Hunee – Hunchin’ All Night (Rush Hour)

Mit Hunch Music war Hunee einer der großen Gewinner von 2015. So ungezwungen wie selbstverständlich kamen auf seinem bei Rush Hour erschienenen Debütalbum Deep House, New Age, World, Spiritual Jazz und Afro-Beats zusammen. Dass nun mit Hunchin’ All Night auch der erste komplett von Hunee verantwortete DJ-Mix auf dem Qualitätslabel des gleichnamigen Plattenladens aus Amsterdam erscheint, ist naheliegend, zumal der in Bochum aufgewachsene Südkoreaner nach Stationen in Berlin und Los Angeles seit 2014 in der niederländischen Metropole lebt.

„Hunch“ übersetzt sich mit Ahnung: Diese hat sich Hunee unter anderem als Schallplatten-Verkäufer in der Berliner Tonträger-Institution Soul Trade erworben, mit seinen seit 2009 entstehenden Tracks reüssierte er auf so unterschiedlichen, gleichwohl höchst renommierten Labels wie W.T. Records, Internasjonal, Ostgut Ton und Dekmantel. Genau in seinem genreübergreifenden Zugriff besteht auch Hunees Originalität als DJ. Wer würde sonst auf die Idee kommen, in einem Set so disparate Tracks wie Carlos Maria Trindades meditatives, nach balinesischem Gamelanorchester klingendes Flöten- und Percussion-Meisterwerk „Blu Terra“ vom Album Mr. Wollogallu, 1991 beim kleinen portugiesischen Label União Lisboa veröffentlicht und heute für dreistellige Beträge gehandelt, und das ungefähr zur selben Zeit entstandene „Without A Sound“ von Kenny Larkins Techno-Projekt Dark Comedy zu droppen, die hier am Beginn und am Ende dieses bestechenden Mixes stehen. Trindade als Auftakt, Larkin zum Ausklang.

Dazwischen öffnet Hunee sein Case und gestattet einen Blick auf die darin befindlichen Kostbarkeiten – der DJ-Koffer als Wundertüte. Die zentrale Instanz seiner Selection heißt Funk, wofür auf Hunchin’ All Night der Blick vielfach nicht auf Amerika, sondern in erster Linie auf Afrika gerichtet ist, sei es Westafrika wie bei „Komya Hondo“ von Boncana Maïga oder im Fall von Pat Thomas’ „Yesu San Bra: Disco Hi-Life“. Oder sei es Südafrika wie mit dem nach Michael Jackson klingenden „Stage Of Love“ von Don Laka oder Äthiopien, wo Bill Laswell den postmodernistischen Tune „Akal Akal“ aufgetrieben und auf seinem Label veröffentlicht hat. Mit den Black Beat Niks ist ein Frühwerk von Ron Trent vertreten – „Ritual Of Love“ wurde 1992 vom Chicagoer Imprint Clubhouse Records veröffentlicht, ähnliches gilt für Larry Heards „Burning 4 You“, das zwei Jahre später auf dem Album Black Oceans bei Black Market erschien. Diesen kleinen Deep-House-Kern inmitten der Compilation bricht Hunee dann aber mit dem techigen „Made On Coffee & Wine“ von Villa Abo, 1997 auf dem schwedischen Label Börft erschienen, und seinem eigenen Edit von „Trance Fusion“ der New-Beat-Formation Mappa Mundi umgehend wieder auf.

Auch wenn die Gegenwart über der historischen Perspektive von Hunchin’ All Night eine Leerstelle bleibt, unterstreicht der Mix doch eines ganz klar: Hunee ist einer der wenigen DJs, denen man bedingungslos vertrauen kann. Als Triple-LP zudem fast schon von enzyklopädischem Interesse.


Stream: Hunee – Hunchin‘ All Night

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