Die Berliner Streamingplattform Loone hat ein DJ-Showcase kurzfristig abgesagt, mutmaßlich, weil der Kurator sich öffentlich gegen Antisemitismus positioniert. Das geht aus einem Instagram-Post des DJs Phonatic vom 2. Oktober 2026 hervor. Loone bestätigte die Absage einen Tag später in einem eigenen Statement, ohne einen konkreten Grund zu nennen.
Geplant war ein Stream im Rahmen der von Phonatic kuratierten „Headroom”-Reihe, gemeinsam mit zwei befreundeten DJs. Dann meldete sich laut dem DJ die Bookerin der Plattform. Mitglieder der Community hätten „Bedenken gegenüber meinen öffentlichen Aussagen” geäußert, Stream und Showcase seien gestrichen. Auf Nachfragen nach konkreten Vorwürfen, benannten Aussagen und den Absendern habe es keine Antwort gegeben. Loone entscheide danach, „was sich für die Plattform und ihre Community richtig anfühlt”. Erst auf erneutes Nachhaken von Phonatic habe man mitgeteilt, es gebe keine Anschuldigungen. Problematisch sei die öffentliche Positionierung, die in der Szene umstritten sei und polarisiere.
Aussage gegen Aussage
Loone widerspricht dem in einem eigenen Posting nicht. Die Plattform sei „klein und unabhängig”, heißt es in dem Statement. Man konzentriere sich aufs Senden von Musik, „nicht auf die Vermittlung geopolitischer Konflikte”. Im Vorfeld sei klar geworden, dass das öffentliche Standing des DJs „stark von geopolitischem Campaigning geprägt” sei. Für die Spannungen und öffentlichen Reaktionen, die dabei entstehen könnten, fehle Loone die Infrastruktur und Kapazität. Der Rückzug sei „kein Urteil über eine bestimmte politische Haltung”, sondern eine „notwendige Grenze, um unseren Raum zu schützen”. Künftig wolle man die Buchungsprotokolle überarbeiten, damit solche Grenzen von Anfang an feststehen. Der DJ wird im Statement nicht namentlich genannt.
Phonatic liest die Sache anders. „Es gibt keinen konkreten Vorwurf. Keine benannte Aussage. Und trotzdem wurde ich gecancelt”, schreibt er in seinem Posting. Gemeint sei mit der Positionierung das Engagement gegen Antisemitismus und Israelhass. Zugleich verweist der DJ auf das Plattform-Motto von Loone: „We are Dancing for Freedom”. Er schreibt, die Freiheit ende offenbar dort, wo man sich gegen Judenhass stelle.
Bereits im vergangenen März wurde Phonatic von einem geplanten Gig ausgeladen. Hintergrund soll laut dem DJ eine Beschwerde gewesen sein, warum dort ein „Zionist” spielen dürfe. Die Bar sprach gegenüber der BILD Zeitung von „missglückter Kommunikation, kurzfristigen Abläufen und interner Unaufmerksamkeit”, bevor man sich öffentlich entschuldigte.
Am 7. Oktober 2026 jährt sich zum dritten Mal der Angriff der Hamas auf Israel, bei dem auch auf dem Nova-Festival mindestens als 370 Raver:innen ermordet wurden. Seither wird in der Berliner Clubszene über Antisemitismus, Israel und Palästina gestritten.







