Die Elektronikwelt trauert um einen ihrer größten Pioniere: Juan Atkins ist am 31. Oktober im Alter von 64 Jahren verstorben. Als Gründer von Cybotron und Model 500 prägte er nicht nur den Sound von Detroit, sondern legte das musikalische und gedankliche Fundament für das gesamte Techno-Genre. Der Verlust löst weltweit zahllose Reaktionen aus, die weit über das übliche hinausgehen. Weggefährt:innen, Freund:innen und Künstler:innen diverser Generationen erweisen dem Visionär eine letzte Ehrung. Wir haben einige bewegende Kondolenzen zusammengetragen.

„Juan erdachte Techno, bevor es irgendeiner von uns getan hat“, erinnert sich Richie Hawtin. „Ohne ihn würde unsere Musik nicht so klingen, wie sie es tut – falls es sie überhaupt gäbe. Er hieß ein nerdiges Kind aus Windsor auf dem Techno Blvd mit einem ermutigenden Lächeln willkommen und gab mir das Gefühl, dass es einen Platz für mich in einer Szene gab, die gerade erst geboren wurde. Dieser Moment hat mein Leben verändert.“

„Maestro Juan Atkins war Teil einer seltenen, auserwählten Gruppe visionärer Musiker, die eine Brücke ins 21. Jahrhundert gebaut haben“, sagt Jeff Mills. „Über die Jahre habe ich mit ansehen müssen, wie Juans Bedeutung und seine historische Position immer wieder darauf reduziert wurden, ‚einer von vielen‘ oder bloß ein Mitglied einer größeren Bewegung zu sein. Aber die Wahrheit ist, dass er nie nur das war. Sein Beitrag war fundamental“, ist Mills überzeugt. „Wir alle haben ihn respektiert – daran habe ich keinen Zweifel. Aber war unser Respekt genug? War er vergleichbar mit der Ehrfurcht, die wir routinemäßig den großen Figuren anderer künstlerischen Disziplinen entgegenbringen? Einem Picasso? Einem Miles Davis?“
„Die Welt kannte Juan als den Urvater des Techno“, schreibt Demetrius Carrington vom Beautiful + Machine Magazine über seine jahrelange Freundschaft mit Atkins. „Ich kannte Juan auch. Aber ich kannte auch den Menschen hinter der Musik: denjenigen, der meine Anrufe entgegennahm, mir ehrliche Ratschläge gab und an das glaubte, was ich aufbauen wollte. Die Welt hat ein musikalisches Genie verloren. Detroit hat einen seiner größten Kulturschätze verloren. Und ich habe einen Freund verloren.“
„Juan war seiner Zeit wahrhaftig voraus“, würdigt ihn Sven Väth. „Seine einzigartige Fusion aus futuristischen Klängen, Soul, Funk und elektronischen Maschinen öffneten Türen zu einem völlig neuen musikalischen Universum. Seine Vision inspirierte Generationen und half dabei, eine musikalische Brücke zwischen Detroit und Berlin zu schlagen – mit dem Tresor als einem so wichtigen Teil dieser Verbindung. Auch bei uns im Omen in Frankfurt standen die Türen für die Detroit-Pioniere immer offen.“

„Juan war der Urheber des Techno, ein echter Visionär, der so vielen von uns die Tür geöffnet hat – mir eingeschlossen. Ich werde nie vergessen, wie er mir zeigte, wie ich meine erste Platte ‚Triangle of Love‘ fertigstellen konnte. Das hat mir damals extrem viel bedeutet. Wir haben eine Reise geteilt, die Musik für immer verändert hat“, gedenkt ihm sein Belleville-Three-Weggefährte Kevin Saunderson.

„Für den Tresor ist dieser Verlust zutiefst persönlich. In der allerletzten Nacht des ursprünglichen Tresors war der letzte gespielte Track Juans ‚I Love You‘ – von einer Kassette, die er Dimitri persönlich drei Tage zuvor gegeben hatte. Als es vorbei war, wurde er direkt nochmal gespielt. Seine Musik trug uns durch die letzten Momente eines Ortes, an dem eine Generation aus Ost und West zusammenkam. Es gibt heute kaum eine Erinnerung, die schmerzlicher und schöner zugleich ist: ‚I Love You‘ zweimal gespielt, als wäre niemand bereit gewesen, loszulassen“, trauert das Team des Tresor Berlin und Dimitri Hegemann.







