In der Dämmerung schiebt sich unser Taxi eineinhalb Stunden durch einen Stau zwischen Brüssel und Gent. Dann erhebt sich das Industriepanorama einer Ölraffinerie vor uns und wir rollen auf ein verzweigtes Gelände. Der Clubbetreiber führt uns durch die verschachtelten Hallen einer alten Fabrik mit gemauerten Wänden und einem Dach aus Stahlträgern. In einen Bereich hat es reingeregnet. Zak wird später in einem länglichen, hohen Raum spielen – einem minimalistischen Kirchenschiff, das wie eine Miniaturversion der Tate Modern in London aussieht. Besser geht es nicht. Die Anlage wird noch verkabelt. Turbosound heißt der Schriftzug auf den Boxen. Für diese Firma arbeitete der spätere Funktion-One-Gründer Tony Andrews, sagt Zak zu mir und erklärt danach dem Veranstalter: „Zwischen beiden Hochtönern muss ein Spalt frei sein, sonst filtern und überkreuzen sich die Frequenzen.“ Vier Boxen und sechs Subwoofer markieren die Begrenzung der Tanzfläche. „Ich würde hier eine Reihe von Lautsprechern aufstellen, wie in meinem Warehouse in Minneapolis. Der Raum ist kleiner, doch ich habe ganze 28 Subs. Die musst du dann auch kaum aufdrehen, weil die Energie bei den Leuten schon bei kleiner Einstellung spürbar ist.“

Später sitzen wir beim Abendessen. Ich spreche Zak auf seinen Essay an, den er 2014 für XLR8R geschrieben hat. Dort beschreibt er, was für eine destruktive Wirkung das ständige Fotografieren in Clubs hat. Der Text ist einer der am häufigsten gelesenen Artikel der Seite. Wenn jemand versucht, ein Foto von ihm während des Auflegens zu machen, duckt Zak sich weg oder er blendet den Fotografen mit der Taschenlampe seines Telefons. Manche Crowds kennen seinen Standpunkt und halten sogar Leute davon ab, zu fotografieren. Zak ärgert es, dass erfolgreiche DJ-Kollegen sich darüber ebenfalls beschweren und dennoch in ihren Social Media massenhaft Bilder von sich und ihren Crowds posten.

Immer wieder wird deutlich, dass es für DVS1 bei Techno nicht bloß um die Musik und um das Auflegen geht. Techno ist eine Kultur, die sein ganzes Leben bestimmt. Bevor er das Auflegen zum Beruf gemacht hat, organisierte er über 15 Jahre lang illegale Raves, sammelte Platten und kaufte sich sein eigenes Soundsystem zusammen – alles unter dem Namen Hush. „Ich weiß, was es bedeutet, Partys zu machen“, sagt er. „Ich habe Klos geputzt, ich war Bartender, ich habe stundenlang nach Partys dreckige Warehouses ausgefegt. Da hat man einen anderen Respekt. Es ging mir nicht um Geld oder Karriere. Das war ein Lebensstil.“ So liebt er es auch, jungen Leuten seine Technoethik zu erklären. Einmal trat er als Gastdozent vor einer Klasse junger DJs auf. Einer fragte Zak, was er vom Sync-Button halte. Wenn es nach ihm ginge, würde nie wieder ein Gerät mit Sync-Button hergestellt werden, antwortete Zak. Ein anderer Teilnehmer erklärte, dass er nicht verstehe, warum ein bestimmter Release auf Mistress Recordings, dem Sublabel von HUSH, erschienen ist. Das hat ihn beeindruckt.

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