5. Denise Rabe – The Frogs Pick a King (Rabe)

In den letzten Jahren hat sich in Berlin eine neue Generation von Produzent*innen etabliert, deren Techno-Ansatz vielleicht als Post-Dystopian bezeichnet werden könnte. Denise Rabe nimmt in ihrem einerseits melodiösen, andererseits düsteren Soundentwurf, der nicht selten über die Grenzen von Dancefloor-Geschossenheit hinaus geht, viel von der Slickness und Ästhetik der Dystopian-Crew um Rødhåd und andere mit, gibt dem aber einen hoffnungsvolleren und nicht selten naturmystisch untermauerten Anstrich. So auch auf The Frogs Pick a King, ihrer neuen EP auf dem eigenen Rabe-Imprint. In den zwei Original-Tracks „Another Day“ und „Lucy’s Dream“ wird das Viervierteldiktat mit cleverem Percussioneinsatz umgangen und atmosphärischen, nicht aber esoterischen Klangspielereien ausstaffiert. Remixe zu „Lucy’s Dream“ kommen von Orphx und Nur Jaber, die dem Stück jeweils eine roughe Hardware-Patina verpassen beziehungsweise ihm noch mehr Raum beziehungsweise trancig angehauchte, leicht übertrieben Flächen verpassen.

4. Stephanie Sykes – Interference (Animal Farm)

Stephanie Sykes hat sich mit ihrem emotionalen, wuchtigen Stil in den letzten Jahren zur gefragten DJ für die dunkelsten Techno-Floors Europas hochgespielt, Releases der deutschen Produzentin bleiben weiterhin eine Seltenheit. Mit Interference landet die im UK ansässige Sykes nun beim Glasgower Label Animal Farm, auf deren Veranstaltungen sie bereits hinter den Decks stand. Der Titeltrack „Interference“ moduliert geschickt zwischen satten und doch unterkühlten Flächen und unbarmherziger Kick hin und her, „On The Other Side“ gibt sich als von DJ Stingray beeinflusster Electro-Cut enorm retrofuturistisch und der „Interference“-Remix von Janice erinnert in seiner maximalistischen Sprödigkeit doch glatt an alte Speicher-12″s. Ein abwechslungsreiches Paket, das auf dem Floor absolute Dunkelheit verlangt.

3. Diego Krause – Trial & Error (Unison Wax)

Diego Krauses Produktivität ist beinahe schon beängstigend. Mit Trail & Error liefert der Berliner House-Heroe seine mittlerweile vierte Single in diesem Jahr ab und kehrt dafür auf sein eigenes Unison Wax-Imprint zurück. Zu hören gibt vier Grooves, deren Tightness sich für peak-getimte Ausdauersets empfehlen und die Krause-like von allerhand ornamentalen Klangereignissen umspielt werden. Als Stabs gesetzt Vocalfetzen, polternde Basssounds, warme Dub-Chords oder rumorende Sequenzen: Das passt also offensichtlich doch noch zwischen diese luftdicht verpackten Rhythmen. Schaffen auch die wenigsten, dafür aber haben wir ja schon Diego Krause. Der kann gerne weiterhin so produktiv sein und für Berliner House die Fahne hoch halten.

2. Isabella – Whistle (Peder Mannerfelt Produktion)

Bei ihrem Set auf dem Strøm-Festival in Kopenhagen in diesem August spielte Isabella bisweilen so laut, dass nicht wenige entweder zum Tontechniker rannten oder gleich das umfunktionierte Warehouse verließen. Dass ihre EP Whistle für das Label von Peder Mannerfelt mit süßlichen New Age-Tönen anfängt, scheint nach dieser Erfahrung zuerst ironisch. Allerdings handelt es sich auch schlicht um eine Finte: Der Ton wird strenger, der Bass wilder und schon mit dem zweiten Stück von Whistle bollert die Kickdrum gnadenlos los. Mit „Penchant“ und „Vein“ sowie den labyrinthischen Rhymthen von „Residual“ präsentiert Isabella einen extremen Techno-Entwurf, der viel lässiges Understatement mit gehetzter Euphorie vereint. Eine der kuriosesten Techno-Platten der Saison.

1. Kasper Marott – Keflavik (Seilenscheibenpfeiler)

Es hätte bis vor Kurzem wohl niemand vermutet, dass wir einen von Italo Disco-angehauchten Techno-Entwurf wirklich nötig haben. Dann aber kam Kasper Marott quasi aus dem Nichts und landete auf Seilscheibenpfeiler, dem neuen alten Label von Modeselektors Sebastian Szary, das sich auf Produktionen von jungen Artists spezialisiert hat. Keflavik versprüht über drei Tracks eine bestechend gude Laune und wirft die Frage auf, was wohl der Typ aus Todd Terjes Inspector Norse-Mockumentary wohl aktuell so treibt. Die Vorstellung, wie er entweder zu den irrwitzigen Tönen des Titelstücks oder den an Detroit-Techno und -Electro orientierten Tracks auf der Flip im heimischen Garten den Herbst begrüßt, fällt zumindest dankenswert einfach. Drei unwahrscheinliche Hits zum Preis von einen, wer hätte das vermutet.

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