Kollektive auf dem Tag der Clubkultur 2026: Wir stellen die Gewinner:innen vor

- Advertisement -
- Advertisement -

Anders als in den Vorjahren werden die Gewinner:innen der Preise des Tags der Clubkultur nicht mehr in einer öffentlichen Zeremonie gewürdigt. GROOVE-Autoren Christoph Gleich, Mascha Schaper und Alexis Waltz lassen es uns nicht nehmen, euch die Kollektive vorzustellen, die Preise abgeräumt haben. Die ausgezeichneten Clubs – LARK & Fitzroy, Neue Zukunft, Sameheads, Panke, Schokoladen, Sowieso, Heideglühen, Jonny Knüppel, Urban Spree, Pastiche – sind hinlänglich bekannt. Secret Location ist der einzige unvertraute Name.

Community (Preisgeld: 10.000 Euro) 

African Acid Is The Future

Maryisonacid ist der DJ-Alias von Maryama Luccioni (Foto: Presse)

Im Zentrum des afroberliner Kollektivs steht die umtriebige Maryama Luccioni, die African Acid Is The Future zugleich als Partyreihe und Label betreibt. Die in Korsika geborenen, in Paris aufgewachsenden Musikerin und Kuratorin geht es besonders darum, die afrikanischen Wurzeln ihrer Eltern zu erforschen. AW 

beyond our house

Naïma Mazic gehört zu den Tänzer:innen, die bei beyond our house Workshops gehostet haben. (Foto: Georg Cizek-Graf)

Das Kollektiv bringt Szenegrößen wie Goldie und Jus-Ed mit professionellen Tänzer:innen zusammen – dabei geht es weniger um eine Bühnen-Performance, sondern um Dialog und Austausch zu Themen wie kollektiver Verantwortung und Harm Reduction im Clubkontext. AW 

Casa Kua

Lohana Berkins – nach der Transaktivistin ist die Bibliothek von Casa Kua benannt (Foto: Viviana D. Amelia)

Der Trans*-, Inter- und Queer-Zusammenschluss in der Kreuzberger Naunynstrasse bietet Workshops in einer beispiellosen inhaltlichen Breite an. Das Angebot reicht von Beratung zu Gesundheitsthemen bis zu spielerischen Wrestling-Workshops, Improv-Theater und einem Soli-Projekt für die Betroffenen der jüngsten LGBTQI+-Niederschlagung in der Türkei. AW

Cashmere Radio

Cashmere-Mitbetreiber Lukas Grundmann (Foto: Nicolai Sauer)

Das Community-Radio aus dem Wedding pfeift seit Jahren auf den Mainstream. Bei dem gemeinnützigen Sender bekommen lokale Artists volle Freiheit für schräge Experimente und echten Nischen-Sound, der sonst nirgendwo durchs Mikro wandern würde. Verantwortlich sind die Klangkünstler Daniel Gottlieb und Lukas Grundmann.  MS

Femme Bass Mafia

Bass Femme Mafia Gruppenfoto schwarz-weiß

Schluss mit männerdominierten Line-upss: Die 2020 von DJ Dangermami gegründete Crew verschafft FLINTA*-Artists in der Bass-Szene den Platz, der ihnen zusteht. Über eigene Mentoring-Programme und Workshops bringt das Kollektiv den Nachwuchs hinter die Decks und bringt frischen Wind in die Berliner Clublandschaft. Mehr über die Entstehung und Hintergründe der Crew findet ihr hier. MS

La Regla

Das La Regla Team: Hebert Asprilla, Zoe Kimbwaka und Pablo Elvago (Foto: La Regla)

