2000 feierte er seine Rückkehr in die Szene mit einem großen Rave namens „Resurrection“, ein Jahr später folgte „Ascension“. 2003 verabschiedete der US-Kongress den „R.A.V.E. Act“, als Konsequenz waren fortan nicht nur die Drogen illegal, sondern mehr oder weniger alles, was mit Rave-Kultur zu tun hatte. So verlagerte sich die Szene von den Lagerhallen in die Clubs. „Da war die Musik weniger riskant, weniger aggressiv, eher minimal und housig. Aber kein echter House, denn echter House war Musik für Lofts und Warehouses.“ Zak gab aber nicht auf, selbst dann nicht, als die Community über die Jahre von 3000 auf 200 Leute schrumpfte. Ihm war klar, dass der nächste Schritt darin bestehen musste, einen eigenen Club aufzumachen. Das Foundation eröffnete 2007 und erzeugte eine enorme Resonanz. Aber die Stadt legte dem Club Steine in den Weg und seine Partner hatten andere, kommerziellere Vorstellungen. Nach 18 Monaten schloss Zak den Laden: „Ich habe mich furchtbar gefühlt. Ich hatte mehr Geld als jemals zuvor verloren und war eigentlich am Ende. Ich musste Teile meines Soundsystems verkaufen. Doch dadurch habe ich erst die Zeit gehabt, mit dem Produzieren zu beginnen. Und ich hätte keine besseren Türöffner haben können, als meine ersten Platten bei Ben Klock und Derrick May zu veröffentlichen.“

Zaks Releases auf Transmat und Klockworks markierten seinen internationalen Durchbruch. 2010 lud ihn Ben Klock zum ersten Mal ins Berghain ein. Heute ist er dort Resident. Und obwohl Zak schon unzählige Mal im Berghain auflegte, macht es ihn immer noch nervös, dort zu spielen: „Ich zehre von dieser Energie. Wenn es einfach wäre, würde es mich langweilen. Irgendetwas muss sich auch mal falsch anfühlen. Deshalb lege ich so auf, wie ich auflege: In jedem Moment könnte etwas schiefgehen, in jedem Moment könnte die Welt in die Luft fliegen, aber ich halte sie zusammen.“

Zak verdrängt seine Dämonen nicht, er besiegt sie aber auch nicht. Stattdessen fordert er sie Tag für Tag, Moment für Moment heraus. Zufriedenheit gibt es nicht. Dabei ist DVS1 bereits seit zwanzig Jahren aktiv in der Szene. Das Jubiläum HUSH 20 feiert er mit sechs neuen Tracks, die auf den Punkt bringen, was den Techno aus Minneapolis so einzigartig macht. Die „Wall of Sound“ hat seiner Musik Kraft und Ruhe gegeben. Sie braucht kein hämmerndes Drumming, sondern entwickelt ihre Energie aus fließenden Basslines und Soundscapes. So entsteht eine Gelassenheit, die in einer Großstadt wie Berlin kaum vorstellbar ist. Oder doch? „Ich habe Angst, ganz nach Berlin zu ziehen“, vertraut er mir an. „Ich habe zwar meinen Stil gefunden, aber natürlich wird jeder von seiner Umgebung beeinflusst. Genauso wie jeder auch von seiner Generation beeinflusst wird. Ich bin Teil einer Generation, die von Leuten wie Jeff Mills geprägt wurde. Das Vorbild, das er für uns war, die Weitsicht, die er hatte, die Arbeitsethik, die er an den Tag legt – all das macht ihn zu einem echten Künstler. Mir wurde schon früh klar, dass ich eines Tages selbst ein Vorbild für die junge Generation sein werde. Das hat mich sensibilisiert für die Dinge, die ich tue, die ich sage, für mein Auftreten. Gerade als erfolgreicher Künstler musst du Verantwortung dafür übernehmen, ein Vorbild für die kommende Generation zu sein. Am Ende geht es um die Frage, ob wir Kunst machen oder lediglich Unterhaltung. Wenn wir nicht zu den Vordenkern stehen, die dem treu bleiben, was unsere Szene groß gemacht hat, dann bleiben bloß ein paar Entertainer übrig. Das, was uns einen tieferen Sinn gibt, ist dann verschwunden.“

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