Ryanair: Billigflieger schließt Berliner Standort

Ryanair schließt seinen Berliner Standort. Das verkündete Eddie Wilson, Chef des Billigfliegers, am 24. April auf einer Pressekonferenz am Potsdamer Platz. Für die Berliner Nachtkultur ist der Rückzug der stärksten Fluglinie des Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt problematisch, denn viele Clubs und Promoter sind auf Feiertourist:innen aus dem europäischen Ausland angewiesen.

Bis zum 24. Oktober werde man die verbliebenen sieben am BER stationierten Flugzeuge abziehen und an günstigere Flughäfen in der EU verlagern, etwa nach Schweden, in die Slowakei, nach Albanien oder nach Italien. Auf den Flughafen BER kommen damit Einnahmeverluste in Höhe von etwa 5 Millionen Euro zu.

Seit 2019 hat Ryanair die Standorte Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart geschlossen und sämtliche Flüge nach Dresden, Leipzig und Dortmund eingestellt. Ein in Berlin geplantes Ryanair-Wartungszentrum soll aber trotzdem eröffnet werden.

Man reagiert damit auf eine Ankündigung des Berliner Flughafens, die Gebühren von 2027 bis 2029 um weitere zehn Prozent anzuheben. Berlin rufe Preise wie die Flughäfen Amsterdam Schiphol (69 Millionen Passagiere) oder Heathrow (84 Millionen Fluggäste) auf, erklärte Wilson weiter. Dabei konkurriere man eher mit einem Flughafen wie Bergamo mit 17 Millionen Passagieren. Der Flughafen BER fertigte 2024 etwa 25 Millionen Fluggäste ab.

Der Flughafenverband ADV bestätigt, dass Berlin für Airlines ein teurer Standort ist: Bei einem Flug von Berlin nach Palma fallen für die Airline 7.600 Euro an. Wer einen Flug von Warschau nach Palma ansetzt, muss nur 4.400 Euro zahlen.

Wilson unterstellt der Betreiberfirma FBB, mit den erhöhten Gebühren die 3,4 Milliarden Euro Verbindlichkeiten reduzieren zu wollen, die beim Flughafenbau entstanden sind. Seiner Meinung nach wäre im Interesse der Stadt ein Schuldenschnitt angebracht. Im vorigen Jahr konnte der Flughafen mit 25,5 Millionen abgefertigten Passagieren, zehn Prozent mehr als 2023, den Umsatz auf 645 Millionen Euro und den operativen Gewinn auf 152,3 Millionen Euro steigern.

Ryanair-Chef Eddie Wilson (Foto: Ryanair)

Der Berliner Flughafen leidet darunter, dass er anders als die Flughäfen München und Frankfurt kein internationales Drehkreuz ist. Hier wirkt die deutsche Teilung mit West-Berlin als Insel bis heute nach. Danach war die Entscheidung der Lufthansa ausschlaggebend, Berlin nicht als dritten globalen Hub zu entwickeln, weil man bereits starke Strukturen in den beiden westdeutschen Standorten aufgebaut hatte.

Air Berlin versuchte zwar, Berlin als globales Drehkreuz auszubauen, musste aber wegen der zehnjährigen Verzögerung der Eröffnung des Flughafens BER in die Insolvenz gehen. Ferner fällt ins Gewicht, dass Berlin zwar ein Tourismus-Magnet ist, aber nicht über den wirtschaftlichen Rückhalt der hessischen und bayerischen Metropolen verfügt. Dazu kommt, dass Berlin der Konkurrenz internationaler Airline-Hubs – Istanbul, Dubai, Amsterdam und Paris etwa – nicht gewachsen ist.

Man leidet auch darunter, dass die Kosten für Airlines in Deutschland insgesamt hoch sind. Das betrifft besonders die Luftverkehrsteuer (Ticketsteuer), die Luftsicherheitsgebühren (Personenkontrollen, Gepäckscanner, Flughafen-Sicherheitspersonal, Bundespolizei), die Flugsicherungsgebühren (Fluglotsen, Radarsysteme, Luftraumüberwachung) und die Flughafenentgelte (Startgebühren, Landegebühren, Parkgebühren, Terminalnutzung, Passagierentgelte).

Die Ampelkoalition hatte die Luftverkehrsteuer um etwa 20 Prozent angehoben, um Reisende auf die Schiene zu locken. Die personalintensiven Leistungen haben sich nach Angaben des Verbandes ADV zum Teil innerhalb weniger Jahre verdoppelt.

„[Bürgermeister] Kai [Wegner] sollte den Flughafen nutzen, um Menschen in die Stadt zu bringen, und ihn nicht irgendwelchen Buchhaltern unterstellen, um die Fehlinvestitionen von vor 20 Jahren zu korrigieren, als dieser weiße Elefant gebaut wurde”, sagt Wilson in der oben erwähnten Pressekonferenz. „Jemand muss einen Schlussstrich ziehen und den Neuanfang wagen. Es muss einen Weg zu einem Schuldenschnitt geben, damit wir endlich in der Realität leben können – und nicht in der vor 20 Jahren.”

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