp Jung und Patrick Bodmer fanden vier weitere Mitstreiter.

Philipp Jung (Foto: Paul Bozak/ Portada Fiesta)

Zum einen war da Peter Hayo, der von Soundtracks über Bandproduktionen bis hin zur Clubmusik das gesamte stilistische Spektrum beherrschte, das in einem professionellen Studio zuhause ist. Außerdem beteiligten sich Walter Merziger und Arno Kammermeier, die Auftragsproduktionen in der Major-Industrie hinter sich hatten und als Booka Shade eine kreative Häutung durchlebten. Als Letzter kam Thomas Koch hinzu, der nach seiner Zeit als GROOVE-Gründer und Veranstalter zur Musik zurückkehren wollte.

Philipp Jung (Foto: Presse)

M.A.N.D.Y. und Get Physical setzten sich von den minimalistischen und experimentellen Ansätzen eines Steve Bug mit seinem Label Poker Flat oder von Perlon ab. Sie verbanden vergleichbar mit Weggefährten wie Innervisions oder DIYnamic herausragende Studio-Skills mit einer profunden Kenntnis der Pop- und Clubmusikhistorie. Daraus entstand ein eleganter Sound, der gleichermaßen der Geschichte wie der Zukunft zugewandt war und M.A.N.D.Y.  in den 2000er- und 2010er-Jahren zu weltweit gefragten DJs machte.

Nach zahllosen EPs, Remixen und dem Album Double Fantasy trennten sich Jung und Bodmer in den späten 2010er-Jahren. Jung zog als Teil einer Community deutscher Musiker nach Costa Rica und blieb bis zuletzt als DJ und Produzent aktiv.

Philipp Jung hinterlässt seine Freundin, die ein Kind von ihm erwartet.

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