Jeden Tag werden DJ-Mixe ins Netz geladen. Manche sind besser, manche sind schlechter und nur wenige werden uns jahrelang begleiten. Jeden Monat sucht das Groove-Team die fünf besten des vorangegangenen Monats aus, präsentiert in alphabetischer Reihenfolge. Diesen Monat mit Burnt Friedmans aktuellen Lieblingen, Heaps dunkelbunter Stilmischung für Digital Tsunami, Laurent Garniers Wohnzimmervibes, Midlands Soundtrack für eine Video-Installation und Violets furiosem Room 4 Resistance-Set vor Jahresende. Und wer danach noch nicht genug hat, schaut einfach mal beim Groove-Podcast vorbei.

5. Burnt Friedman – XLR8R Podcast 524

„Ich benutze einen oder zwei Schallplattenspieler mit variierender Geschwindigkeitskontrolle“, frotzelt Burnt Friedman im lesenswerten Interview mit dem Online-Magazin XLR8R hinsichtlich der Aufnahme seines Beitrags zur hauseigenen Mix-Serie. „Die Rillen im Vinyl verwandeln sich auf einem technischen Gerät, das ich irriger Weise ‚Pro Fools‘ nenne, mysteriöser Weise in Wellenformabbilder verschiedener Größe und Farbe.“ Klingt jetzt erstmal mystisch, ist es aber natürlich nicht. Das heißt, zumindest die Musik hat was Magisches,.

Friedmans eigenwillige Zusammenstellung von Jazz, Soul und allerhand Musik, die bei Hardwax in der „Outnational“-Ecke zu finden wäre, ist ebenso spektakulär wie entspannt. Der Mix speist sich aus aktuellen Favoriten, die neben Klassikern aus Miles Davis‘ elektronischer Schaffensphase oder Curtis Mayfield und traditionellen javanischen Chants auch selten gehörte, spannende Musik wie von dem Jaki Liebezeit-Projekt Phantom Band oder Asmus Tietchens Hematic Sunsets-Projekt (schöner Titel: „Bitte, Ficken Sie Mit Mir“) umfasst. Dazu gesellen sich Produktionen von Don’t DJ und dem Morphine-Act Tarawangsawelas. Eine mehr als einladende Bandbreite mit Trance-Garantie. Mit bestem Dank an Pro Fools! (Kristoffer Cornils)

4. Heap – Digital Tsunami 141

Heap ist vieles. Er ist nicht nur Mitbegründer der Label Neubau und Wiener Brut, sondern betreibt daneben noch den Online-Shop Discus Throwers, der sich auf aus dem Untergrund herausragende Releases spezialisiert. Darüber hinaus tritt er auch als DJ und Produzent in Erscheinung. Nachdem seine erste Platte, für die er mit Mr. Ho von Klasse Recordings kollaborierte, auf ESP Institute veröffentlicht wurde, erschien kürzlich sein neuester, vielversprechender Output The Brasserie Heroique Edits Part 5 auf Berceuse Heroique, auf der Techno und Trance fusionieren.

Wie man es von ihm erwartet, beweist er Heap, der bürgerlich Florian Stöffelbauer heißt, als DJ ein feines Gespür für Musik, die wohl selektiert ist. Sein Mix für Digital Tsunami ist nicht nur bis ins Detail hörenswert, er gibt eine schöne Einsicht in seinen Stil als DJ: Saubere Übergänge, die ausdrucksstarke und vielfältige Tracks aus Genres wie Dub, Elektro oder Trance, kohärent miteinander vereint. Er empfiehlt sich auch deshalb für den Titel „Mix des Monats“, weil er sich bedächtig von hinten anschleicht und dann auf eine unaufdringliche, aber fetzende Art und Weise für Boom-Effekte sorgt. Zwei Soundcloud-User fassen es perfekt zusammen: „ace and insane mix“. (Franziska Finkenstein)

3. Laurent Garnier – Na Manteiga 141

Es ist ja alles andere als selbstverständlich, dass ein alter Hase wie Laurent Garnier nach gefühlt zwei Jahrhunderten im Rampenlicht immer noch so viel Eleganz und Leidenschaft an den Tag legt. Sein Besuch beim Radiosender Na Manteiga in São Paulo allerdings zeigt den Mann mit dem roten Gesicht trotz des regen Treibens um ihn herum völlig in die Musik versunken, die er ohne viel Effekthascherei aneinander reiht.

