Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin herrschen Trauer und Entsetzen. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen sind zum Teil schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde rund 20 Stunden nach der Tat bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartensiedlung Berlin-Spandau erschossen. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.
Der Anschlag ereignete sich am Samstagabend gegen 22 Uhr am Rande des CSD. Ein weißer Kleintransporter fuhr von der Lennéstraße nahe des Potsdamer Platzes aus in den Tiergarten in Richtung Straße des 17. Juni. Auf einer Strecke von etwa 350 Metern fuhr er Besucher:innen des CSD an und um, die den Umzug durch den Park verlassen wollten.

Nach bisherigen Erkenntnissen stieg der Fahrer anschließend aus und griff weitere Menschen mit einer Stichwaffe, mutmaßlich einer Machete, an. Eine Frau starb noch am Tatort, 29 Menschen wurden verletzt. Mehrere Opfer erlitten Stichverletzungen, andere Knochenbrüche durch den Aufprall des Fahrzeugs. Vier Menschen werden weiterhin in der Charité behandelt, ihr Zustand hat sich nach Angaben der Klinik inzwischen stabilisiert.
Nach einer großangelegten Fahndung spürte die Polizei den 21-jährigen Tatverdächtigen Abdul Ballout am Sonntagabend in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau auf. Nach Angaben der Polizei lief er dort mit einer Stichwaffe auf Einsatzkräfte zu. Daraufhin schoss ein Spezialeinsatzkommando auf den Mann. Trotz Reanimationsmaßnahmen starb er noch am Einsatzort. Eine Mordkommission untersucht den Schusswaffengebrauch.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die Tat als islamistischen Terroranschlag. Der Generalbundesanwalt übernahm die Ermittlungen und prüft neben dem Tatablauf auch mögliche Hintermänner und eingeweihte Personen.
Der 21-Jährige war den Sicherheitsbehörden seit Jahren bekannt. Er soll mehrfach versucht haben, sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anzuschließen und war deshalb bereits strafrechtlich verfolgt worden. Im Mai war er wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Die Entscheidung über eine mögliche Bewährung war jedoch zunächst zurückgestellt worden, weshalb er auf freiem Fuß blieb. Diese Entscheidung sorgt nun bundesweit für politische Diskussionen. Politiker:innen verschiedener Parteien fordern Konsequenzen und eine Überprüfung des Umgangs mit islamistischen Gefährdern.
Zeitweise prüften die Ermittler:innen auch die mögliche Beteiligung eines zweiten Mannes. Der zunächst festgenommene iranische Staatsbürger wurde inzwischen jedoch wieder entlassen, da sich der Tatverdacht nicht erhärtete. Die Bundesanwaltschaft geht derzeit von einem Einzeltäter aus.
Am Sonntag gedachten Tausende Menschen der Opfer bei einer Trauerkundgebung und einem stillen Trauermarsch. Das Brandenburger Tor wurde am Abend in Regenbogenfarben angestrahlt. Die Berliner Senatskanzlei erklärte: „Berlin ist die Stadt der Freiheit – und die Freiheit lassen wir uns nicht nehmen.”

Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner besuchten den Tatort und legten Blumen nieder. Wegner sprach von einem „Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft”. Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise zum Tatablauf.
Auch die elektronische Musikszene reagierte bestürzt auf den Anschlag. Die Clubcommission Berlin erklärte: „Wir sind zutiefst erschüttert und entsetzt über den Angriff auf alle Menschen, die gestern auf dem Christopher Street Day in Berlin für die Selbstbestimmung und Sichtbarkeit queerer Menschen auf die Straße gegangen sind.” Auch das Berliner Label Stil vor Talent äußerte sich in den sozialen Medien. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Der CSD ist ein Ort, an dem Menschen das Recht einfordern, offen zu leben. Genau das wurde angegriffen. Wir stellen uns gegen jede Form von Extremismus, die ihnen dieses Recht nehmen will.”







