Ada Kaleh – Chemare Cosmică (R&S)

R&S erweitert seinen vielfältigen Katalog um Chemare Cosmică, dem zweiten Labelrelease von Ada Kaleh. Darin wartet der Rumäne mit einem spacigen und zugleich treibenden Minimalsound auf. Die delaybeladenen Synths auf dem Titeltrack kreieren ein wohliges, dubbiges Motiv, passend für einen unklaren, etwas verballerten Festivalmorgen. Die Verspultheit des Abends wird zwar weitergetragen, doch der sehr organische, klare Groove stillt das Verlangen nach einer Begrenzung der Diffusität. Ganz klar im Vordergrund steht  bei beiden Stücken ein kosmischer Trip, der die Gedanken abschweifen lässt (sehr stark bei “Valea ancestrala”), aber techigen Raum bietet, um wieder tanzend einzusteigen. Insgesamt eine starke EP und ein weiterer Beweis dafür, wie frisch Minimal heute noch klingen kann. Shahin Essam

Cando – Bleak / Sundown (Livity Sound)

Neues aus Bristol: Drei Tracks, die mal wieder ganz, ganz tief den Bass einatmen. Nach Batu, Bruce, Hodge und Forest Drive West ist es diesmal das Duo Cando, welches auf Livity Sounds Reverse-Serie ihr Debüt gibt. Und das in gewohnter Bristol Bass-Qualität. Zwei Dancefloor-Tracks, die Rhythmen, welche sowohl swingend als auch technoid angetanzt kommen, mit mystischen Melodien verbinden. Und als Bonus gibt es „Bleak“ noch in extrem verlangsamter, aufs Grundgerüst skelettierter Dub-Version. Tim Lorenz

James Shinra – Signs / Arc (Feel My Bicep)

James Shinra – Signs / Arc (Feel My Bicep)

Mit seinen EPs für Analogical Force und null+void Recordings hat der britische Producer James Shinra (bürgerlich heißt er James Clarke) vor drei, vier Jahren für enormes Aufhorchen gesorgt – nach wie vor werden auf Discogs dafür Mondpreise aufgerufen. Auch mit seinem zwischen Electro und IDM pendelnden Album Vital Heat spielte Shinra in einer eigenen Liga. Seine beiden Tracks für Feel My Bicep sind etwas housiger, aber nicht weniger sensationell ausgefallen: „Signs“ schreit nach einem Mix mit Fatima Yamahas Überhit „What’s A Girl to Do“, „Arc“ klingt wie ein vergessenes Italo-Instrumental. Vintage, aber nicht retro, wofür auch der raffiniert eingebrachte Acid-Twist sorgt. Im Gegensatz zu Benjamin Damage („Arc“) kann man sich John Beltran („Signs“) als passenden Remixer hierfür zwar prinzipiell gut vorstellen, allein: Dem Vergleich mit dem Original vermag auch seine Version nicht standzuhalten. Harry Schmidt

Martyn – Odds Against Us (Ostgut Ton)

Es war einschneidend für Martyn – durch einen Herzstillstand hatte er eine Nahtoderfahrung. Er zog die Konsequenz, es langsamer angehen zu lassen im Leben, nicht aber musikalisch. Das 2018 erschienene Album Voids war in der Folge vielschichtig, eindringlich und strahlte dabei eine tiefe Ruhe aus. Es war der Beginn einer Neuausrichtung. Seitdem knüpft Martyn an seine Anfänge an: an Techno und an Breakbeats – UK Garage, Jungle und Dubstep. Diese Koordinaten transportiert er auch auf seiner neuen EP ins Jetzt, macht die Tracks auf Odds Against Us zu dichten, wirbelnden Soundschwaden, in denen warme Farben aufleuchten. Piano-Klänge treffen auf Reese-Bässe, strahlende Synths entfalten sich mit Hall und Echo über Hochgeschwindigkeits-Breaks. Ein kurzes Sample aus Vocals und 4/4-Kicks taucht wie eine kleine Reminiszenz an (US-)Garage auf und macht eine transatlantische Linie der Hardcore-Geschichte hörbar. Ein Bewusstsein von Vergänglichkeit im persönlichen Leben und darüber hinaus macht die Musik von Martyn so besonders und so gegenwärtig. Philipp Weichenrieder

Newa – Klockworks 25 (Klockworks)

Tik Tok, Tik Tok. Wie schnell die Zeit vergeht. Klockworks, das Label des Ostgut Ton-Aushängeschilds Ben Klock, wird 25 Releases alt. Dass hierfür drei Tracks der jungen und (noch) relativ unbekannten georgischen Künstlerin Newa ausgewählt wurden, unterstreicht Klocks kompromisslose Selektion als Label-Head. Schön, dass er – vielleicht gerade aufgrund seiner Bekanntheit – über den Tellerrand blickt und auf große Namen wenig gibt. Newa selbst ist Resident-DJ im berüchtigten Bassiani, dem Club, der von vielen liebevoll als georgisches Berghain bezeichnet wird. Dort spielt sie eklektische und gefühlvolle Sets, bei denen die Hörer*Innen nie erahnen können, was als nächstes kommt. Liegt vielleicht an ihrer klassischen Musikausbildung, die ihr einen für die Szene unüblichen und erfrischenden Blickwinkel ermöglicht. Diese unkonventionelle Herangehensweise prägt auch diese Veröffentlichung. Perkussiv, hypnotisch und unvorhersehbar geht es bei ihr zur Sache. „Arca 23” beginnt als reduziert verträumter 6 Uhr morgens-Ritt, und gerade als man sich der Sache (zu) sicher ist, bricht sie das Thema und morpht das Ganze in einen feinen Acid-Schieber, der sich gewaschen hat. Auch die beiden anderen Stücke funktionieren nach diesem Prinzip. Genau im richtigen Moment dreht sie ihre Tracks auf links und verliert dennoch nie den roten Faden. Expect the unexpected. Andreas Cevatli