Lange bevor Reggaeton und Baile Funk im Radio liefen, hat La Regla diese Sounds schon nach Berlin geholt. Seit 1999 ist die von Zoe Kimbwaka, Pablo Elvago und Hebert Asprilla gehostet Reihe  fester Treffpunkt für alle, die Bock auf echten Cumbia- und Bass-Sound haben. Anzutreffen ist die selbsternannte „abuela sabrosa de las fiestas latinas in Berlin” was so viel bedeutet wie „die legendäre Oma der lateinamerikanischen Partys in Berlin”, im Lark bzw. Fitzroy oder um Pfefferberg. MS

Queens Against Borders

Queens Against Borders auf dem Lollapalooza 2026 (Foto: Queens Against Borders)

Hier treffen Drag-Kultur, Performance und politischer Aktivismus aufeinander: Seit 2015 schafft das Kollektiv sichere Räume für queere und trans*-Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte. Die Künstler:innen übernehmen hier selbst das Mikrofon und machen empowernde Räume auf, die laut, bunt und ein Gefühl von Zusammenhalt erzeugen. Zu sehen war der Zusammenschluss schon auf Festival-Größen wie dem Lollapalooza und auch international, etwa in Tschechien und Frankreich. MS 

Roses of Care

Roses of Care Team bei der Preisverleihung des Tags der Clubkultur 2026 (Foto: Roses of Care)

Als Awareness-Partner leistet das Kollektiv Schutz- und Care-Arbeit in Clubs und auf Festivals. Das Wissen von Roses of Care reicht von Erster Hilfe über Barrierefreiheit bis zu „alternativen Formen von Gerechtigkeit”, einem Umgang mit Übergriffen und Konflikten, der nicht nur auf Polizei und Hausverbot setzt. Außerdem gibt die überwiegend von trans*-, BIPOC*- und migrantischen Menschen getragene Gruppe ihr Wissen auch in Workshops und Schulungen wie dem „Club Culture Hub” oder der „Mental Health in Clubs Conference“ weiter. MS 

Sunday School/ sunch e.V. 

Sunday School gilt als eine der langlebigsten regelmäßigen Ballroom-Reihen in Deutschland. In Kategorien wie Runway, Vogue oder „Realness“ werden Rolle, Gender und Status, die marginalisierten Menschen meist verwehrt bleiben, spielerisch und selbstbewusst verkörpert, ohne sich an den gesellschaftlichen Mainstream anzubiedern. Neben den Events organisiert das Team Tanz-Workshops und baut ein Archiv auf, um der lokalen Community eine dauerhafte Bühne zu geben. MS 

tracey

Tracey-Macher Adam Munnings (Foto: Tracey)

tracey ist das als Lunchbox-Candy-Nachfolge gehandelte Kollektiv, das Partys und Vernetzungsmöglichkeiten für FLINTA*, BIPOC und queere Artists aufzieht. Neben überbordenden Clubnächten im Aeden oder Kreuzwerk setzen die Macher:innen auf einen farbenfrohen, schrillen Look. „Tracey kann alles sein”, erklärt Mitgründer Adam Munnings seine Schöpfung in der Siegessäule. „Eine Sektenführerin, das Mädchen von nebenan, dein inneres Kind. Auch Mutter oder Tochter. Sie ist in uns allen. Nicht festgelegt, sondern spielerisch und formbar – eine Projektionsfläche, auf die wir gemeinsam aufbauen können.” MS

Programm (Preisgeld 10.000 Euro) 

Cassette Head Sessions

Das Team von Cassette Head Sessions (Foto: privat)

Dass DJ-Sets ganz schön langweilig sein können, wissen auch die Macher der Cassette Head Sessions. Das DIY-Live-Musik-Kollektiv veranstaltet wöchentliche Jazz-, Soul-, Hip-Hop- und Funk-Sessions. Im Zentrum stehen Bassist Hal Strewe, Keyboarder Tim Granbacka und Schlagzeuger Nir Sabag, die die Hausband bilden. Aktuell finden die Sessions mittwochs im 90mil statt, früher beehrte man die Filmkunstbar Fitzcarraldo. AW

