Das Kappa Futur ist eines der größten Festivals für elektronische Musik in Europa. Die dreitägige Veranstaltung im italienischen Turin sticht nicht nur durch den spektakulären Veranstaltungsort in den Ruinen eines einstigen Fiat-Werks hervor, sondern auch durch ein Spektrum von Künstler:innen, dessen Breite ihresgleichen sucht. Wir versuchen, Ordnung in die Flut aus DJs und Acts zu bringen.
Die Länge des Line-ups ergibt sich auch aus dem außergewöhnlich enzyklopädischen Anspruch, sämtliche Facetten der Clubmusik abzubilden. Diese kuratorische Tiefe führt zu einem Programm mit mehr als 150 Künstler:innen, das beim Blick auf den Flyer überfordern mag, beim Studium aber umso mehr Lust auf die dreitägige Veranstaltung macht, die auf acht Floors abgehalten wird. Ein mächtiges kuratorisches Standbein ist der emotionale, melodische House, für den das Tale-of-Us-Label Life and Death steht, der sich gerade in Italien auf einen extremen Rückhalt verlassen kann.

2026 wird der langsame, melodische Sound von einer ganzen Reihe jüngerer Künstler vertreten, etwa von Massano, Max Cooper, Max Dean, Olympe, Redrago, Wade oder Tini Gessler. Mit Solid-Groove-Gründer Michael Bibi ist auch eine Schlüsselfigur des Kontrastprogramms vertreten, das auf melodischen Ballast verzichtet und sich ganz und gar auf treibendes Drumming und packende Bässe konzentriert. Irgendwo dazwischen werden mit Sven Väth, Solomun, Maceo Plex, Paco Osuna, Nicole Moudaber, Avalon Emerson, Tal Fussman, Jamie Jones, Joseph Capriati, Wah Wah Wino oder Argy die diversen Facetten des Tech-House in populärer Färbung ausgeleuchtet.
Ganz besonders interessiert man sich beim Kappa Futur auch für Hybride zwischen Pop und House, wobei der Dance-Bezug nie verloren gehen darf. Die Platzhirsche in dieser Liga sind Peggy Gou, Sebastian Ingrosso, Interplanetary Criminal und Diplo, der mit Ed-Banger-Gründer Pedro Winter und Tatyana Jane ein B2B2B spielt. Die Newcomer im Vocal-House-Bereich sind die naiv-verspielten Australier von Confidence Man, die mit Erol Alkan auftreten, und die irische Jazzy, deren Hits an Crystal Waters erinnern.

Eine Londoner Sicht auf die Dinge wird von Floating Points (im B2B mit Palms Trax), Four Tet (im B2B mit Skrillex) und dem versierten Newcomer Sammy Virji geliefert. Als sei das nicht genug, wirft man noch Daphni und Disclosure in den Artist-Mix. Nicht fehlen darf die Gründer-Generation der House Music aus den USA – vertreten durch Namen wie Chez Damier, Lil Louis, DJ Rush oder Joe Claussell. Auf der anderen Seite stehen TikTok-Schöpfungen wie Miss Monique und Mochakk, die die Brandmauer zu EDM-Schandtaten bilden, die uns das Kuratorium erspart. Und so sehr das Kappa Futur ein House-Festival ist, so groß wird hier auch das Techno-Programm geschrieben, das auf zwei Floors stattfindet.
Traditionalistischen Techno verfolgen Adiel, Anthea, Ben Klock, Marcel Dettmann, Mike Banks im Gespann mit Carl Craig und Richie Hawtin, der seinen DJ- und Live-Hybrid aufführt. Speedy J stellt sein STOOR-Live-Format mit Colin Benders, Lady Starlight, Dasha Rush, Rødhåd, Chris Liebing und Sterac vor. Mit Amelie Lens und Charlotte de Witte thronen die bekanntesten DJs über dem Parco Dora.

So scharf man sich von den Camelphats dieser Welt abgrenzt, so sehr feiert man den Hardtechno-Aufbruch der vergangenen Dekade. Mit dabei sind Adrián Mills, Clara Cuvé, Alignment, Anxhela, Basswell, Fatima Hajji, Fumi, Nikolina, Novah, Restricted, Serafina und Vendex. Ein Hingucker ist Vieze Asbak, der mit seinem Hardstyle-Edit von „Meet Her at the Love Parade” 15 Millionen YouTube-Clicks einsammelte. Wer es bis hierher geschafft hat, muss sich nun nur noch das Italien-Programm auf der Zunge zergehen lassen.
Zu den unbekannteren Namen gehören Fiorella, Olympe, Shkedul, Enrico Vivaldi, Greg Willen, Sizing, Nicola Gavino, Onlynumbers oder The Robinson. Zu den bekannteren zählen GROOVE-Held D-Leria, Marie Montexiers einstiger B2B-Partner Simone De Kunovich und Charlotte de Wittes Partner in love and crime Enrico Sangiuliano.
Hipster unter unseren Leser:innen, die sich irgendwo zwischen Lentekabinet und Walking Life herumtreiben, werden bis hierhin meistens die Nase gerümpft haben, sollten sie den Text überhaupt bis hier geschafft haben. Aber auch ihnen wird es schwer gemacht, sich der Kappa-Futur-Experience zu verweigern. Schließlich locken Batu, Beatrice M., Jane Fitz, Rhadoo, John Talabot, Konduku, Marco Shuttle, Objekt oder Djrum. Und als wolle man das einzigartige Booking-Investment unterstreichen, wurden auch Dawn Patrol, Mia Koden, Fireground und Xiaolin eingeladen, an dem fulminanten Wochenende teilzunehmen.

Kappa Futur
3.-5. Juli 2026
Parco Dora, Turin
Tickets: ab 110€ (Tagesticket) und 260 € (Wochenendticket)

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