Der neue Nighttime Culture Index von VibeLab und dem Amsterdam Dance Event (ADE) versucht den kulturellen Wert der Nachtkultur erforschen statt wie sonst oft üblich nach wirtschaftlichen Kennzahlen zu fragen. Die erste Ausgabe untersucht Amsterdam, Lagos, New York, São Paulo, Seoul und Sydney, je eine Stadt pro bewohntem Kontinent. Grundlage sind 30 Indikatoren in sechs Dimensionen, von kreativer Ökologie über Räume und Diversität bis zu Politik und Nachhaltigkeit.
Laut Dashboard liegen die Gesamtwerte bei 63,0 für Amsterdam, 62,9 für Sydney, 61,2 für New York, 50,0 für Seoul, 47,7 für São Paulo und 36,9 für Lagos. Eine Rangliste soll das ausdrücklich nicht sein: Der Index will messen, was eine gesunde Nachtkultur trägt, und erkennt an, dass sie in jeder Stadt anders aussieht.

Die Datenbasis: mehr als 12.000 Line-ups, über 3.000 Venues und 29.000 nächtliche Kulturveranstaltungen jenseits der Musik (zum Beispiel Theater, Galerien, Oper oder Comedy), dazu eine Umfrage mit 767 Teilnehmenden, 14 Expert:inneninterviews und Fokusgruppen mit 67 Beteiligten.
Hier die wichtigsten Ergebnisse:
- Kosten: Der Eintritt zu einer typischen Clubnacht kostet gemessen in Mindestlohn-Arbeitsstunden rund eine Stunde in Sydney, 1,3 in Amsterdam, 1,7 in Seoul, 1,8 in New York, neun in São Paulo und etwa 25 in Lagos.
- Schutz: Die niedrigsten Werte des gesamten Index erzielen Indikatoren zum Schutz und zur Nachhaltigkeit der Nachtkultur: rechtlicher Schutz für Venues, behördenübergreifende Koordination, Nachtgovernance und Nachhaltigkeit von Festivals. Beim rechtlichen Schutz von Venues kommen etwa São Paulo auf 27,0, Seoul auf 40,0 und Amsterdam auf 47,0 Punkte.
- Diversität: Frauen und gender-diverse Künstler:innen stellen nur 27 bis 32 Prozent der Line-ups. Männer machen 68 bis 73 Prozent der Bookings bei Clubabenden aus.
- Räume: New York und Amsterdam haben rund 50 Musikvenues pro Million Einwohner:innen, Sydney etwa 30, Seoul 12, São Paulo 7 und Lagos etwa 1.
- Sicherheit: In Amsterdam, New York und Sydney fühlen sich 86 bis 88 Prozent der Befragten in Clubs sicher, in Lagos, São Paulo und Seoul rund drei Viertel. Auf den Straßen drumherum fühlen sich in jeder Stadt weniger Menschen sicher, in fünf von sechs auch auf dem Heimweg. In Lagos sagen das nur 20 Prozent, den höchsten Wert für wahrgenommene Sicherheit erreicht Seoul (69,5), den niedrigsten São Paulo (29,8).
Grassroots- und queere Szenen setzen laut Studie am häufigsten auf diverse Line-ups und Awareness-Teams. Zugleich sind genau diese Angebote bei steigenden Kosten am ehesten gefährdet. Der Index soll jährlich wiederholt und um Städte erweitert werden. Die Ergebnisse stehen im Dashboard.
VibeLab gründeten Mirik Milan, früher Nachtbürgermeister von Amsterdam, und Lutz Leichsenring, früherer Pressesprecher der Berliner ClubCommission, beide gelten als Pioniere der Nachtgovernance.