CTM Festival

Steve Moore bei seinem Auftritt zusammen mit Nataša Grujović (Foto: Camille Blake)
Steve Moore mit Nataša Grujović auf dem CTM 2026 (Foto: Camille Blake)

Längst kein Geheimtipp mehr. In Berlin und sonstwo eine Institution für alles, was knackt, dröhnt und das Feuilleton herausfordert. Experimentelle Avantgarde trifft auf Clubkultur ohne Scheuklappen. Wer hier tanzt, denkt meistens darüber nach. Endlich: der verdiente Preis für jahrzehntelange Verweigerung von Gefälligkeit. CG

Cuddles

In der Mitte die Cuddles-Macher Aaron Blau und Puppy, außen die Residents DJ Aya und Jessica Night Life (Foto: Cuddles)

Kollektives Kuschel-Engineering für Nachtschwärmer, die vor dem Berghain-Türsteher Panikattacken bekommen und Härte für ein toxisches Post-Punk-Konstrukt halten. Cuddles bietet als hedonistisches Gegengift „Wärme, Verspieltheit und queeres Chaos”, schreibt die Gruppe. „Eine chaotische, herzerwärmende, horny Idee wurde zu einem Raum, in dem Freaks, Weichherzige und Divas ein Zuhause finden. Cuddles lebt im Graubereich zwischen den Gegensätzen – zwischen House und Techno, zwischen hetero und schwul, zwischen niedlich und bizarr.” CG

Refuge Worldwide

George Patrick and Richard Akingbehin von Refuge Worldwide (Foto: Refuge Worldwide)

Refuge Worldwide gehört zu den erfolgreichsten clubkulturellen Projekte des Berlins der letzten zehn Jahre, vielleicht weil es Clubmusik explizit mit Migration, Flucht und Diaspora-Erfahrung zusammengebracht und so vielfältige politische Anknüpfungspunkte nach außen geschaffen hat. Die Community ist aus Soli-Partys zur Flüchtlingskrise von 2015 gewachsen, 2021 gründeten George Patrick und Richard Akingbehin den Sender, 2025 musste er wegen steigender Kosten per Crowdfunding um sein Überleben kämpfen. AW 

SAHRA 

Das Team von Sahra سهرة bei der Preisverleihung (Foto: Sahra)

SAHRA (arabisch für „ein Abend draußen“) ist eine 2022 gegründete, von Frauen geleitete Clubnacht und ein feministisches Kollektiv, das arabische und SWANA-Musik auf den Dancefloor holt. Das Spektrum reicht von Arabic Oldies über Dabke, Shaabi, Tarab und Mahraganat bis zu Electro-Tarab und Oriental Techno. Veranstaltet wird unter anderem im Maaya auf dem RAW-Gelände, im Badehaus und im Lido, inzwischen auch in München, Hannover und Düsseldorf.

SHUSH

D’Monk und Ken Okuda in London (Foto: SUSH)

Die SHUSH Macher D’Monk, Orlando Rosé und Ken Okuda richten sich mit einem bewusst stiloffenen Booking gegen das Berliner Vierviertel-Einerlei. Mit Soul-, Funk- und Disco-Klängen verfolgt das in Berlin, London und im Schwarzwald ansässige Trio  einen organisches Feiergefühl, der an die J.A.W Family-Ästhetik anknüpft. AW  

Raum & Ästhetik (Preisgeld 10.000 Euro) 

Backsteinboot

Roza Terenzi - CNV000006 - Credit- Henry King
Roza Terenzi gehört zu den im Backsteinboot beliebten DJs (Foto: Henry King)

Der Club in Spandau im äußersten Westen Berlins ist das Mekka einer internationalen Community, die das ausgiebige Feiern zu einem anspruchsvollen, trippigen Clubsound zwischen Breaks und Speedy House liebt. DJ-seitig gehören Figuren wie DJ Plead oder Rosa Terenzi zu den Key Playern, organisatorisch ist die disconnect Agency Strippenzieher.  AW 

infinity rug

Eine Veranstaltung von infinity rug (Foto: infinity rug)

