Notting Hill Carnival: Veranstalter:innen fordern staatliche Soforthilfe

Die Zukunft des Notting Hill Carnival, eines der größten und bedeutendsten Straßenfeste Europas, steht auf der Kippe. In einem Brief an die britische Kulturministerin Lisa Nandy haben die Veranstalter die Regierung zu „dringender Finanzierung” aufgefordert. Das Schreiben, das der BBC zugespielt wurde, warnt eindringlich vor sicherheitsrelevanten Mängeln und einer potenziellen Gefährdung des Events.

Die staatliche Unterstützung sei „essenziell, um die Zukunft und die öffentliche Sicherheit dieses ikonischen Events zu sichern”, so Ian Comfort, Vorsitzender des Carnival-Vorstands. Das Festival, das jährlich rund zwei Millionen Besucher:innen während des August-Bank-Holiday-Wochenendes nach West-London zieht, sei laut einem unabhängigen Sicherheitsgutachten mit „kritischen Risiken” konfrontiert, die nur durch zusätzliche Mittel adressiert werden könnten.

Ein Sprecher des britischen Kultusministeriums kündigte an, man werde „zu gegebener Zeit” auf das Schreiben reagieren.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der stellvertretende Polizeipräsident der Metropolitan Police, Matt Twist, vor einem möglichen „Mass-Casualty-Event” gewarnt – verursacht durch die enorme Dichte der Menschenmengen auf den Straßen Notting Hills. Auch der Bericht des London Assembly Police and Crime Committees bestätigte im April 2024, dass die Belastung für die Polizei bei Großveranstaltungen wie dem Carnival stark gestiegen sei – ohne dass staatliche Mittel entsprechend angepasst worden wären.

„Begrenzte Ressourcen schränken die Fähigkeit der Polizei ein, auf wachsende operative Anforderungen zu reagieren”, heißt es im Brief von Ian Comfort. Die Veranstalter fordern deshalb erhöhte Investitionen in professionelle Ordnerstrukturen und Crowd-Management, um die Polizei zu entlasten und ihren Fokus auf Kriminalprävention und öffentliche Sicherheit zu ermöglichen.

Die Greater London Authority sowie die Bezirke Kensington and Chelsea und Westminster haben in der Vergangenheit erhebliche Unterstützung geleistet, stoßen nun aber laut Comfort an ihre Grenzen: Man könne den steigenden operativen Anforderungen nicht länger gerecht werden. Ein „koordiniertes, gut ausgestattetes Sicherheitskonzept” sei unerlässlich, um Besucher:innen eines „nationalen Großereignisses” zu schützen, so der Carnival-Vorsitzende.

Obwohl die Regierung den Carnival bislang indirekt, etwa über den Arts Council England, unterstützt hat, wäre eine direkte Finanzierung ein Novum. Wie hoch die benötigte Summe ist, wurde im Schreiben nicht beziffert.

Die Polizei hatte beim Carnival 2024 rund 14.000 Dienstschichten, mitunter 7.000 Beamt:innen gleichzeitig – ein personeller Aufwand, der offenbar nicht mehr ausreicht. Ausschlaggebend sei, dass „die Polizei nicht den Mangel an Ordnern aufseiten der Veranstalter kompensieren” solle, so Susan Hall, Vorsitzende des Londoner Polizeiausschusses.

Die Veranstalter des Notting Hill Carnivals warnen indes: Ohne sofortige Hilfe sei die Zukunft des international bedeutenden Events ernsthaft gefährdet.

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