Baurechtsnovelle im Bundeskabinett verabschiedet: Clubs sind Kulturstätten

Das Bundeskabinett hat eine Gesetzesänderung beschlossen, die Musikclubs baurechtlich neu verortet. Künftig gelten sie nicht mehr als Vergnügungsstätten wie Spielhallen oder Sexkinos, sondern werden im Baurecht als Kulturstätten eingeordnet.

Unter bestimmten Voraussetzungen, insbesondere der Einhaltung der weiter bestehenden Lärmschutzauflagen, sollen Clubs nun künftig in Misch-, Urban-, Kern- und Gewerbegebieten zulässig sein. In besonderen Wohngebieten, Dorfgebieten sowie Industriegebieten bleibt eine Genehmigung weiterhin möglich, sofern die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Regelung ist Teil einer umfassenden Baurechtsnovelle

„Mit der vorgeschlagenen Änderung soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass Musikclubs vielfach ein wichtiges Element des kulturellen Lebens sind und daher einen kulturellen Bezug aufweisen”, heißt es im Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts, der in Gänze hier nachzulesen ist.

„Ich habe mich dafür stark gemacht, dass wir das Ziel des Koalitionsvertrages umsetzen und Musikclubs nun eindeutig von reinen Vergnügungsstätten abzugrenzen sind”, sagte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in Berlin. „Das ist ein wichtiger Schritt zum Schutz und Ausbau der Livemusik-Szene in Deutschland und ein starkes Signal für die Kultur- und Kreativwirtschaft.”

Die politische Debatte über die Rolle von Clubs im Baurecht ist dabei keineswegs neu. Bereits 2020 wurde im Bundestag im Rahmen eines Fachgesprächs über Maßnahmen gegen das Clubsterben diskutiert. Vertreter:innen der Szene kritisierten damals bereits die Einstufung als Vergnügungsstätten, weil diese die Verdrängung von Clubs aus innerstädtischen Lagen strukturell begünstige.

2021 folgte ein Entschließungsantrag des Bundestags, in dem Musikclubs offiziell als Kulturstätten anerkannt wurden. Die konkrete Umsetzung in der Baunutzungsverordnung ließ jedoch auf sich warten. In den darauffolgenden Jahren wurde die Reform mehrfach überarbeitet, diskutiert und verschoben – ohne dass es zu einer vollständigen rechtlichen Gleichstellung kam. Erst ab 2024 wurden durch die politische Arbeit der LiveKomm, den Bundesverband der Musikspielstätten, sowie die Kampagne „clubsAREculture konkrete Reformpläne sichtbar.

Die Verzögerungen sind vor allem auf strukturelle Konflikte zurückzuführen: Bauplanungsrecht, Kulturpolitik und Lärmschutz fallen in unterschiedliche Zuständigkeiten und folgen teils widersprüchlichen Logiken. Hinzu kommt der anhaltende Zielkonflikt zwischen Clubschutz und Wohnungsbau in wachsenden Städten. Da Änderungen der Baunutzungsverordnung zudem umfangreiche Abstimmungsprozesse zwischen Bund, Ländern und Kommunen erfordern, zog sich der Reformprozess schlussendlich über ein halbes Jahrzehnt hin.

Für bestehende Clubs ergeben sich durch die Reform zunächst keine direkten Änderungen im laufenden Betrieb. Genehmigungen, Mietverhältnisse und bestehende Auflagen bleiben unverändert bestehen. Die neue baurechtliche Einordnung stärkt vor allem die Position von Clubs in künftigen Planungs- und Genehmigungsverfahren und verbessert ihre Argumentationsgrundlage gegenüber Behörden und Investoren. Konkrete Auswirkungen werden sich daher vor allem mittel- bis langfristig zeigen – insbesondere bei Neuansiedlungen, Umnutzungen und städtebaulichen Konflikten.

News

Weiterlesen

Verbindung in die rechtsextreme Szene: Berliner Clubcomission schließt Musikbrauerei aus

Unter anderem problematisch für die Clubcomission: Die „Erste Alternative Medienmesse” mit Beteiligung von Compact und der Partei dieBasis.

Verbindung in die rechtsextreme Szene: Berliner Clubcomission schließt Musikbrauerei aus

Unter anderem problematisch für die Clubcomission: Die „Erste Alternative Medienmesse” mit Beteiligung von Compact und der Partei dieBasis.

Drogenwarnung aus den Niederlanden: Trump-Pille enthält PMMA 

Vom Konsum der Pille wird ausdrücklich abgeraten, denn mit PMMA ist nicht zu spaßen. Was Raver:innen jetzt wissen müssen.