Auch bei infinity rug geht es weniger um Feierspaß und eher um eine bestimmte Besinnlichkeit. Trauer und Verlust in queeren Berliner Freundeskreisen waren Themen einer Veranstaltung, ein anderes Mal bringen die Gäste ihren eigenen Teppich mit, um eine soziale Teppichlandschaft zu erschaffen. Ambient und Field Recordings werden bei gedimmtem Licht, Weihrauch und Nebel sitzend oder liegend genossen. AW 

Newcomer (Preisgeld 5.000 Euro) 

(lip) service

DJ Aya ist Teil von (lip) service (Foot: Iga Drobisz)

Als „music-centric lesbian* bar night for hot dykes*” versteht sich die Partyreihe, die nach der schottischen Lipstick-Lesbian-Serie benannt ist. Es ist eine der wenigen ausgezeichneten Veranstaltungen, bei denen auch regelmäßig international aktive Acts auflegen – was vielleicht damit zu tun hat, dass neben Gabriella Rowland auch DJ Aya für das Format verantwortlich ist. AW 

SHEENA IS

Anita Drink gehört zu SHEENA IS (Foto: Anita Drink)

Schokoladen-Herkunft, Ramones-Referenz und eine hochtourige Trans-Fem-Punk-, äh-, Anarchie, die dem ehrwürdigen Lido ab und zu einen dicken Lidstrich verpasst. Joah, das ist sie, die Sheena. Sie könnte auch Hagen heißen. Das wäre aber viel zu viel Vergangenheit für eine Party, die den nötigsten Mittelfinger in die Stadt schraubt. CG

Fukstep

Fukinsei ist verantwortlich für Fukstep (Foto: Fukinsei)

Britischer Bass-Rabauz scheppert durchs Panke-Gewölbe, der MC brüllt ins Mikro und die PA sagt knarzend Gute Nacht. Ein Beckenboden mag das gerade noch Exzess nennen. Zwei sagen schon, dass sie ihre Hüften lieber massieren lassen, als im lauwarmen Schlangestehen-Dilemma zu verrotten. CG

No_Stone

Jehia gehört zu No_Stone (Foto: Jehia)

Drüben wackeln die Bauhaussätze noch immer zur Vierviertelvergangenheit. Bei No_Stone prügelt Singeli-Terror auf 300 bpm den wohlstandsverwahrlosten Dünkel aus den Hirnwindungen. Könnte auch eine Anti-Gentrifizierungs-Invasion aus Downtown-Kairo sein. Ist aber nur das Beste, was der verweichlichten Stadt gerade passieren kann. CG 

In diesem Text

Weiterlesen

Features

Der Wiener Produzent Demuja im Interview: „Wenn du einen coolen Loop verkopfst, kommt das Gegenteil raus”

Er hat 400 fertige Tracks auf der Festplatte und kauft im Fünf-Minuten-Takt neue Synthesizer – wir haben uns mit Demuja unterhalten.

Dimitri Hegemann & Marcel Weber kritisieren den Hamburger Bahnhof: „Ihr mischt euch in unser Kerngeschäft ein”

Ihr Vorwurf: Mit dem Format „Berlin Beats" schmückt sich die Institution mit dem Namen bekannter DJs, anstatt der Clubszene auf Augenhöhe zu begegnen.

Produzentin Cordula Kablitz-Post über den „KitKatClub – Kinks of Berlin”: „Der Club ist dafür gemacht, dass sich Menschen frei entfalten können”

Am Donnerstag ist „KitKatClub – Kinks of Berlin" von Regisseur Philipp Fussenegger in den deutschen Kinos gestartet. Produziert wurde der beispiellose Dokumentarfilm über eine...