Das Motherboard aus dem Oktober findet ihr hier.
Laure Croft @ RiftRadio (Vinyl Special)
Wenn man sich durch die Masse an wöchentlichen Techno-Sets klickt, bleibt man selten an Augenblicken hängen, die sich sofort anders anfühlen. Mein persönliches Highlight dieses Monats: Laure Crofts Vinyl-Set für Rift Recordings. Mitten in einem rohen von eindrucksvollen Tänzer:innen umringten Warehouse nimmt sie uns mit auf eine Reise durch ihren Plattenkoffer.
Ab der ersten Minute fasziniert die Leichtigkeit, mit der sie agiert: Sobald die Nadel das Vinyl berührt, spürt man ihre Vertrautheit mit jeder Rille. Wummernde Bässe, metallische Texturen und roboterartige Synthesizer leiten das Set ein, bevor rhythmische Bongos einen ersten Zug ins Geschehen bringen.
Das Besondere ist die innere Dramatik. Laure Croft braucht keine einfachen Buildups oder Breakdowns, sondern baut Spannung über einen galoppierenden Hardgroove auf. Im letzten Drittel zieht das Tempo mit schnellen Drums und Claps nochmals an und erreicht einen absoluten Flowstate, der sich auf die Hörenden überträgt.
Eingebettet in diesen harten Puls geben melodische Breaks dem Mix eine tiefere Dimension. Es ist diese geschickte Balance aus Energie und mystischen Sphären, die das Set so fesselnd macht. Laure Croft beweist einmal mehr, dass sie eine ganz eigene, hypnotische Atmosphäre kreieren kann, die von der ersten bis zur letzten Minute nachhallt. Mascha Schaper

Gradient Guestmix 032: Lewis Taylor
Lewis Taylor sieht aus, als würde er bei Zara in Newcastle an der Kasse stehen oder samstags im Pub Lager zapfen. Macht er natürlich nicht. Der nunmehr auch schon ein paar Jahre als next big thing angekündigte House-DJ ist an Wochenenden nämlich ganz gut beschäftigt. Patrick Topping nickt ab, Job Jobse macht sich Notizen, und Chris Stussy gibt ihm gleich ein Stipendium, weil … Na ja, Afterhour ist jetzt quasi Erwachsenenbildung. Wer braucht schon Unistress, wenn es Releases auf Up The Stuss, Factory 93 und ATW auch tun? Für die Mixserie des New Yorker Labels Gradient hat Lewis Taylor jedenfalls ein paar andere Platten rausgezogen. Andere DJs schreien deswegen Shazam an und hinterlassen – weil nix hilft – doch einen szenetypischen Verzweiflungsversuch („ID PLLZZZZZZ”). Dabei müsste man nur das Kleingedruckte lesen. Gradient füßelt neuerdings mit Apple. Die veröffentlichen den Mix mit den einzelnen Tracks. Die Artists bekommen Kohle. Am Ende wissen alle, dass Eric Prydz zum Closing lief. Christoph Gleich

