Bei dem anonymen französischen Kollektiv Arandel verdichtet sich feingeistige, ähnlich tief durchdachte und aufwendig mit MIDI-Patches und algorithmischen Programmierungen hergestellte Electronica in gleißend sonnenwarmen maximalistischen Techno, der oft aber nicht immer knapp vor dem Club stehen bleibt. Aleae (Infiné) ist ihr bislang poppigstes und bewegungsfreundlichstes Album, das zwischen einer techno- bis retrofuturistischen Ästhetik, Stichwort Blade Runner, und etwas traditionellerer Exotica ziemlich befreit aufspielt. Dass sie sich der aktuell so beliebten dystopischen Düsternis, der tiefsitzenden Humorlosigkeit der allgegenwärtigen Schwarze-Hoodie-Träger bewusst entziehen ist ein weiterer erfreulicher Aspekt, der dieses Album so lässig und frisch wirken lässt.


Stream: ArandelAlea III

Von ihren eigenen Produktionen abgesehen, können Arandel zudem noch auf einen immensen Wissensschatz über die Anfänge der elektronischen Musik zurückgreifen. Bog Bog, The Electronic Ladyland Mixtape (Infiné), ein hoch verdichteter Mix aus 55 Tracks von 35 Pionierinnen der elektronischen Musik, zählt nicht nur zu den absoluten Highlights des Podcast-Wesens des vergangenen Jahres, es gibt auch vielen weithin vergessenen oder aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängten Komponistinnen der elektroakustischen Avantgarde einen Platz und eine Stimme zurück ohne sie museal auszustellen. Die eng ineinander verwobenen Sounds wirken nie altmodisch oder nostalgisch, sondern würdig aber modern.


Stream: ArandelBog Bog, The Electronic Ladyland Mixtape

Auch die Berliner Produzent*n Born In Flamez tritt anonym, maskiert, körperpolitisch wach, posthumanistisch inspiriert und zudem noch gender-ambivalent auf. Auf Careful You Might Tear The Sound (Infinite Machine) treibt der Modeselektor-Schützling seine Intensiv-Ästhetik auf die Spitze. In den beiden Tracks der EP für das mexikanische Label feuern hypergegenwärtige Grime-Beatarbeit und Abstrakto-R&B auf Witch-House Düsternis und schleppende Trip-Hop Gemütsschwere, balgen sich hellsichtiger Hedonismus und introvertierte Melancholie in einem permanenten Disput.


Stream: Born In FlamezCareful You Might Tear The Sound

Ein Clash der Naturen, der auch auf ihrem formidablen Groove-Podcast vom Januar wunderbar nachzuhören ist.


Stream: Born In Flamez – Groove Podcast 90

Die Beat-Abstraktionen des Berliner Isländers Ástvaldur Axel Þórisson kommen da schon etwas altmodisch jetztzeitiger daher, als Aktualisierung der Neunzigerjahre-Schule von Warp und Planet Mu. Sein kurzes aber heftiges Debüt Astvaldur At Least (OQKO), erste Albumveröffentlichung des Labelkollektivs an dem er selbst aktiv als Mitgründer und -betreiber beteiligt ist, betreibt Crossover im besten Sinne. Seine hybrider, variationsfreudiger Sound zwischen melancholischem Analogsynthesizerpluckern und körnigem Noise-Drone, schreckt weder vor Porno- noch vor Klassik-Samples zurück und rüttelt die Ambient-Ruhe immer wieder mit nervösen IDM-Beatattacken durch. Das ist dann eher Autechre-Lite. Richtig gut ist Astvaldur, wenn er der Stille, den Lücken und Pausen in seinem Flow vertraut.


Stream: AstvaldurLive Berghain Kantine

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