Booker Christoph Pankowski über die Eröffnung des PRINTHOUSE in München: „Das ist ein Druckhaus, und das soll man auch hören“

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Der Start des PRINTHOUSE am 17. Oktober in München-Moosach ist eine der ambitioniertesten Cluberöffnungen in Deutschland in den vergangenen Jahren. Booker Christoph Pankowski erklärt im Interview unter anderem, wo die besondere Energie der ehemaligen tz-Druckerei liegt, aus der in Zukunft Kultur entstehen soll.

Wie ist PRINTHOUSE entstanden? Wie habt ihr euch kennengelernt?

Die Idee hatte Henrik Szilit, und zwar lange bevor sie realistisch wurde, zu einer Zeit, als hier noch gedruckt wurde. Henrik arbeitet seit Jahren mit dem Verlag zusammen und kommt selbst aus dem Event-, Kultur- und Marketingbereich. Er hat früh gesehen, was aus diesem Ort werden kann, wenn der Druckbetrieb endet. Als sich die Möglichkeit konkret ergeben hat, hat er Robert Benke angesprochen, weil er Unterstützung für die Umsetzung gesucht hat.

Robert hat dann mich gefragt, ob ich den kreativen Part übernehmen will. Wir hatten vorher schon gemeinsam Open Airs gemacht, unter anderem Rave Autonomica in München. Wir wussten also, wie wir zusammenarbeiten.

Es gab also nicht drei Leute, die zufällig auf dasselbe Gebäude geschaut haben. Es gab eine Vision, die einer schon länger hatte – und dann die Frage, wer sie mit ihm umsetzt.

Wie teilt ihr euch in der Gruppe auf? Was sind die einzelnen Aufgabenbereiche?

Wir sind zu dritt, und jeder verantwortet einen eigenen Bereich. Henrik entwickelt den Standort und kuratiert, welche Nutzungen und Formate hier grundsätzlich stattfinden. Robert verantwortet den operativen Betrieb und die Gastronomie. Ich verantworte das Programm, das Booking und die kreative Handschrift, dazu Sound- und Lichtdesign und die Gestaltung des Raums. Alle kreativen Entscheidungen laufen über meinen Tisch.

Das ist keine Hierarchie, sondern eine klare Aufteilung. Jeder bringt in seinem Bereich seine Erfahrung ein, die übergeordnete Entwicklung stimmen wir gemeinsam ab.

Wie seid ihr an die Location gekommen? Wie lange ist die Zwischennutzung angesetzt?

Über Henrik und seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Verlag. Und an dieser Stelle möchte ich etwas ausdrücklich sagen: Wir sind dem Verlag der tz sehr dankbar, dass er uns diese Räume zur Verfügung stellt. Ein Haus mit dieser Geschichte für Kultur zu öffnen, ist keine Selbstverständlichkeit, und ohne dieses Vertrauen gäbe es PRINTHOUSE nicht.

Zur Laufzeit: Wir starten mit einer temporären Nutzung und Genehmigungen für die einzelnen Veranstaltungen. Parallel prüfen wir mit unseren Planern die Perspektive für eine längerfristige Nutzung. Die planungsrechtliche Abstimmung steht noch am Anfang, deshalb nenne ich keine Zahl, die sich später als falsch herausstellt.

Was ich sagen kann: Wir richten uns nicht auf eine kurze Zeit ein. Wir bauen das Haus so auf, als würde es bleiben. Man kann einen Ort nicht mit halber Kraft betreiben, weil er vielleicht endlich ist. Dann wird er schlecht, und dann ist er zu Recht endlich.

Was strahlt dieser Ort für euch aus, und wie wollt ihr ihn als Kulturort wiederauferstehen lassen?

Er wurde für eine einzige Sache gebaut, und diese Sache gibt es nicht mehr. Hier sind jahrzehntelang nachts die Zeitungen für diese Stadt entstanden, mit Lärm, Hitze und Schichtbetrieb. Die Arbeit ist verschwunden, das Gebäude ist geblieben.

Solche Räume kann man heute nicht mehr bauen. Nicht wegen der Größe, sondern wegen der Konsequenz, mit der sie gemacht wurden. Nichts daran ist dekorativ, alles hatte einen Zweck. Diese Ruhe kann man nicht herstellen.

Wiederauferstehen heißt für uns deshalb nicht sanieren. Wir polieren hier nichts weg. Spuren des früheren Betriebs bleiben, Einbauten bleiben mobil, damit der Raum sich für jedes Format neu einrichten lässt. Was wir hineinbringen, ist Qualität: Sound, Licht, wie Leute empfangen werden, wie eine Bar arbeitet. Der Raum ist das Programm. Wir geben ihm nur einen neuen Takt. Die Pressen sind aus, das Haus läuft weiter.