Jim James‘ „State Of The Art (A.E.I.O.U)“, psychedelischer Midtempo-Rock, ein bisschen Samba, discoide Untertöne, gospeliger House und ein besinnlich-klassischer Rausschmeisser: Garnier bringt mehr zusammen, als ähnlich verdienstvolle DJs in ihrer gesamten Karriere auflegen. Was für die Track-ID-Crowd, was für die Otto-Normal-Hörerschaft, was für die Seele. Kann halt nur Garnier, auch nach gefühlten zwei Jahrhunderten. Nicht nur hörens-, sondern auch sehenswert, wie der große Franzose die Musik miterlebt, die er da aneinander fädelt. (Kristoffer Cornils)

2. Midland – Monolithic 001.8

Der 60-minütige Mix des Briten Harry Agius alias Midland ist Teil einer Serie von Mixen, die Musiker wie Daniel Avery, Axel Boman oder Tobias. für eine audiovisuelle Installation namens Monolithic zusammengestellt haben, die aus 5376 LED bestand und im letzten Jahr in Bristol gezeigt wurde.

Clubbeats gibt es hier nicht zu hören, dafür eine kenntnisreich zusammengestellte, traumwandlerische Mischung aus Soundscapes, Ambient, Pianomusic mit Spoken Word-Zwischenspielen und ätherischen Vocaltracks. Die KünstlerInnen deren Stücke Midland hier miteinander verbindet sind so unterschiedlich wie Arthur Russell, Mark Pritchard, Mark Hollis von Talk Talk, Suzanne Kraft oder Carla Dal Forno. Den Mix sieht Midland als Soundtrack zu seiner Lieblingstageszeit, von vier bis fünf Uhr morgen, „während die Stadt schläft“. Nächsten Monat started Midland auch sein neues Label Intergraded, auf dem er Musik anderer ProduzentInnen veröffentlichen möchte. (Heiko Hoffmann)

1. Violet @ Room 4 Resistance – ://about blank – 29.12.2017

Die Tracks der New Yorker Rapperin Cardi B waren, allem voran ihr Überhit „Bodak Yellow“, im letzten Jahr noch in jedem Club zu hören. Solange in diesen Clubs Hip Hop auf dem Programm stand, heißt das, denn auf dem House-Floor waren sie selten zu hören. Gleich zwei Ausnahmen waren Ende Dezember in Berlin zu erleben. The Black Madonna stürzte am 31.12. die Panorama Bar zur Mittagsschicht mit einem Edit von Cardi Bs Durchbruchssingle in feurigen Unglauben und etwas mehr als 24 Stunden vorher schmuggelte die Portugiesin Violet das 21 Savage-Feature „Bartier Cardi“ zwischen Grime-inspirierten Dubstep und einen furios-verträumten Breakbeat-Track.

Violets Set auf der Room 4 Resistance-Jahresabschlussparty im ://about:blank nimmt seinen Anfang allerdings mit bleepigen Oldschool-Sounds und Acid House, der die 303 voll aufdrehte. Zwischendurch: psychedelische Drum-Workouts, discoide Vibes und paranoide Belgien-Anleihen. Dass Claro Intelectos unsterblicher Crossover-Evergreen „Peace Of Mind“ da den Schluss markiert, ergibt also nur Sinn. Ein in jeder Hinsicht abenteuerlicher Mix, der gleichermaßen spontan wie auskennerisch zusammenführt, was auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammengehört und das perfekt meistert. Bravo! (Kristoffer Cornils)

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