Solomun portraitiert in Memes. Collage von Wilf/ hammerica.com Internet-Communitys und Clubkultur bilden seit Jahren eine fruchtbare Verbindung, die unter anderem in Memes ihren Ausdruck findet. In diesem Jahr wuchs die Techno-Meme-Szene weiter. Sie avancierte zu einem probaten Mittel, um die Kommerzialisierung elektronischer Musik zu kritisieren. Was hat sich da im vergangenen Jahr verändert? Ein Überblick. Memes in der Clubkultur, das ist eigentlich nichts Neues. Zumindest nichts, was im vergangenen Jahr erst auf der Bildfläche aufgetaucht wäre. Von den „starter packs“, die nur dafür gemacht sind, sich über eine solche Nische und ihre zahlreichen Kleinstszenen lustig zu machen, über nerdige Memes über Musikproduktion (das von Four Tet unfreiwillig ins Rollen gebrachte „This is where I recorded and mixed the album and all the gear I used“ zum Beispiel) bis zum Thema Drogen: Die Clubkultur hat die Memekultur bereits vor einigen Jahren mit offenen Armen empfangen. Schließlich bedeuten Memes Spaß, und Spaß gehört zur Kernidentität des Ravens. View this post on Instagram A post shared by BerlinClubMemes (@berlinclubmemes) Dennoch hat sich in diesem Jahr etwas verändert: Memes sind zu einem ernsthaften Ausdrucksmittel für Kritik an der Szene geworden; vor allem an ihrer weltweiten Kommerzialisierung. Nicht, dass sie nicht selbst dazu beigetragen hätte. Die Szene wächst und wächst. Festivals werden zu globalen Marken. Der wirtschaftliche Aspekt scheint zunehmend in den Vordergrund zu rücken. Verkaufsargument bleibt dabei jedoch das Versprechen einer Utopie, auch wenn sie nur eine Nacht lang währt. PLUR – Peace, Love, Unity, Respect – wird gern beschworen, aber nicht immer gelebt. Damit bietet die globale Szene im Jahr 2019 eine große Angriffsfläche für Kritik.  Memes tun das mit (Selbst-)Ironie bis hin zu Häme. Beliebtes Ziel der Parodien sind bekannte DJs, die auf Sozialen Netzwerken fleißig Eigen-PR machen. Damit liefern sie das visuelle Rohmaterial für ein Meme oft direkt mit. Vor allem aber sind manche DJs zu einer Marke geworden, die sich durch ihre konkrete Fassbarkeit umso leichter karikieren lässt. Die geschlossene Facebook-Gruppe „The Worst Techno Memes Ever Group Page“ (kurz: TWTMEGP; mit rund 114.000 Mitgliedern die größte Seite ihrer Art) beispielsweise hat ein Foto von Solomun in Gebetspose als Titelbild. Solomun erfüllt alle Kriterien der Meme-Tauglichkeit: Er ist a) eine Marke, b) ein prominenter Vertreter des Ibiza-Zirkus und taugt somit als Symbolbild der Kommerzialisierung der Szene und ist c) für ausschweifende Afterpartys und somit das Lieblings-Meme-Thema, Drogen, bekannt. Solomun ist das Maskottchen der Gruppe, von ihren Mitgliedern mit einer innigen Hassliebe bedacht. Genau wie das Genre, das er zuweilen spielt: Tech-House. Ein User erstellte im vergangenen Sommer sogar aus unzähligen kleinen Memes ein riesiges Solomun-Porträt. „King of Ibiza and legend of techno memes“, nannte er ihn da.  Meme von Kaity Clowes in TWTMEGP Doch Solomun ist nicht der einzige. Adam Beyer, Amelie Lens, Charlotte de Witte, Nina Kraviz – Künstler*innen, die nicht nur aufgrund ihrer Musik, sondern auch wegen ihres Images polarisieren. Dass das auch mit ihrem Geschlecht zusammenhängt, überrascht wenig. Denn Techno-Memes befinden sich an der Schnittstelle zwischen Internet-Nerds und Techno-Fans – beides überwiegend männliche Communitys. Das plakativste Beispiel sind da wohl die Füße von Nina Kraviz. Nachdem sie mehrere Fotos von sich gepostet hatte, auf dem ihre nackten Füße zu sehen waren, wurden diese fetischisiert und zu einem Witz mit einem arg sexistischen Beigeschmack. Welches weibliche Körperteil wohl als nächstes dran ist? TWTMEGP verurteilt in seinen Gruppenrichtlinien immerhin frauenfeindliche […]

Ab hier geht´s nur mit Abo weiter!

Die GROOVE berichtet seit 1989 über elektronische Musik und Clubkultur. Damit könnte es schon bald vorbei sein, denn auch wir haben als Online-Medium zu kämpfen. Es liegt an dir: Mach’ aus Existenzkampf Zukunftslust und hilf mit, unabhängigem Musikjournalismus eine Perspektive zu geben – und hol’ dir damit massenhaft exklusive Inhalte.

Vorheriger ArtikelMelt Festival 2020: Die erste Line-Up Ankündigung
Nächster Artikeliona – Groove Podcast 235