5. T.Raumschmiere / Reinhard Voigt – Speicher 104 (Kompakt Extra)

Das mysteriöse, collageartige „3 Millionen Kölsch“ von Reinhard Voigt beginnt mit einer tippenden Bassdrum und einem langsam anschwellenden Soundscape, das nach kaum mehr als einem gigantischen Hallraum klingt. In diese unheimliche Stimmung bricht eine bedingungslos pulsierende Industrial-Bassline, und später werden auf einem Cello zwei bedeutungsschwangere Töne angeschlagen. „Augen Zu“ von T.Raumschmiere erinnert mit seinem hämmernden, aufgekratzten Synth und dem dramatischen, eindringlichen Vocal an DAF und die Neue Deutsche Welle. T.Raumschmiere klingt dabei ähnlich ernst und etwas verstört wie der Kollege auf der anderen Seite der Platte. (Alexis Waltz)

4. Artefakt – Falling Into The Light (Delsin)

„Falling Into Light“ von Artefakt wird von zwei Acidpattern und einer elegischen Streicherfigur getragen, die nicht wirklich eine Beziehung zueinander entwickeln. Das ebenso schwer nachzuvollziehende „Weltformel“ verbindet einen schmetternden Downbeat mit einer einsamen, entrückten Fläche. Toll ist aber „Blue Hour“. Dessen unterdrückter, spröder, vernarbter Breakbeat erzeugt eine außergewöhnliche Spannung. In diesen Groove weben Nick Lapien und Robin Koek eine kryptische Acidfigur ein, die zusammen mit den scharrenden Sounds aus Ricardo Villalobos’ „Termiten“-Phase eine sehr subtile, trippige Psychedelik entstehen lässt. (Alexis Waltz)

3. Trux – Untitled (Office)

Wer sich hinter Trux verbirgt, bleibt weiterhin ungeklärt. Anhand dieses nunmehr dritten Release kann man den Eindruck gewinnen, dass der Projektname vielleicht einfach zwischen verschiedenen Produzent*innen hin- und hergereicht wird. Denn wo zuletzt noch akustische Seltsamkeiten geloopt und von wilden Breakbeat-Ausbrüchen durchkreuzt wurden, waltet auf den vier neuesten Tracks fast Traumprinz-hafte Rave-Nostalgie sowie verwaschene Melancholie Burial’schen Ausmaßes. Dazu gibt es Mixe von Lowtec und O$VMV$M, die das Ausgangsmaterial behutsam (aber bestimmt) in Richtung Dancefloor schieben. (Christian Blumberg)

2. Lucy – Tarkomania (Stroboscopic Artefacts Totem)

Stroboscopic Artefacts‘ Totem-Serie erscheint als durchsichtiges 10-Inch-Vinyl. Die erste Katalognummer widmet Lucy dem Filmemacher Andrei Tarkowski. Zu einem äußerst gelassenen, gebreakten Technogroove sampelt Lucy den zentralen Monolog aus dessen Film Stalker: Eine Gruppe von Männern muss auf einer Expedition in eine verbotene Zone begreifen, dass sie dieser Ort mit ihren tiefsten Ängsten und Wünschen konfrontiert. In dem Monolog, den Lucy verwendet, spricht ein Schriftsteller davon, wie ihn die Welt überwältigt hat, die er eigentlich befruchten wollte. Mit der ihm eigenen Offenheit erschafft Lucy einen Resonanzraum für diesen großen Schmerz. (Alexis Waltz)

1. SMKMCHN#01 (Smoke Machine)

Seit 2009 repräsentiert Smoke Machine die urbane Subkultur und Techno-Szene Taiwans. Mit dem jährlich abgehaltenen Organik-Festival an der Ostküste des Landes beschreiten sie ähnlich unkonventionelle Wege wie etwa das deutsche Nachtdigital. Das nun ins Leben gerufene Label des Konglomerates trägt den Gedanken weiter und präsentiert eine Auswahl des nerdigen Bookings. Der Tenor der Platte liegt in sphärisch vertracktem Techno. Gewinner ist die A-Seite um Blind Observatory und Dorisburg. Ersterer glänzt mit intelligenten 90s-Trance und IDM, während letzterer mit Dub-Referenzen spielt. (Felix Hüther)

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