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Die Platten der Woche mit Arkajo, aya, The Exaltics, LUXE & Angel D’lite und T Goldsmith

Arkajo – Entwine / Signature (Arkajo)

Ein Fest, ja, ein Rausch der Ausgewogenheit! Was Gleichgewicht hält, hat ja üblicherweise etwas Wohltemperiertes, Gesetztes, 17-Grad-plus-Mäßiges. Dagegen liefert Arkajo mit der fünften Veröffentlichung auf seinem eigenen Label die beinahe perfekte EP: zwei bewegende Stücke zum Eintauchen in meisterhafter Perfektion produziert. Und die Remixe von Polygonia und Konduku halten diese Präzision.

Mit „Entwine” legt der Göteborger Produzent ein Perpetuum Mobile an: setzt ein mittendrin im Beat, entwickelt eine gleitende Bewegung aus Bassdrum und Key-Girlanden, setzt mal den Beat aus, nur um später den Bass flöten zu lassen. Die Münchner Künstlerin und Labelbetreiberin Polygonia beschleunigt das Tempo, gibt dem Stück mehr Kontrast, belässt es aber bei der Endlos-Dramaturgie.

Mit „Signature” geht ein Ding für den Dancefloor in den Ring. Mächtig gebrochene Beats mit sagenhaftem Schub pushen noch die Erschöpften. Sie fühlen den Swing und werden sich hinterher fragen, wie es ihnen hiermit erging. Ähnlich verstanden hat Konduku den Track. Der in Berlin lebende Niederländer Ruben Üvez checkt: es braucht nur eine ins Delay gegossene Key-Wolke in den mittleren Frequenzen und einen kleinen Dreh in der Beat-Alchemie, und schon klingt „Signature” wie ein zeitgemäßes Four To-The-Floor-Monument. Wahrlich ein Fest. Christoph Braun

aya – Lip Flip (YCO)

aya. Auch so eine Producerin, die sich nix und vielleicht die einzige, die sich wirklich gar nix scheißt. Bühne, Show, alles hamma. So ein bisschen wie DJ Marcelle in Hot Coutür! Und das letzte Hole in One auf Hyperdub sollte uns allen noch in guter Erinnerung sein. Wem nicht: egal! Hier vier verrückte Nachfolger zum Preis von drei – und wenn Sie gleich anrufen, gibt’s dieses absolut ansehnliche Coverartwork noch oben drauf.

Ja, gut. Das vielleicht nicht. Aber die Tracks: Halleluja! Zappeln herum und schenken Grime und Footwork und dem ganzen Bums ein schönes, neues Zuhause. Ach ja, Surgeon gefällt es auch, vor allem „Dexxy Is A Midnight Runner”, sagt er ja selbst. Kein grobes Wunder. Das ist schon so etwas, das, ich sag’ mal, ganz für sich allein stehen kann. Also, ernsthaft. Wer klingt denn sonst noch so wie aya? Fiele mir noch LOFT ein. Und das ist aber auch nur gegoogelt. Außerdem steht da, das war aya vor ein paar Jahren. Macht natürlich Sinn, jetzt, wo man’s weiß. Mir fehlt hier jedenfalls das weitere Wort, kann man nicht beschreiben. Lip Flip muss man einfach hören. Christoph Benkeser

The Exaltics – It Never Ends (Repetitive Rhythm Research)

Ein sehr guter Beat kann im besten Fall ewig oder zumindest sehr lange laufen. Auf dem Clone-Sublabel Repetitive Rhythm Research veröffentlicht The Exaltics nun eine EP mit vier Tracks, die jeweils einen fetten, eindringlichen Beat zur Grundlage haben.

Der Titeltrack endet zwar, seine wummsende, verzerrte Bassdrum und die vereinzelt eingesprenkelten, eine mysteriöse Thriller-Atmosphäre erschaffenden Keys sowie die folgenden nautisch anmutenden Töne laden ein, einfach bei „It Never Ends” zu bleiben und diesen immer wieder zu hören. 2020 erschien Dimensional Shifting, die Zusammenarbeit mit Heinrich Mueller, seines Zeichens ein Teil der Monster-Formation Drexciya. Später folgte ein Get-Together mit DJ Stingray. Wenig überraschend, dass der Unterwasser-Einfluss sich bemerkbar macht: „Hammerheads From Outta Space”. Wieder wird man von einem dump-stumpfen Beat mitgenommen und von Synths mit einem Biss wie Haifischzähne angegriffen. „Corroded (from the future)” demonstriert eine Acid-Seite, der hintergründige Bass-Beat und das kräuselige Gezirpe klingen dystopisch, eher nach space als sea, in der Wirkung aber ähnlich einnehmend. „Dumb” ist ein 303-Knaller, der so Four-To-The-Floor hämmert und anzieht wie ein Dampfer. Roh, aber oho! Lutz Vössing

LUXE & Angel D’lite – Enchanted EP (Goddezz)

Mit einem dicken Paket gehen LUXE und Angel D’lite auf Goddezz an den Start. Zum einen wäre da jeweils ein Original-Track der beiden Produzentinnen, „Dance Enchantress” und „Cloud 69”, den sie gegenseitig remixen. Ersterer ist dabei im Original eine angetrancete Rave-Bombe, der zweite ein schwelgerisch-melancholischer Breakbeat-Tune. Im Umkehrschluss wird die Melancholie mit rasender Geschwindigkeit weggetanzt, die Rave-Bombe zum treibenden Prog-House umgedeutet.

Diese vier Stücke allein würden schon eine Top-EP ergeben. Doch dabei bleibt es nicht, folgen doch noch vier weitere Remixe. Baraka drosselt die Breakbeats von „Cloud 69” noch weiter herunter, sodass ein balearisch angehauchter Afterhour-Track entsteht. FAFF steuert einen hypnotisch-progressiven Bass-Knaller bei. Auch bei Local Groups Version von „Cloud 69”, House in Drum’n’Bass-Soundästhetik, sind die Neunziger-Reminiszenzen nicht zu überhören. Und mit Mabels fröhlich rollender Interpretation von „Dance Enchantress”, angesiedelt irgendwo zwischen Progressive House und mutiertem Eurodance, endet die EP in würdiger Euphorie. Tim Lorenz

T Goldsmith – Antimeta (Drut)

Auch wenn man sagen mag, das tue nichts zur Musik, könnte man Produzenten öfter für gelungene Titel loben. Bei T Goldsmith bietet sich das an: „I’ll Look Cute in the Morning” ist, ebenso wie „Just Because You Can Doesn’t Mean You Should”, schon mal einigermaßen entwaffnend. Die Drum’n’Bass-Variationen, die der Londoner unter diesen Namen durchspielt, haben zudem den Reiz, dass sie sich einerseits traditionsbewusst geben, ohne Amen-Break geht es halt nicht , die restlichen Elemente andererseits wenig genreroutiniert daherkommen. Da wären zum Beispiel die verträumten, sämigen House-Akkorde im ersten Track, die tröpfelnd perkussiven Regenwaldsounds in der nächsten Nummer oder die motorisch grundierten Billigorgelklänge mit Gruß in Richtung Stereolab noch eine Station weiter. Zum Abschluss treffen Breaks auf Ambient. Worauf T Goldsmith jetzt zwar kein Copyright anmelden kann, doch haben die leicht wehmütigen Glissandi über verzerrtem Bass ihren ganz eigenen Charme. Tim Caspar Boehme

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