28 Fragen: Luke Slater

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Der Fragebogen, den der Schriftsteller Marcel Proust „in seinem Leben dreimal ausgefüllt hat”, war als Herausforderung an Geist und Witz in den Pariser Salons des späten 19. Jahrhunderts so beliebt wie in den Achtzigern als Rubrik im Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Wir haben ihn für Nachtleben und elektronische Musik angepasst und legen ihn Musiker:innen und Akteur:innen der Szene vor.

1988 stand Luke Slater zu einer Zeit hinter den Decks des Londoner Nachtclubs Heaven, als Acid House noch keine Vergangenheit hatte. Während die britische Szene immer weiter Richtung Rave abdriftete, blieb er dem Detroit Techno treu. Eine Entscheidung, die wie Sturheit aussah und sich erst im Nachhinein als Überzeugung herausstellte. 1989 erschien seine erste Veröffentlichung, damals noch unter dem Pseudonym Translucent. Seitdem hat er sich durch so viele Aliases und Labels gearbeitet, dass man eine Discogs-Weile braucht, um dahinterzukommen, dass das alles ein und dieselbe Person ist: Clementine auf Djax, 7th Plain auf General Production Recordings, Planetary Assault Systems auf Peacefrog.

Das erste Album unter Slaters echtem Namen war Freek Funk und erschien 1997 auf NovaMute, jenem Plattenlabel, das damals auch Speedy J und Richie Hawtin beherbergte. Das Musikmagazin NME lobte das Album dafür, Techno wieder nach seinen Ursprüngen klingen zu lassen. Mixmag kürte es zum Album des Monats.

Dann kam das frühe Zweitausender-Intermezzo mit zugänglicheren, vocal-lastigen Tracks. Ein Ausflug, dem die Szene mit einer Mischung aus Verwirrung und Verratsvorwürfen begegnete. Nach einer psychischen Krise konsolidierte sich Slater als einer der Techno-Vordenker der ersten Stunde – und bestückte sein Alias-Arsenal wieder regelmäßig. Am vergangenen Freitag erschien sein neues, achtes Album als Planetary Assault Systems.

„Die Bandbreite zwischen bleepiger Psychedelik, brachialer Industrie-Hommage und raumgreifendem Dub Techno beherrscht in dieser Form wohl kaum ein Zweiter”, schreibt unser Rezensent über Planetary People. Anlässlich seiner Veröffentlichung hat Luke Slater einige unserer 28 Fragen beantwortet – manche hat er offengelassen.

Was ist für dich das größte Unglück?

Alles Schlechte, was mir passiert ist, ist auch schon vielen anderen passiert. Glück und Unglück sind eigentlich einfach das Leben selbst.

Wo möchtest du leben? 

Der Mars wäre interessant.

Was ist für dich das vollkommene irdische Glück?

Glück ist ein Geisteszustand. Ein Geist frei von Sorgen und Lärm ist ein guter Weg, den man gehen kann.

Wie sieht für dich das perfekte Line-up aus?

Keine Antwort.

Wer sind deine Lieblingsmusiker – im Kontext der elektronischen Musik und darüber hinaus?

Ryūichi Sakamoto, Funkadelic, King Tubby, Sparks, Mike Banks, Brian Eno, Stewart Copeland, Derrick May, Quincy Jones, Giorgio Moroder.

Wer ist dein Lieblingsmaler / Visual Artist?

Viron Vert.

Wer ist dein liebster Social-Media-Creator?

Keiner.

Welche Eigenschaften schätzt du bei einem Partygast am meisten?

Kein Gejammer.

Was ist deine Lieblingstugend?

Geduld.

Welchen verstorbenen Künstler würdest du am liebsten treffen?

Stanley Kubrick.

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

Musiker zu sein.

Welchen Beruf hättest du gewählt, wenn du nicht Musiker geworden wärst?

Vielversprechender Schauspieler.

Was ist dein Hauptcharakterzug?

Sehr sprunghaftes Denken.

Was ist dein größter Fehler?

Sehr sprunghaftes Denken.

Was würdest du gerne sein?

Besser.

Was ist deine Lieblingsfarbe?

Lila.

Was ist deine Lieblingsgewächs?

Geißblatt.

Was ist dein Lieblingsvogel?

Specht.

Was ist deine Lieblingsstadt?

Tokio.

Wie möchtest du alt werden?

Mit intaktem Verstand und funktionierenden Ohren.

Was war die erste Platte, die du von deinem eigenen Geld gekauft hast?

„Alright Alright” von Mungo Jerry. Die 7-Inch-Single.

Welche war die beste Party deines Lebens? (Wo, wann, wer hat gespielt?)

Keine Antwort.

Wofür sollte sich die elektronische Musikszene schämen?

Dass sie die Augen benutzt und nicht die Ohren und den Verstand.

Wofür schämst du dich?

Keine Antwort.

Wozu werden wir in zehn Jahren tanzen?

Intergalaktische Frequenzmanipulation durch Gedankenkraft.

Wozu hast du vor zehn Jahren getanzt?

Intergalaktische Frequenzmanipulation durch Gedankenkraft.

Was ist dein Motto?

Kurze Antworten.

Wie fühlst du dich genau in diesem Moment?

Hungrig, dankbar.

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