5. Ambivalent & Alden Tyrell – Wallfall (Cocoon)

Mit Veröffentlichungen auf Labels wie M_nus, Ovum und Plus 8 hat sich der US-amerikanische Producer Kevin McHugh als Ambivalent einen guten Ruf verschafft. Für seine zweite EP auf Cocoon hat er sich mit den niederländischen Producer Martijn Hoogendijk, besser bekannt als Alden Tyrell zusammengetan, der im Clone-Universum die Position eines Fixsterns der größten Leuchtklasse einnimmt. Ihr „Wallfall“ besteht in einer Kulmination raviger Synthstabs, während die beiden A-Seiten-Tracks Industrial mit Dub-Techno kreuzen, „Detente“ in tribaler Absicht, „Dutchless“ posthumanoid-mechanistischer. (Harry Schmidt)

4. Perfect Strangers Vol. 1 (Disco Halal)

Idealerweise können in Clubs Fremde zu Freund*innen werden. Für die EP Perfect Strangers Vol. 1 von Disco Halal hat Labelchef Moscoman vier Tracks von vier Artists ausgewählt, die potenziell der Gemeinschaftseuphorie auf die Sprünge helfen können. Überraschend konsistent und trotzdem nicht gleichförmig stimmen die durchweg tanzbaren, von präsenten 4/4-Kicks angetriebenen Tracks leicht psychedelische Klänge an. Neben Synthesizer-Loops und Drum-Machine-Rhythmen bauen Mount Kismet, The Organism, Soft Metal und Kincaid auch Samples mit Flöten-, Oud-Klängen und Vocals in ihre Tracks ein. (Philipp Weichenrieder)

3. Fadi Mohem – Reinforced EP (Seilscheibenpfeiler)

Dieses gelungene Debüt von Fadi Mohem aus Berlin auf dem neuen (alten) Label von Modeselektor wird von Mohems gutem Gespür für die Grooves und seiner klaren, effektarmen Produktion getragen. Die wütenden Claps, die punkige Snaredrum, die zackige Bassdrum und das fauchenden Riff von „Moving On“ erinnern an Underground Resistance. „Reinforced“ presst eine Breakbeat in einen gradlinigen Groove und entwickelt dabei die explosive Energie mancher Tracks von Surgeon und das Insistieren von Dax J. „RS-290“ lässt einen dubbigen Sound crisp und präsent klingen. Bei „Horus“ verabschiedet sich Mohem mit einem scharrenden, grüblerischen Groove und einer fernen Fanfare mit einem emotionalen, sehnsüchtigen Moment. (Alexis Waltz)

2. Setaoc Mass – Flying Machine (Figure)

Viel ist über Setaoc Mass nicht bekannt, viel zu wissen gibt es über den in Manchester ansässigen Briten wohl aber auch nicht. Hauptsache, es knallt. Das tut es regelmäßig, ob nun im Verbund mit Cleric und Matrixxman oder solo. „Flying Machine“ ist die vierte EP des Produzenten für Figure und stellt zwei Ambient-Exkursionen mit kosmischem Anstrich neben drei ultraeffektive Techno-Bretter, die von ihrem ausdefinierten Sounddesign leben. Das knallt erneut, ist aber sehr vielschichtig und trotz seiner klaren Neunziger-Referenzen unbedingt zeitgemäß. Da braucht es nicht mehr Hintergrundwissen. (Kristoffer Cornils)

1. Desert Sound Colony – Fast Life (Touch From A Distance)

Liam Wachs alias Desert Sound Colony betreibt in London Holding Hands Records, wo er auch die ersten beiden EPs unter diesem Pseudonym veröffentlicht hat, und nun gebührt ihm die Ehre von Katalognummer eins auf Nick Höppners neuem Label Touch From A Distance. Und er nützt diese Chance und erweitert sein ohnehin schon weit gespanntes Klangspektrum nochmals, vor allem in Richtung Humor und Knalligkeit. Viele Sounds erinnern an alte Videogames und Comic-Soundtracks, aber auch an frühe Warp-Acts und Dance-Pop-Acts wie Deee-Lite. Perfekter Einstand! (Mathias Schaffhäuser)