Noch zwei Fragen zu dir persönlich: Wie sieht dein Aufgabenbereich aus?

Programm, Booking, Line-ups und die gesamte kreative Handschrift. Dazu gehören das Sound- und Lichtdesign und die Gestaltung des Raums, denn Architektur und Design sind meine Leidenschaft. Alle kreativen Entscheidungen laufen über meinen Tisch. Beim Booking arbeite ich eng mit Lucas Brell zusammen.

Ein Haus braucht am Anfang eine Handschrift, und Handschriften entstehen nicht in Gremien. Ich buche nach Haltung, nicht nach Reichweite. Mich interessiert weniger, wie viele Follower jemand hat, als ob ein Abend eine Richtung hat. Ob die Acts zueinander passen, ob sich ein Bogen ergibt. Ein guter Abend braucht beides: jemanden, für den die Leute kommen, und jemanden, den sie danach kennen.

Ich mache das seit vielen Jahren. Ich habe eine Agentur aufgebaut und verkauft, das VËRYL Festival gemacht, und ich lege selbst auf. Die Beziehungen zu Agenturen, die wissen, wie ich produziere, sind der Grund, warum wir schon in der ersten Saison auf diesem Niveau buchen können.

Was für ein Sound schwebt dir vor? Wie klingt PRINTHOUSE?

In der Halle Techno, in der Kantine House. Das ist eine bewusste Entscheidung: Die Halle verlangt nach Druck und Weite, die Kantine nach Nähe und Groove. Zwei Räume, zwei Temperaturen, ein Anspruch.

Am 17. Oktober spielen Budino, Euphrat, Isabel Soto, The Lady Machine und die Zenker Brothers, und der Abend ist ausverkauft. Am 31. Oktober öffnet die Kantine, mit Alinka, Euphrat, Marie Montexier, Massimiliano Pagliara und Virginia. Am 14. November kommen Kinzua, .VRIL live und Recondite live.

Danach geht es weiter mit Adi und Vladimir Ivkovic, mit BLANKA, Gabrielle Kwarteng und INOX TRAXX, mit Altinbas, Cecilia Tosh, Glaskin und MARRØN, mit JakoJako, Toxido Mask und Quelza, und schließlich mit Efdemin und GiGi FM. Da kommt noch mehr.

Live-Sets sind mir wichtig, weil sie den Raum anders fordern als ein DJ-Set.

Technisch spielen wir ab dem 17. Oktober auf einem Void Incubus. Für das Lichtdesign in der Halle arbeiten wir mit den Bachstelzen aus Berlin zusammen. Produktionsqualität ist keine Nebensache, sondern der Kern. In einer Halle dieser Art entscheidet sich alles daran, ob der Sound den Raum füllt oder nur laut ist.

Und eine Regel, die viel über den Klang des Hauses sagt: Auf der Tanzfläche sind bei uns Handys nicht erlaubt. Es geht um die Musik. Wer da ist, soll wirklich da sein.

Langfristig klingt PRINTHOUSE nicht nur elektronisch. Die Halle funktioniert akustisch auch für klassische Musik ausgesprochen gut, das war eine der Überraschungen. Klassische und elektronische Musik nähern sich seit Jahren an, und genau diese Schnittstelle interessiert mich. Nicht das Nebeneinander, sondern die Verbindung.

Was ist eure Vision für den Ort, was ist euer Ziel? Mit dem Namen orientiert ihr euch auch am Printworks in London.

Printworks ist eine Referenz, das sage ich offen. Auch der Komplex dort ist eine ehemalige Zeitungsdruckerei, es ist auch ein Raum, dessen Wirkung aus der Industriearchitektur kommt und nicht aus dem, was man hineinbaut. Beeindruckt hat mich aber vor allem der Anspruch: ein Industriegebäude nicht als Notlösung zu behandeln, sondern als Bühne, mit einem Produktionsniveau, das man sonst aus Konzerthäusern kennt, und einem Programm, das international relevant war statt lokal nett.

Der Name selbst kommt aber vom Haus. Es ist ein Druckhaus, und das soll man hören.

Und es gibt einen Unterschied, den ich nicht wegdiskutieren will: Printworks war von Beginn an befristet und ist inzwischen geschlossen. Auch wir starten temporär, aber das beschreibt nicht unser Ziel. Wir bauen diesen Ort so auf, als würde er bleiben.

Die Vision: ein Haus, das elektronische Musik, Konzerte, Jazz, Oper, Theater und Ausstellungen unter einem Dach ernst nehmen kann. Mit Gastronomie, die auch unabhängig vom Programm einen Grund hat, offen zu sein. Und ein Ort, den man von außerhalb ansteuert. Dass Leute wegen eines Abends nach München kommen und nicht nur, weil sie ohnehin hier sind. München kann das. Es fehlt nur an Orten, die groß genug sind, um es einzulösen.

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