„Haltung Zeigen”: Broschüre gegen Rechtsradikalismus bei Musikveranstaltungen veröffentlicht

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Die LiveMusikKommission hat gemeinsam mit dem Bundesverband mobile Beratung eine Broschüre veröffentlicht, die Veranstaltende im Umgang mit Rechtsradikalismus unterstützen soll. Das 48-seitige-PDF trägt den Titel Haltung zeigen – Extrem rechte Angriffe auf die Club- und Festivalkultur abwehren und ist kostenlos verfügbar.

Der Leitfaden richtet sich an Veranstaltende, Clubbetreiber:innen und Festivalorganisator:innen und umfasst Einblicke in aktuelle rechtsideologische Tendenzen im Kultursektor, Interviews mit Akteur:innen und konkrete Handlungsempfehlungen im Umgang mit rechtsextremen und diskriminierenden Übergriffen.

„Haltung ist nicht verhandelbar – sie ist Grundvoraussetzung”, sagt Mankel Brinkmann, erster Vorsitzender der LiveMusikKommission. „Diese Broschüre soll Mut machen, die eigene Haltung sichtbar zu vertreten. Sie vermittelt Wissen, baut Unsicherheiten ab und zeigt: Niemand steht in dieser Auseinandersetzung allein. Rechtsextreme und rechtspopulistische Strömungen setzen darauf, dass Angst, Erschöpfung oder Unsicherheit zur Selbstzensur führen.”

Die Mobile Beratung bringt ihre Erfahrung aus der Arbeit gegen Rechtsextremismus ein, insbesondere aus der lokalen Netzwerkarbeit und der Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen.

Ziel der Publikation ist es, ein Staatsziel Kultur in der deutschen Verfassung zu formulieren und zu verankern, um sie vor rechtsideologischer Einflussnahme zu schützen. Grund dafür sind die aktuellen rechtspopulistischen Tendenzen in der deutschen Politiklandschaft. Besonders die völkisch-nationale AfD, die zweitstärkste Kraft im deutschen Bundestag, habe begriffen, dass insbesondere die kulturelle Tradition eines Landes der zentrale Angriffspunkt für nationalistische Identitätspolitik ist. Hierbei stehen seitens der Partei Vorhaben wie Zensur und die Kontrolle über künstlerische Prozesse im Raum.

Um dem entgegenzuwirken, sind seitens der Verfasser:innen Workshops, Handreichungen und Materialien für die Praxis geplant. Im Mittelpunkt stehen die Erkennung rechter Symbolik im Livemusik-Kontext, der Umgang mit problematischen Acts und die Entwicklung tragfähiger Sicherheits- und Präventionskonzepte im Spannungsfeld zwischen Schutz und Offenheit.

Zu den konkreten Handlungsanleitungen gehört ein Leitfaden sowohl zum Umgang mit rechtspopulistischen Diffamierungsstrategien als auch mit rechtsextremen Gästen und Crewmitgliedern, der gerade für junge Festivals mit weniger Organisationserfahrung hilfreich sein sollte.

Neben einer Einordnung der aktuellen Lage zum extrem rechten Kulturkampf finden sich in der Broschüre auch diverse Interviews, unter anderem mit den Mitgliedern der antifaschistischen, berlinstämmigen Band KAFVKA, die ihre Erfahrungen und Strategien im Umgang mit Versuchen rechter Einflussnahme teilen, oder den Organisator:innen von Jamel rockt den Förster, einem Festival für Toleranz und Demokratie.

„Je häufiger Menschen aus rechtsextremen Parteien in den Parlamenten sitzen und dort Machtpositionen haben, z.B. in Ausschüssen, desto eher muss man als Veranstalter von Festivals – insbesondere von demokratisch ausgerichteten – mit Problemen rechnen”, sagen die Veranstaltenden des Festivals.

Dabei geht es insbesondere um Förderanträge und behördlichen Destruktivismus. So gibt es, trotz des Status als gemeinnütziger Verein, Bereicherungsvorwürfe gegen des Festival. Aber auch das reine Engagement von nicht-rechter Security spielt im ländlichen Raum eine große Rolle.

„Die Zeiten ändern sich”, sagen sie weiter. „Wir würden uns wünschen, dass jedes Festival und jede Konzertveranstaltung auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag verfolgt. Dies kann man zum Beispiel mit einer Ausschlussklausel gegen Rechtsextreme tun. Die Zeiten verlangen heute danach, auch von Kulturschaffenden.”

„Musikclubs und Festivals sind daher weit mehr als Orte des Vergnügens”, sagt LiveKomm-Geschäftsführer Christian Ordon. „Sie sind Laboratorien der Demokratie, Schutzräume für Vielfalt, Begegnung und Ausdruck, Orte für Kunst, Experiment und Aushandlung gesellschaftlicher Fragen. Wenn diese Räume bedroht werden – durch ökonomische Zwänge, bürokratische Hürden oder rechtsextreme Einschüchterung –, steht mehr auf dem Spiel als ein Freizeitangebot. Dann geht es um nichts weniger als um den Erhalt unserer offenen Gesellschaft.”

Die LiveKomm vertritt als Bundesverband der Musikspielstätten über 700 Clubs und Festivals in Deutschland und positioniert sich klar als Teil einer demokratischen Zivilgesellschaft, die Diskriminierung entgegentritt.

Der Leitfaden Haltung zeigen – Extrem rechte Angriffe auf die Club- und Festivalkultur abwehren ist hier zum kostenlosen Download verfügbar.

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