nthng – RA.1059
Die technoide Linie, die von Robert Hood und Sandwell District bis zu Barker und Polygonia reicht, verfolgt der Niederländer nthng seit Mitte der 2010er. Sein Debüt erschien 2014 auf Mörk, dem Techno-Ableger von Lobster Theremin, später landete er passenderweise bei Delsin. Für RA.1059 eröffnet er mit vier eigenen Stücken, die einen Vorgeschmack auf sein kommendes Album „Last Light of the Sun“ geben. Danach weitet sich das Feld: Efdemins Remix von .Vrils „purge“ und ein Track von Prince Of Denmark, mit dem nthng immer wieder verglichen wird, verorten das Set in der dubbig-hypnotischen Richtung des Genres, Anmon und Lab Insect setzen melodische Lichtpunkte, die effektvoll eingesetzt werden. nthng lässt IDM, Breaks, Trance-Anklänge und Drum ’n‘ Bass in seinen Techno-Entwurf einfließen, ohne dass die knappe Stunde zerfasert. Am Ende blendet Windowseeker in nthngs eigenes, skelettiertes „Orchid“ über. Ein Mix für die Ränder des Dancefloors, wo man mit geschlossenen Augen tanzt. Alexis Waltz
Silva Bumpa – Radio 1’s Essential Mix 2026-10-02 (BBC)
Wenn ein Bassline-DJ aus Sheffield den tonangebenden Essential Mix von BBC Radio 1 übernehmen darf, sagt das auch etwas über den Status quo der postpandemischen britischen Clubmusik. Silva Bumpa, Resident im Hope Works und inzwischen mit eigener Residency bei Radio 1, übersetzt den Niche-Sound seiner Heimatstadt in zeitgenössischen Garage House. Der zweistündige Mix für die Episode 1677 ist von seinen eigenen Produktionen gerahmt: Zu Beginn und noch einmal im letzten Drittel läuft sein eigenes „On 2nite“, gegen Ende folgt ein Block von Room-Two-Veröffentlichungen, darunter die Kollaboration mit Interplanetary Criminal. Dazwischen reihen sich Tracks von Renceau, Prozak, Mance und Davey Boy aneinander: junger britischer Speed Garage, Bassline und Jackin’ House, die auf Druck und Bounce setzen. Subtilität und analoge Klangschattierungen sind hier keine Kategorie. Den Schlusspunkt setzt Mella Dee mit dem noch unveröffentlichten „Changes“, das eine nachdenkliche Note setzt. Ein Set für alle, die UK-Clubmusik als Körpermusik verstehen. Alexis Waltz

Zakes Bantwini – Live from the Anjunakitchen (Anjunadeep)
Leidenschaftliche Afrohouse-Liebhaber:innen kennen das Gefühl: Dein:e Lieblings-DJ manövriert die besten Klänge zwischen Amapiano, House und elektronischer Musik hin zu einem spürbaren Gefühl der Ekstase. Was zunächst zurückhaltend beginnt, entwickelt sich schnell zu etwas, das dich wie ein hypnotischer Sog packt. Genau diese Dynamik erzeugt Produzent Zakes Bantwini in seinem Mix für die Anjunakitchen. In seinem 60-minütigen Set bringt er die Vielschichtigkeit südafrikanischer Clubmusik in einen perfekten Einklang.
Der Mix startet mit offensiven Beats, die durch Vocals und organische Percussion ergänzt werden. Der tiefe Bass und die melodische Rhythmik schaffen einen tanzbaren Klang, der den Vibe sowohl in eine Bar am Strand als auch in den Nachtclub beamt. Mit seinen ausgeklügelten Soundelementen, die er während der Tracks immer wieder unbemerkt einschiebt, verbindet der Grammy-prämierte DJ die Energie der House Music mit vielseitigen Drums und repetitiven schwebenden Melodien.
Das Set entwickelt die eingangs erwähnte Dynamik, ohne auf schnelle Wechsel oder plakative Höhepunkte zu setzen. Mit „When the Stone Moves” von Cuebur und Louis Hale erzeugt er etwa hypnotische Klangfelder, die sich über den einzigartigen Sound des Afrohouse schieben. Warme Texturen werden mit melodischen Schleifen und Tribe-Vocals kombiniert. Mit raffinierten Übergängen bewegt er sich durchgehend von einem kraftvollen Track weiter zum nächsten mit geringerer Geschwindigkeit und ekstatischen Harmonien. Die Tribe-Atmosphäre wird immer wieder mit euphorischen Spannungsbögen hervorgeholt und verschwindet dann wieder im Zusammenspiel verschiedener Drums. Für den perfekten Abschluss integriert Bantwini eigene Vocal-Shouts in den Mix, die er live zu den schnellen Percussions aufnimmt. Madu Abeysekera