Monika Kruse: DJ verkündet Rückkehr von Angststörung

Die DJ leide außerdem an „körperlichen Symptomen und einer tiefen Erschöpfung” und musste einen Festival-Gig am Wochenende absagen.

Aarauer Rave 7.0 in der Schweiz: Tote und Verletzte nach Schüssen

Das Tatmotiv ist bislang ungeklärt, die Polizei schließt einen Amoklauf nicht aus, ermittelt aber auch in Richtung Terrorakt und organisierte Kriminalität.

Hamburger Hafen: Zoll stellt 1,5 Tonnen Crystal Meth sicher

Eine Einzeldosis umfasst 2,5 bis 10 Milligramm, mit dem Fund hätte also mindestens 150 Millionen Mal konsumiert werden können.

House-Ikone Moné: Stimme hinter zeitlosen Dance-Klassikern verstorben

Mit Hymnen wie „We Can Make It” und „Movin” prägte die Sängerin den Sound von Strictly Rhythm und die Clubkultur der Neunziger.

The White Hotel: Club in Manchester wird ab 2027 als BASTION betrieben

The White Hotel schließt Ende dieses Jahres, nun steht fest: Ein Projekt aus der Nachbarschaft übernimmt die Räumlichkeiten als BASTION.

Sektor Evolution: Dresdner Techno-Club droht die Schließung

„Nur mit Geld macht die Party auch keinen Sinn”, schreiben die Betreiber des Sektor Evolution in Dresden und warnen vor dem Aus.

„Ausverkauf der Festivals”: ARTE-Tracks-Beitrag zur Marktkonzentration in der Live-Musik-Branche veröffentlicht

In einem ARTE-Tracks-Beitrag setzen sich unter anderem DJ Aya und Michail Stangl kritisch mit dieser Entwicklung auseinander.

Drogenwarnung aus den Niederlanden: Trump-Pille enthält PMMA 

Vom Konsum der Pille wird ausdrücklich abgeraten, denn mit PMMA ist nicht zu spaßen. Was Raver:innen jetzt wissen müssen.
Monika Kruse by (Foto: Christoph Köstling)

Monika Kruse: DJ verkündet Rückkehr von Angststörung

Die DJ leide außerdem an „körperlichen Symptomen und einer tiefen Erschöpfung” und musste einen Festival-Gig am Wochenende absagen.
Der Rave wurde auf dem Gelände der Pferderennbahn Aarau abgehalten. Die Schüsse fielen hinter der Tribüne im Bild oben rechts (Foto: Aargau Tourismus AG)

Aarauer Rave 7.0 in der Schweiz: Tote und Verletzte nach Schüssen

Das Tatmotiv ist bislang ungeklärt, die Polizei schließt einen Amoklauf nicht aus, ermittelt aber auch in Richtung Terrorakt und organisierte Kriminalität.

Hamburger Hafen: Zoll stellt 1,5 Tonnen Crystal Meth sicher

Eine Einzeldosis umfasst 2,5 bis 10 Milligramm, mit dem Fund hätte also mindestens 150 Millionen Mal konsumiert werden können.
Moné sang für Strictly Rhyhtm prägende House-Tracks ein (Foto: Presse/Discogs)

House-Ikone Moné: Stimme hinter zeitlosen Dance-Klassikern verstorben

Mit Hymnen wie „We Can Make It” und „Movin” prägte die Sängerin den Sound von Strictly Rhythm und die Clubkultur der Neunziger.
Das White Hotel gilt es einer der freisten und unberechenbarsten Clubs in England, der gängige Formate sprengt und Musik mit Kunst und politischer Performance zusammenbringt (Foto: Alexis Waltz)

The White Hotel: Club in Manchester wird ab 2027 als BASTION betrieben

The White Hotel schließt Ende dieses Jahres, nun steht fest: Ein Projekt aus der Nachbarschaft übernimmt die Räumlichkeiten als BASTION.
Sektor Evolution: Spendenaktion nach Brand in Dresdner Club

Sektor Evolution: Dresdner Techno-Club droht die Schließung

„Nur mit Geld macht die Party auch keinen Sinn”, schreiben die Betreiber des Sektor Evolution in Dresden und warnen vor dem Aus.
CTM-Kurator Michail Stangl ist eine der Stimmen, die sich kritisch mit der Monopolbildung im Live-Musikgeschäft auseinandersetzen (Foto: Presse)

„Ausverkauf der Festivals”: ARTE-Tracks-Beitrag zur Marktkonzentration in der Live-Musik-Branche veröffentlicht

In einem ARTE-Tracks-Beitrag setzen sich unter anderem DJ Aya und Michail Stangl kritisch mit dieser Entwicklung auseinander.